08.01 Hitsch Hiking

heute lies ich gemeinsam mit den jungen Hikern den Morgen lässig angehen. Auf Frühstück hatte ich immer noch keinen Bock. Die Option für Heute, 1. mit den Heikern ohne Rucksack ( werden gefahren) über die Berge zu laufen und dann wieder zurück. Total umständlich ! 2. die Berge umfahren. Also stellte ich mich lieber in die prallen Sonne an den Highway nach Hamilton, um einen Hitsch zu bekommen. Ich war innerlich noch nicht bereit über die „kleinen Hügel“ zu laufen. Diese Wahrnehmung, vor solch einer kleinen Herausforderung gleich zu Beginn eines Trails zu resegnieren zerstörte nachhaltig mein Ego. Nach einer Stunde gab ich das Warten auf und versuchte einige Leute anzusprechen, ob sie mich mitnehmen könnten. Aber erfolglos. Nur eine einsame ältere Dame traute ich mich nicht anzusprechen. Sie hatte von sich aus, bestimmt aus Mitleid, oder weil ich so gut aussah mich in ihr Auto einsteigen lassen. Es war eine lustige Fahrt, dass sie mich bereis an der Stadtgrenze absetzte passte mir nicht ins Konzept. 10 km benötige ich nun zu Fuß, um wieder aus dieser Botonwüste Hamilton herauszukommen. Einziger Höhepunkt war der Besuch bei Mc doof, mit Burger 🍔 und Cola 😊. Bis nach „Whatawhata“ meinem heutigen Ziel, lagen nur noch 11 km vor mir. Obwohl es über langweilige und anspruchslose Weideflächen ging, konnte ich keine richtige Genugtuung erfahren. Ich fühlte noch keine Bindung zwischen mir und dem Trail, eher baute sich regelrecht eine Abneigung zwischen uns auf. In Whatawhata angekommen, kehrte ich sofort in eine nette Bar ein und genoss mein erstes Bier und leckere Kartoffelecken. Supi 😊. Die Blasen unter den Füssen hatten sich auch gut weiterentwickelt, meine Hautfarbe wechselt langsam von Weiß auf Rot und mein Magen wollte die Kartoffelecken nicht akzeptieren. Danach durfte ich noch auf einem freien Zeltplatz meine wohlverdiente Nachtruhe einnehmen. Das war es auch schon mit dem Tag ☹️.

toller Trail
hab’s doch bald geschafft 👍
die Bilder gleichen sich
heute Endstation
Camp free

06-07.01 Asphaltheld

erstaunlicherweise konnte ich doch kurz nach 6:00 Uhr starten. Da die Strecke an einer flachen Straße entlang lief, war ich 7:00 Uhr bereits am Supermarkt in Manukau angelangt und wurde damit überrascht, dass das Center erst 09:00 Uhr aufmachen würde. Die Gelegenheit die Zeit bei Starbucks zu verbringen. Der Einkauf war viel zu viel, aber ich konnte mich nicht zügeln. Nun werde ich die nächste Zeit drei Kilo umsonst mitschleppen ☹️. Bei Starbucks erreichte mich die erschütternde Nachricht über Robertos Gesundheitszustand und ich hatte das Gefühl, dass mich bereits ein erster Felsbrocken, der etwa so groß war wie der Drury Hills Rocks, getroffen hatte. 45 km, bei stechender Sonne und auf Straßenbelag der neusten Generation( Beton), nur durch ein halbstündiges Gewitter unterbrochen reichten mir, bevor mich die letzten 5 km auf den ersten Mountain hinaufführten. Ich bemerkte mit Schrecken, dass die Luft, geschwängert durch einen Haufen von Feuchtigkeit mir das Atmen erschwerte und ich öfters Pausen bzw. länger Erholungsphasen einschieben musste. Eine Erkläreung für diese körperliche Dysbalance zu diesem früheh Zeitpunkt hatte ich nicht. Unterwegs bettelte ich um frisches Wasser und es stellte sich heraus, es waren Czechen, die vor 20 Jahren auswanderten und mich jetzt vor dem physischen Zusammenbruch retteten. Nach 50 km und 6310 kcal beendete ich den Tag. Da mich bereits seit Manukau teilweise übelste Muskelkrämpfe plagten ( Schienbein, Wade, Oberschenkel vorn und hinten) wollte ich erst mal nicht an den Morgen denken. Gegen 04:00 Uhr begann ich dann für eine Stunde diese Problemzonen zu massieren und versuchte dem mit elektrolytischen Getränken zu Leibe zu rücken. Mit Erfolg👍. So konnte ich 06:00 Uhr den neuen Tag, mit weniger Krämpfen angehen. Vom Geländeprofil glich dieser Tag dem des 06.01. Stundenlang ging es auf einen Damm entlang, ohne dass man an das Wasser herankam. Ich konnte auch keine Stelle erblicken, um ein kleines erfrischendes Bad zu nehmen. Nur meine Füsse ertranken durch das Gewitter und das nasse Gras im reichlichen Naß und bildete so den Nährboden für die sich entwickelnten Blasen. Irgendwann machte ich an einer schattigen Kuhtränke halt, um so an etwas Wasser 💦 zu kommen. Entspannt lehnte ich mich an den Holzpfosten, um wieder im gleichen Moment topfit aufzuspringen☹️. Hat mir doch der Elektrozaun einen kräftigen Stromstoß versetzt. Dabei bin ich doch keine Kuh 🐄, eher ein Ochse 👀. Mit neuer Energie konnte ich jedenfalls meinen Weg fortsetzen, wurde aber durch Orientierungsprobleme, mit Verlust eines T-Shirt und Streitigkeiten mit den wilden Ziegenböcken über Wegerechte aufgehalten. Später traf ich auf eine Gruppe Hiker, welche bereits am 12.12.23 mit dem Trail begonnen hatten. Alle ca 24 Jahre, eine Deutsche, Kanadier, Australier und ? Alle waren gut drauf und wir setzten gemeinsam unter kräftigen Sonnenschein den nun endlosen Schotterweg bis zum Campingplatz fort. Nach 45 km und 7710 kcal ( extrem) beende ich appetitlos diesen Abschnitt. Gute Nacht 🐻

der Fels hat mich nur gedanklich getroffen
tollere Trail ☹️
vor dem Gewitter
sieht schon gequält aus
der Fluss
mitten auf dem Weg 👍
wo ist der Weg
endlich Feierabend

03 -05.01 Auckland

pünktlich 18:30 Uhr setzte der CO 2 Vogel auf einer mit aber von tausenden Lichtern überfluteten CO 2 Piste hier in Auckland auf. Komisch war nur, dass im Gegensatz zu den meisten Landebahnen, welche ich so in der Sommerzeit kenne, alles Grün war 👀. Aber viel Grün bindet doch CO 2, oder ?. Jedenfalls verlief der 48 h Anmarschflug sehr entspannt und erlebte meine schärfste Zollkontrolle ever. Mein Zelt, Trekkingschuhe und eingeführte Nahrung wurden gründlich inspiziert, ob ja nicht irgendwelche gefährlichen Sporen, Schmutz und andere kleine Lebewesen es mit auf die Insel geschafft hatten. Dabei stellte ich fest, dass der chinesische Zoll mir mit höflichen Hinweis eine Powerbank heraus genommen hatte ☹️. Nach dem ganzen Prozedere scharrten meine Füße und wollten heute noch unbedingt 10 km laufen. Ich befragte schnell noch zwei Flughafenmitarbeiter, wie ich ohne Probleme vom Flughafen auf den Trail komme könnte, aber die schauten mich nur ungläubige an und wollten nicht wahrhaben, dass so ein berühmter Trail vom Nord nach Süd über ihre Insel führte. Sie haben das erste Mal davon gehört und ausgerechnet von einem alten deutschen Menschen 👀. Sie wünschten mir noch viel Glück und so machte ich mich auf den Weg ins Abenteuer 👍. Nach 10 km Straße! übertünchte die einbrechende Nacht den Trail mit schwarzer Farbe und ich beschloss mein Zelt ⛺️ notdürftig aufzustellen. Eigentlich wollte ich noch den Supermarkt in Wanukau erreichen. Morgen ist auch noch Zeit 👍. Es grenzt sowieso schon an Beklopptheit , wenn Udo nach 48 Stunden ( inclusive 20 Stunden Aufenthalt in Peking) 18:30 Uhr aus dem Flugzeug steigt und noch 10 km auf dem Trail herum stolpert. Damit habe ich wirklich keine Berührungsängste😊. Ich wünsche euch eine schöne Wochenende. Euer Udo Bär 🐻

der Weg ist mein Ziel
tolle Landschaft ☹️
noch lacht Udo Bär
Sonnenuntergang über Auckland

Vor dem ergreifenden Abenteuer 03.01

nun sitze ich noch einige Zeit sinnlos auf dem Münchner Flughafen herum und bin die Ruhe selbst. In den letzten Tagen bin ich des öfteren tief in mich hinein versunken, um festzustellen, dass die reale Welt mit ihren Sonnen.- und Schattenseiten mit mir und meiner Familie sehr gnädig und wohlwollend zur Seite stand. Nicht nur ich bin unverschuldet gealtert👀, verbunden mit etwas Schwund an Geist und Körper, sondern meine liebsten Mitmenschen und Freunde ereilte das gleiche Schicksal. Bis auf meinem kaum zu umgehenden altersbedingten Verfallsprozess😊 blieb ich von größeren Krankheiten verschont und konnte bis dato solch ungewöhnlich herausfordernde Momente in der Vergangenheit planen und erleben👍. Das dies nicht immer die Normalität abbildet, ist mir klar bewusst. Die Konfrontation mit lebensbedrohenden Krankheiten, wie Krebs, Herz/ Kreislauf, Bewegungsapparat usw. in unmittelbarer Nähe meiner Familie und Freundeskreises macht mich sehr betroffen und nachdenklich. Insbesondere, wenn diese Personen noch mitten im Leben stehen und täglich ihre Welt verändern wollen. Wie Roberto und Uwe. Beide werden wohl nie mehr solche Abenteuer mit mir aktiv gestalten können. Die Kraft und Energie, welche ich auf dem kommenden Trail, den Te Araroa, sammeln werde, möchte ich den Beiden schenken um den hinterlistigen und heimtückischen Krebs endgültig zu besiegen. Ich wittme diesen Trail meinen beiden Freunden und werde mit den Gedanken sehr oft bei euch sein. euer Udo Bär 🐻

viel Glück 🍀

Te Araroa 3029 Kilometer durch Neuseeland

meine treuen Follower, Freunde und weitere verrückte Lebewesen, welche ein persönliches Interesse an meinen abenteuerlichen Long-Trails haben, möchte ich eine kleine Einstimmung auf mein neues, lang vorbereitetes Projekt geben. Dem Wunsch, den Te Araroa , ca. 3000 Kilometer lang von der Nordspitze bis an die Südspitze Neuseeland zu laufen, beschäftigte mich bereits seit 2020. Auf Grund von Kobold 19 weltweit, war es aber auch nicht möglich diesen Trail zu laufen. Ich benötigte im Jahre 2023 erst einmal etwas Abstand vom erfolgreichen Bezwingen des PCT im Jahr zuvor. Ein noch mich immerzu bewegendes Abenteuer. Die Zeit von den ersten Planungsschritten ( April 2023 ) bis zum Start verging natürlich sprichwörtlich wie im Flug ✈️. Nun sind es nur noch ein paar Tage, Start ist der 03.01.24, und die inneren Abteilung, wie Kopf, Muskulatur, Knochen und Kalorienreserven😊 sind auf dieses Ereignis hochgefahren. Der steigende Adrenalinspiegel unterdrückt die altersbedingten Schmerzen, aber hebt meine Erwartungeshaltung bis in den neuseeländischen Himmel. Dieses Mal habe ich mich, seit dem 01.10 mit einem speziellen Training auf diesen Höhepunkt vorbereitet. Also so eine Art „ unmittelbarer Wettkampfvorbereitung „ ( im Leistungssport auch UWV genannt)💪. Also kann ich sagen, ich bin auf der Höhe der zu erwartenden Herausforderungen ( bin eben nicht in der Politik). Überraschungen sind sicherlich und hoffentlich nicht ausgeschlossen. Nicht nur die fantastischen Landschaften, die bevorstehenden unberechenbaren Ereignisse und das Gefühl der Freiheit ziehen mich nun schon seit fünf Jahren in diesen nicht einfach zu beschreibenden Bann. Man fokussiert sich über eine gewisse Zeit nur auf diese selbst gewählte psychischen und physischen Herausforderungen und ich muss zugeben, dass ich andere Dinge und Aufgaben des täglichen Alltags etwas egoistisch zum Ärger meiner Familie in den Hintergrund schob oder sogar ignorierte ☹️. Das da das Verständnis bzw. die Unterstützung nachließ konnte ich verstehen. Bin ich etwa auf der „ Falschen Spur „ , wo liegt für mich der Nutzen oder der Sinn eines solchen Unterfangens 👀?? Über den Nutzen kann man sich Streiten, es gibt keinen richtigen Nutzen, außer eine Ab- Nutzen der Gelenke 😊, aber es gibt einen persönlichen Sinn mich solcher Art Abenteuer zu stellen. Eigentlich wollte ich Anfang Oktober bis zum Weihnachtsfest diesen einzigartigen Trail laufen, hatte aber doch nicht so richtig gepasst. Dieses Zeitfenster läge im neuseeländischen Frühjahr, durchdrungen mit viel Regen, Wind, teils Schnee und anderen Unwegsamkeiten. Nun laufe ich mit der entsprechenden Ausrüstung in den Sommer hinein. Ich werde die ersten 600 Kilometer, welche vorwiegend über flaches Profil und an Straßen entlang führen überspringen und gleich vom internationalen Airport von Auckland ( der Trail verläuft unmittelbar am Airport vorbei) auf den Te Araroa einsteigen. Das bedeutet, dass trotzdem noch 2400 Kilometer vor mir liegen und ich dafür nur 63 Tage eingeplant habe ☹️. Da habe ich mich eventuell etwas verplant. Nur gut, dass die ersten 1000 km auf der Northalbinsel relativ flach erscheinen👍, bevor ich auf die anspruchsvollere bergige Südhalbinsel gelange. Bis jetzt war ich ja auch immer einige Tage früher am Ziel. Warum sollte es anders sein😊. Sollte es dennoch schiefgehen, erfahrt ihr es mit Sicherheit und die Entschuldigung wäre… mit 65 dauert eben alles länger. Lasst uns gemeinsam direkt bzw. indirekt an diesem abenteuerlichen Geschehen teilhaben. Euer Udo-Bär 🐻

bekomme ich auf dem Te Araroa auch ein Zertifikat?

07.06 zurück in Plav

die Nacht war überragend, still und klar. Die letzte Etappe bis zum Ausgangspunkt Plav galt es heute zu überstehen und somit den Trail mit einigen Problemchen erfolgreich zu beenden.

die letzten 31 Kilometer 😊

Bereits 06:22 Uhr freuten wir uns schon auf ein ausgiebiges Abendessen, Dusche und ein Bett. Nach einem kurzen Anstieg ging es im Schlenderschritt bis Vusanje sehr gemütlich bergab, vorbei am Oko Syno Skakovica, auch genannt ‚Blaues Auge 👁️ „ . Der Anblick dieses kleinen Sees, in der Mitte das kalte türkisfarbene Auge lies schon vermuten hier lieber nicht baden zu gehen, zumal auch das abfließende Wasser eine sehr starke Strömung entfachte und jeglichen entgegengebrachten Widerstand ignorierte. Wir konnten uns nun sehr gut vorstellen, dass der vermisste Bruder dieses Abenteuer nicht überstanden hatte. So verboten wir uns lieber einen Sprung ins eiskalte Nass und setzen nach einem kleinen Fotoshooting mit deutschen Hikern unseren Weg fort. Bevor wir von der weitläufigen Schotterpiste auf den festen Weg gelangten, trafen wir ein Pärchen aus Thüringen, welche gerade den Tag mit frischen Kaffee begrüßten und uns gleichfalls dazu einluden. Aus Zeitgründen lehnten wir dankend ab, aber wurden mit Kleinigkeiten aus dem Vorratsbehälter des Wohnmobils beschert. Das Tal wurde wesentlich breiter und die Sicht auf die faszinierende Bergwelt frei. Wiesen für vielerlei Getier säumten nun den Weg und wir hatten so ein Gefühl, als ob sich diese grünen Teppiche links und rechts in die Hochgebirge verflüchtigten. Die Sonne über Vusanje begrüßte uns bereits 08:00 Uhr und regte uns an, hier einen gemütliches Guesthouses mit einem energiegeladenen Frühstück und tollen Blick auf den Nationalpark Prokletije zu überfallen😊. Als wir die Aussenterrasse betraten, wurden wir fröhlich von den deutschen Wanderfreunden, welche wir in Reke e Allages getroffen hatten begrüßt. Den letzten heftigen Anstieg von 1130 Höhenmeter, zum Vusanjepass ( 2017 m) wollten wir nicht überstürzen und verschanzten uns regelrecht hinter dem Frühstückbüffet. Niemand konnte uns jetzt so schnell wieder auf den Trail jagen😊👍. Und doch kam die Zeit des Loslassen und Abschied nehmen von diesem an Natürlichkeit kaum (noch) zu übertreffenden Landstrichs. Um nicht ständig an die kommende Strapaze zu denken, lenkten wir uns durch wirre Erzählungen und Spinnereien ab, bzw ließen uns von der Umgebung, welche wir durchstreifenden inspirieren. Die letzten 22 Kilometer bis Plav sollten doch von uns mit Links bewältigt werden und so machten wir uns auf den Weg durch die Wälder von Montenegro, und schraubten uns immer höher in Richtung Himmel. Darüber war er sichtlich verärgert und versuchte die Sonne zu verdecken, schickte uns Wind 💨, Nebel 🌫️ und schließlich noch Regen entgegen. Damit war der Blick vom heutigen höchsten Punkt sehr bedrückt. Nach kurzer Pause 12:30 Uhr, kratzen wir beiläufig an der albanischen Grenze um dann über den Vusanjepass (2017m), den Zweiten Pass (1870m) und den Kleineren Pass ( 1905m) endgültig den letzen Abstieg auf dem Peak of Balkan hinab zu rutschen. Bevor wir auf einen wohl nicht endeten Fahrweg stießen, gelangten wir über wenig ausgetretene und teilweise steil abwärts führende Wiesenwege, vorbei an einer einsamen Schäferhütte wieder unterhalb der Baumgrenze. In weiter Ferne konnten wir bereits die Umrisse von Plav und des vorgelagerten Plavsko Jezero (See) sehen und unsere Stimmung hievten wir trotz schmerzender Füße auf ein höheres Level. So schleppten wir uns über den, nun mit Wasserpfützen übersäten und etwas schmierigen Weg noch über eine Stunde bis zum erstbesten Guesthouses. Wir baten einen Mann, welcher gerade mit seiner Sense eine Wiese bearbeitete uns bei der Suche behilflich zu sein. Gleich gegenüber quartierte er uns bei einer Familie ein, was sich als Glücksgriff erwies. Obwohl die Unterkunft normalen Standard bediente, war die Gastfamilie überaus freundlich und glänzte zum Abendessen und Frühstück mit den reichhaltigen natürlichen Gaben aus dieser Region. Bevor wir unsere von Schmutz und Schweiß überzogenen Körper befreiten, klärten wir mit dem Sensenmann noch die morgige Rückfahrt zum Flughafen. Er war bereit uns für 100,- € zurückzufahren 👍. Der Typ ( 45 Jahre) lebte in den USA und kommt im Sommer nach Plav zurück, um sein Haus und Ferienwohnung auf Vordermann zu bringen. Wir hatten mit ihm und seiner Frau so einen Spaß, könnt ihr euch nicht vorstellen. Nach dem Abendessen hüpften wir voller Zufriedenheit, Genugtuung und ramponierten Füßen in unsere Betten und hofften, dass die morgige Rückfahrt zum Flughafen funktionierte. Nach 31 Kilometer und 9 h, 1972 Höhenmeter und 5968 kcal beendete wir den genialen Rundtrail „Peak of Balkan“. Es war ein echtes und zugleich wunderbares Abenteuer was wir hier erfahren durften. Am Morgen des 08 Juni packten wir unsere Habseligkeiten in den Rucksack und fuhren von Plav aus nochmals lange durch ein wunderschönes enges Tal auf seitens Albanien um unseren Flieger rechtzeitig zu erreichen. Ihr hört im Januar 2024 von mir wieder 👍🐻

es geht auf die letzte Etappe
Wasserfall hin zum Blauen Auge
Im Hintergrund das Blaue Auge
Frühstück mit Bilderbuchkino
endlich Wasser 💦
alles locker 😊
sieht doch aus wie eine Schäferhüte
wo bleibt er denn wieder
der Weg in den Himmel
die letzten Höhenmeter
so sehen Sieger aus
Hochebene
ideale Bedingungen ☹️
Plav Start und Ziel ☀️
tolles überreichliches Abendessen 🥘
ab zum Flughafen
unser Fahrer der Sensenmann
Abflug vom Flughafen Podgorica

06.02 Wir sind wieder obenauf

die Sonne schien bereits, als wir uns aus den Betten in unserer Schuhe quälten um die heutige Etappe von Valbone nach Vusanje zu meistern. Die Zeichen standen dafür gut, ging es doch den vier Füßen sichtlich besser 👍. Wo vor zwei Wochen noch ein Rinnsal von den Bergen hinab ins Tal floss, war heute nur noch ein breites trockenes Kiesbett übrig, welches uns den Weg hoch zum Pass zeigte. Die ersten 8 Kilometer bis Rragami war auf Grund der relativ leichten Steigung keine Herausforderungen und stellten keine Belastung dar. Kurz vor dem Dorf überholte uns der kleine Transporter mit mehreren Wanderern, welcher uns gestern mit nach Valbone genommen hatte und bedankten uns nochmals für seine Freundlichkeit. Noch ein kurzer Stop am kleinen Café und wir konnten den Aufstieg zum Valbonepass angehen. Der erste steile Teil führte uns nun durch einen kühlenden Buchen .- bzw Fichtenwald der sich kurz nach einer niedlichen Waldbar ( Café) in eine Wiesenlandschaft, gespickt mit vielen kleinen, aber auch mit riesigen herabgestürzten Felsblöcken erstreckte. Ein Weitergehen auf der Sommerroute war ab hier untersagt und durch ein Brett als gesperrt markiert. Uns wurde mitgeteilt, dass wir ab hier die sicherere Winterrute (steiler und nicht so spektakulär) gehen sollten. Darauf hatten wir uns ja auch eingestellt. Also nahmen wir etwas unsicher den anderen Weg. Je höher wir stiegen um so schöner und spektakulär wurde die Aussicht ins Valbonetal. Einige hundert Meter von uns entfernt grölten eine hand-voll Wanderer in unserer Richtung, aber wir verstanden sie nicht. Sind wir etwa nicht auf dem richtigen Pfad ? , haben wir den Abzweig zur Winterrute übersehen? , sollten wir uns doch auf dem gefährlichen Abschnitt befinden, wo vor fünf Wochen die zwei Mädels abgestürzt waren?. Ein junges Mädel lief doch auch vor uns ( kehrte aber nach einiger Zeit um) und ein deutsches Paar, ohne spezielle Ausrüstung überholte uns ebenfalls. Auch sie kamen zurück und erzählten uns , es wäre kein Problem den ersten schneebedeckten Hang zu queren, aber der zweite Hang sah nicht so vertrauenswürdig aus, da es den Anschein erweckte, dass hier in den letzten Tagen keiner darüber gelaufen wäre und sie mit ihren einfachen Schuhen kein Risiko eingehen wollten. Das war einleuchtend. Also sind wir doch richtig 👍 und die Schreihälse von drüben waren einfach lustig und bestimmt alkoholisiert. Wir dachten schon, die wollten uns informieren, dass wir auf dem falschen Weg sind ☹️. Der erste Hang war wirklich kein Problem. Der Zweite verursachte einen gewissen Zweifel in uns. Der Schnee war oberflächlich getaut, dann wieder gefroren und stellte somit eine sehr gefährliche Situation dar. Sollten wir lieber umdrehen, oder es wagen? Ein Abrutschen würde nicht nur ein paar Schürfungen hinterlassen! Also ging ich total fokussiert und gefühlt sicher über diesen heiklen Abschnitt und genauso folgte mir Bert. Seine Schritte beobachtete und kommentierte ich sorgfältig, erblickte aber mit Entsetzen, dass das Schmelzwasser das Schneefeld stark unterhöhlt hatte und dadurch für eine gewisse Instabilität sorgte. Und in dem Moment war uns klar, dass wir doch auf dem gefährlicheren Weg waren. Jetzt mussten wir uns erst einmal sammeln um das zu verarbeiten. Wir hatten den Abzweig auf die Winterroute verpasst und das Gegröle der anderen war wirklich eine Warnung an uns👀. Wenig später, auf dem Valbonepass, trafen wir auf diese Wanderer und tauschten die traumatischen Ereignissen aus😊. Vom Pass ( 1818 m) aus konnten wir sowohl herrliche Blicke zurück ins Valbonetal und voraus ins Tal von Theth erhaschen, aber die soeben erlebte Situation arbeitete weiter in unseren Köpfen. Bevor wir mit dem sehr lustig entspannten Abstieg von 1100 Meter nach Theth begannen, rieten wir einigen „Amateuren“ vom Abstieg über diesen Weg dringend ab. Frohgelaunt erreichten wir nach 6,5 Kilometern den tiefsten Punkt auf dem Trail, den Ort Theth (748 m),was für die Mehrzahl der Hiker als Start und Ziel auf dem Peak of Balkan gilt. Auf einem befestigten Weg, beidseitig durch Wiesen und einige Gehöfte eingefasst erreichten wir einen kleinen natürlichen Guesthouse in Okol, welcher unbedingt zum verweilen einlud. Wir ließen uns natürlich die unterschiedlichsten kalorienarmen und wohlschmeckenden Besonderheiten des Hofes bringen, füllten unsere Wasserflaschen auf, um nun den anvisierten Pejepass ( 1722 m) zu erobern. Wir hatten heute mittlerweile 1000 Höhenmeter in den Beinen und die nächsten 900 Höhenmeter sollten doch noch möglich sein. Auf alle Fälle reichte die Puste noch, aber unsere Füße rebellierten bereits in unseren wohlriechenden Schuhen. Der Weg schlängelte sich an schroffen Felswänden entlang, an denen sich einige Bäume verzweifelt und krampfhaft festzuhalten versuchten um doch früher oder später den Naturkräften zu erliegen. Je näher wir uns den Himmel näherten, desto karger erschien uns die Landschaft. 16: 00 Uhr überquerten wir den Pass und freuten uns nur noch auf den hoffentlich erholsamen Abstieg nach Vusanje. Die 13 Kilometer würden und wollten wir nicht mehr schaffen, so dass wir uns in Ruhe ein gemütlichen Nachtplatz suchen konnten. Wir kamen an einem alten Militärgebäude, an einigen Hoxha- Bunkern, einer alten Schäferei und einem kleinen See vorbei und konnten so etwas Geschichte erleben. Das Tal wurde nach unten etwas breiter und bildete so ein Hochplateau, wo die unterschiedlichsten Gräser, Blumen einen Art Garden Eden abbildeten und ein wohlriechendes Klima erzeugten. Unsere Wasservorräte gingen zur Neige und würden nicht für das Abendessen reichen, aber es gab keine richtige Möglichkeit an das kostbare Nass heranzukommen. Wenn wir dachten, jetzt klappt es, war das Wasser irgendwie unter dem Geröll verschwunden. Nur noch einen kleinen Schritt über die albanisch-montenegrinische Grenze und wir stießen direkt auf den Liqeni Geshtares , welcher idyllisch von den Berghängen eingekesselt lag. Noch war genügend Wasser im See, er versickert im Laufe des Sommers, aber das Wasser sah nicht wirklich genießbar aus. So entschieden wir uns, das Bert den Berg wieder zu einer Wasserquelle hinauf kletterte und ich in der Zeit das Zelt in der Nähe des Ufers aufbaue. Der Magen schrie nach Essen und unsere Füße nach Freiheit. Es war hier so eine himmlische Ruhe und wir konnten zu einer spürbaren inneren Gelassenheit übergehen. Kurz nach dem Abendmahl 😊 erschienen vier Montenegriner in diesem Tal, um ihren seit drei Tagen vermissten Cousin zu suche👀., welcher talabwärts in ein blaues Auge gesprungen war und nicht mehr gesehen wurde. Ein blaues Auge ist ein sehr tiefes Loch 🕳️ , wo sehr kaltes Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche drückt. Dieses Naturschauspiel werden wir morgen Vormittag erleben. Beide krochen wir sehr schockiert in unser Zelt. Ein harter wunderschöner Tag ging nach 31 Kilometer, 10 h 40 m Laufzeit, bei 36500 Schritten, 7420 kcal und 1928 Höhenmeter mit dem Untergang der Sonne zu Ende. Gute Nacht 🐻

auf dem Weg zum Valbonepass
Valbone.-und Pejepass
Freude ist gestellt 👍
Valbone Passüberquerung
Blick ins Tal nach Theth
wir haben Beide Beschützer an Bord
so geht es auch 👍
Wasserfall ?
immer ein kulinarisches Highlight
sieht alles so leicht aus
auf was warte ich ☹️
Traumtänzer
alt wie ein Baum
genial einmalig
der Weg führt in den Himmel
ein Hoxha- Bunker von 170000 in Albanien
Pejepass
Enzian
Militärisch
steht er im Weg?
blühende Landschaft
unberührte Natur
Grenzüberschreitung
wir sind richtig
ist das die letzte Nacht auf dem Peak of Balkan?
neue Trailschuhe 👍
das Ende des Tages

05.06 Valbone das schönste Tal auf dem Trail

vom Roshkodopass nach Doberdol

was für eine stille verträumte Nacht. Erfahrungsgemäß stelle ich das Zelt nicht direkt auf einem Pass auf. Schnell können sich auch in der Nacht die Kräfte der Natur gegen uns stellen und so zur Unkalkulierbarkeit für Mensch und Ausrüstung werden. Der Morgen begrüßte uns jedoch mit einem Wink Freundlichkeit, verbunden mit einem klassischen Sonnenaufgang und unsere Körper sogen die Kraft des beginnenden Tages zögernd auf. Obwohl, unsere Körper hatten sich ja an die Belastungen gewöhnt, waren es unsere Füße, die uns weiterhin Sorgen machten☹️. Mittlerweile benötigen wir in der Früh mehr Zeit um in unsere Schuhe zu schlüpfen, als für das gesamte Frühstück. Trotzdem gelang es uns 06:05 Uhr diesen rauen baumlosen, aber imposanten Ort in Richtung Doberdol, immer wechselnd mit einem Bein auf der albanisch- momtenegrinischen Grenze zu verlassen. Der Weg führte uns zwar ständig sanft nach oben bzw. unten, aber da wir hier noch oberhalb der Baumgrenze liefen, ergab sich für uns eine tolle Übersicht der geologischen Profile. Hier ein kleiner See, eingelassen in ein sanftes Tal, dort aufragende Gipfel, wie der Trekufit(2365 m) oder noch die mit schneebedeckte schroffe Felswände. Hier gab das Sprichwort „ Vogelfrei „ für uns einen eigenen tieferen Sinn. Die aussichtsreiche Gratwanderung endete nach 6,5 Kilometern auf dem Kamm oberhalb von Doberdol (2192 m) mit Blick auf das 400 Meter steil nach unten liegende Bergdörfchen. Die Hänge rundherum sind hier mit satten üppigen grünen Gräsern bestückt und von drei Seiten stürzen sich Wassermassen ins Tal hinunter. Eine Vielzahl von Hikern die in einfachen Hütten übernachteten und gestärkt durch ein kerniges Frühstück, kamen uns entgegen um den Kamm zu besteigen. Der Abstieg erwies sich für uns recht sportlich und entschlossen uns bereits nach 2 1/2 Stunden zur Einkehr auf so einen bäuerlichen Hof. Als wir den Hof betrachtenden war die Besitzerin noch mit der Säuberung der Schlafplätze beschäftigt und ihr Mann mit drei Pferden unterwegs, um Nahrungsmittel von der einzigen Stelle im Dorf, wo ein Auto hinauf kommen konnte abzuholen. Im nu standen die unterschiedlichsten „Genussmittel“ wie Käse, Gemüse, frisches Brot, Milch von den Hofkühen und Kaffee auf dem Tisch. Da wir heute noch Valbone erreichen wollten, mussten wir uns förmlich von diesem märchenhaften Ort losreißen. Immerhin lagen da noch 33 Kilometer und 1160 Höhenmeter vor uns😊. Wie auf einem Schwebebalken überquerten wir sehr artistisch den großen Fluss um wenig später das Hochtal von Doberdol zu durchstreifen, vorbei an alten Gehöften, Buchen, einem Wasserfall und über weitläufige Wiesen. Nach 6,5 Kilometern erreichten wir Balqin (1836 m), ein menschenleeres Dorf, welches erst in der Zeit von Mitte Juni bis September zum Leben durch Bergbauern, Kinder und die üblichen Tiere zum Leben erwacht. Bis zum heutigen höchsten Punkt, die Kreuzung zwischen albanisch- montenegrinischen Grenze(1910 m) hüpften wir über einen kleinen Fluss, um im gleichen Moment den Gedanken hier ein kühles Bad zu nehmen umzusetzen. Es war genial und wir fühlten uns wie Neugeborene 👶. Die richtige Motivation für den folgenden Abstieg nach Cerem, welcher 9 Kilometer steil durch dichte Wälder und über Wiesen mit hochstehenden Gräsern hinab führte. Dieser grausame Abschnitt erwies sich für unsere mehr als blutig schmerzende Füße wie der Gang ins Fegefeuer. Das Beste, was wir ohne Beachtung der abwechslungsreichen Natur machen konnten, war immer nur weiter zu laufen. Nach 700 Höhenmeter bergab, kurz vor Cerem steckten wir die vier gefühllosen Füße ( also jeder zwei) in den kühlen rauschenden Fluss, was uns wie eine Erlösung vorkam. Unsere Köpfe sagten : weiter Jungs, aber unsere Füße gehorchten nicht. Nur der Gedanke, hier in Cerem eine kleine Einkehr zu finden um bei Eis und kühlem Bier Linderung zu erfahren bewegte uns weiter zu gehen. Da die Gehöfte weit auseinander lagen und teilweise unbewohnte erschienen, begruben wir diese kühne Idee. Von hier aus führten zwei Wege nach Valbone, einen längeren dafür leichtern Schotterweg, oder etwas kürzeren durchs Gebirge. Wir entschieden uns für den interessanteren zweiten Weg und stellten eine halben Stunde später fest, dass wir auf dem ersten langweiligeren Weg gelandet waren. Jetzt spürte ich massiv meine tiefen Wunden, die mir die falsch gewählten Schuhe zugefügt hatten und in mir wuchs die nicht zu mir passende Vorstellung den Trail unter diesen Umständen nicht zu Ende führen zu können. Obwohl der Weg fast immer auf der gleicher Höhe durch das enge Tal verlief, zottelten wir wie zwei geschlagene Kämpfer dahin.

von Cerem nach Valbone

Deshalb planten wir für die 16 Kilometer ca. 4 Stunden ein, oder sollten wir uns von einem Shuttlebus abholen lassen? Nach mühseligen 6,5 Kilometer kam ein kleiner Bus von Cerem, welchen wir einfach anhielten und den Fahrer um Mitleid baten uns bis nach Valbone mitzunehmen. So zuckelten wir gefühlt eine Stunde über diese staubige Schotterpiste und erreichten das Hotel Markjeka, geführt von einer deutschen Frau aus Burg zwei Stunden früher. Ich lernte ja die Landsfrau schon bei unserem Aufenthalt vor zwei Wochen kennen. Sie erzählte mir da bereits, dass vor fünf Wochen zwei junge Frauen oben am Valbonepass tödlich verunglückten. Und morgen wollten wir über diesen, noch mit schneebedeckten Pass gehen. In unserer jetzigen physischen und mentalen Situation keine gute Idee. Wir versorgten uns zugleich mit Kaffee und Kuchen, duschten ausgiebig und hätschelten unsere Wehwehchen. Ich hatte nun das Gefühl, nicht weitergehen zu können und erkundigte mich nach einer Transportmöglichkeit in Richtung Plav. Jeder Schritt bzw. Treppe war für mich eine Zumutung. Manometer, ich bin 10.000 Kilometer durch die Wildnis gelascht und hatte nie diese Probleme. Bert, der junge Bursche an meiner Seite würde dann bis Plav alleine laufen. Entscheiden sollten wir das morgen Früh. Nach einem üppigen Abendmahl hüpften wir in unsere Betten und träumen von den schönen Dingen des Lebens. Für die heutigen 39 Kilometer, davon 10 per Bus benötigten wir 5400 kcal und fast 9 Stunden. Möge die Nacht uns zu ungewöhnlichen Kräfte verhelfen. Gute Nacht 🐻

Bilderbuchruhe auf dem Roshkodolpass
auf dem Kamm
noch ist die Freude zu erkennen
fest entschlossen und unwiderstehlich
artistische Herausforderung
Doberdol mit Pferd 🐎
oft mit Kuh erreichbar 🐂
oder macht eine Hikerpause
Hikertränke 😊
wasserscheu
hier bleibe ich sitzen
das letzte Hindernis vor Valbone
da ist doch gleich das Lächeln zurück

04.06 wunderbare Passüberquerung

der gestrige Abend war erholsam und interessant. Toll fanden wir, mit welcher Motivation die einzelnen deutschen Hiker das Abenteuer ,Peak of Balkan, angegangen sind, teilweise naiv und manche schienen ihre Fähigkeiten zu unterschätzen. Jedenfalls schliefen wir tief und fest in einem standesgemäßen Bett, in der Hoffnung, dass sich unsere Füße von den Strapazen der letzten Tage gut erholen würden. Unsere Klamotten und Schuhe waren zwar noch von der gestrigen Schlammschlacht gezeichnet, aber super trocken. Nach dem wirklich exzellenten Frühstück, wir hatten uns mittlerweile nicht nur an die natürlichen Gaben der Region gewöhnt, sondern waren auch süchtig danach und dem Erhalt des Proviantbeutels ging es 07:15 auf den nächsten Abschnitt in Richtung Doberdol. Wenn das heutige Profil angemessen wäre, würden wir die 38 Kilometer, verbunden mit 2225 Meter Aufstieg, in Verbindung mit unseren bereits verschlissenen Füßen in 10 Stunden schaffen. Notwendig wäre dieser Husarenritt allemale, wenn wir unser Ziel, den Ausgangspunkt Plav am Mittwoch erreichen wollten. Zunächst liefen wir 6 Kilometer auf einer schmalen Bergstraße hinab ins Tal, was zunächst langweilig, aber ohne größeren Energieaufwand erfolgte. Die Natur begrüßte uns hier allerdings bereits mit auftürmenten Felswänden beidseitig der Straße, welche vermutlich durch den dahinfließenden, teilweise stürzenden Fluß geprägt wurden. Einige ältere Herrschften kamen uns pflichtbewusßt in ihren schwarzen Gewändern tiefatment und langsam in schweren Schritten entgegen, um am Sonntagsgebet in der Kirche von Reke e Allages teilzunehmen. An Lagjja e Kaprovje, mit einigen neuen Häusern und Guesthouse vorbei, hinab ins Rugovatal (956 m) stand uns nun der teilweise sehr steile Aufstieg auf den Pusi i Magareve (2058 m) bevor. Wie üblich, waschelten wir unbekümmert weiter die Straße entlang und mußten uns eingestehen mal wieder auf der falschen Route zu sein. So gleich hielt ein VW Golf mit jungen Männern an, um uns mitzunehmen. Sehr aufmerksam, mußten aber höflichst ablehnen, da der Peak of Palkan nicht wirklich für PKW’s oder ähnliches geeignet ist. Irgendwo, in der Nähe des Hotels Rugova Camp (hervorragend im Tal gelegen) musste doch der Einstieg zum Trail sein ? Verzweiflung stand in unseren Gesichtern. Faßt unscheinbar zeigte uns ein kleines Schild den glitschigen Weg durch dicht bewachsenes Gestrüpp in die Höhe. Je höher wir gelangten, wurde der Untergrund trockener und begebarer. Auf Grund unsere noch unterschiedlichen psychischen und pysischen Vorraussetzungen gestaltete jeder den Aufstieg nach seinem Ermessen. Ich rannte über steinigen Untergrund voraus, kämpfte mich unter und über Krüppelkiefern und anders Gestrüpp durch und hatte nur ein Ziel im Kopf, ohne Pause und entkräftet den Pusi zu erreichen. Landschaftlich und emotional war es ein Genuss hier so einsam sich gegen die Urwüchsigkeit zu stemmen. Nach 1 1/2 Stunden hatten wir den Berg bezwungen und ab dann zuckelte ich die nächsten Tage meistens hinter Bert her. Hat er sich die ersten Tage ausgeruht, spielt er mit mir, oder bekam er die zweite Luft? Er wird es mir nie verraten. Auf 2058 Meter war der Himmel noch etwas verklärt und ließ die baumlose, steinige und mit Schneeinseln beseelte Umgebung etwas düster erscheinen. Das bereits reichlich aufplitzende Blau am Himmel verriet uns, dass dieses Fleckchen Erde bei pure Sonneneinstrahlung einen Eindruck des Gleichgewichtes zwischen den irdischen Kräften reflektiern würde. Momentan nutzten wir die Pause zur Rekultivierung unserer Füße, tranken frisches glasklares Wasser und stopften mehrere Energieriegel in uns hinein. Die nächsten drei Kilometer führten uns über eine Hochebene (2115 m) gespickt mit zauberhaften Panoramen und riesigen Grasflächen, welche durch verschiedene Blumenbudgets wie ein übermächtiger bunter Teppich über die Bergewelt gelegt .aussah. Die herumliegenden kleinen Felsbrocken wirkten dabei wie Brotkrümmel, welche die Bergfee mit ihrem Staubsauger vergessen hatte aufzusaugen. All diese Eindrücke bewirkten stehts einen mächtigen Energieschub in allen Körperteilen und ließen die Schmerzen in den Hintergrund rücken. Beim Erreichen des Dörfchens Milshevc wurden wir förmlich ca 200 Jahre in der Geschichte zurückversetzt. So mussten hier die damaligen Bergbauer bis dato gelebt haben. Abgeschnitten von der modernen Zivilisation, reine Selbstverpflegung und im Einklang mit der rauhen Natur. Die Häuser aus Balken zusamengefügt, die Dächer mit Gras belegt stemmten sich bereits seit vielen Jahren gegen den rauhen Wind, Stürme, Schnee, Sonne und anderen Naturkatastrophen. Wir fragten einen Bauern mit nur drei Zähnen im Mund nach dem Weg, leider verstand er uns nicht und wir waren sehr über dessen Ruhe und Gemüt überrascht. Kurz nach einem UCK-Mahnmals (bestätigte uns auf dem richtigen Weg zu sein) hielt ein alter Geländewagen und der Mann verwickelte uns auf Deutsch kurz in ein Gespräch. Er war einige Zeit als Karatetrainer in Deutschland tätig und bestand darauf uns bis zum nächsten Dorf, Bjeshka e Zllonopojes mitzunehemen. Da der Weg eh etwas langweilig war, hüpften wir in die Karre und versuchten einige interessante Dinge über diese Gegend und Leute zu erfahren und schonten so unsere Füße. Am Ende des Dorfes schickten uns die „Eingeborenen“ in Richtung Roshikodol, dem nächsten Ort über eine unbekannten Pfad, welchen wir in unseren Unterlagen nicht fanden und beschlossen den halben Weg, bis zur Gablung wieder zurück zugehen. Also nichts mit Füße schonen, nur 2 Kilometer Umweg! War trotzdem gut investiert. Später laß ich, dass wir den Weg hätten laufen können, da wir dabei direkt auf der gleichen Höhe in Roshikodol angekommen wären. So liefen wir ins Tal und wieder hoch nach Roshikodol. Umständlich, wenn es auch einfach gehen könnte. Da so langsam die Sonne an Kraft verlor und die Wolken sich mühelos vermehrten, fragten wir uns, ob wir es bis Doberdol schaffen könnten. Zumal noch 800 Höhenmeter zu realisieren und mit Schnee in diesen Höhen zu rechnen wäre. Bevor wir diese Herausforderung angingen, verschlangen wir noch einige Tortillias, reichlich gefüllt mit Käse und Salami und schoben noch einen süßen Snikers in den Mund. Nicht unbedingt fröhlich beugten wir uns in unser selbst gewähltes Schicksal und stampften Stepp by Stepp dem Punkt Zedlo Savoj (2147 m) empor, so eine Art Pass mit einem Wegweiser, worauf 15 verschiedene Orte angezeigt wurden und gleichzeitig die Schneegrenze darstellte. Das hier vorherrschende und unter unsere Sachen grichende häßliche Wetter lud überhaupt nicht zum Genießen ein. Nur noch 100 Höhenmeter und wir standen auf dem Roshkodolpass. Auf diesen drei Kilometer konnten wir nur fassungslos den Eingriff in die Natur feststellen. Unbarmherzig hatten sich vor nicht allzu langer Zeit Bagger und Planierraupen in den Berg gefressen, um hier oben eine exzelente Abfahrtspisten für alle Skihasen europaweit zu erbauen. Dann ist es mit der Einsamkeit vorbei und der Trail büßt defenitiv an Atraktivität ein. Auf der anderen Seite ist das ein wichtiger Wirtschaftszweig in Kosovo. Die letzten Meter lagen vor uns, die letzten wärmenden Sonnenstrahlen erreichten unsere abgeschlafften Körper, der Wind kam zum Erliegen und eine behütende Glocke legte sich über den Pass und uns. Auf einmal fühlten wir uns wie kleine Könige und konnten unser Glück noch nicht richtig fassen. Das Zelt stand schnell, der Gaskocher ließ das Teewasser bereits brodeln, die nassen Sachen lagen zum Trocknen in der untergehnden Sonne und unsere Füße waren durch die ständige Feuchtigkeit geschrumpelt, ohne jegliches Gefühl und die Blasen verteilten sich wohlgeordnet über die gesamten Fußsohlen. Mir machte insbesondere ein nunmehr sehr schmerzhaftes, täglich größer werdendes tiefes Loch oberhalb des linken großen Zehen Sorgen. Wie lange halte ich das noch durch? Der Abend, inclusive Sonnenuntergang war hier oben gigantisch, spektakulär und für uns zutiefst Belohnung für die Entbehrungen. Ihr müsst das nicht glauben, ihr müsst das selber erleben, um so ein Zeug von sich geben zu können. Auch unsere Beschützer, Mauli und Bärli genossen den herrlich verträumten Sonnenuntergan und waren mit uns beiden Menschenkindern zufrieden. Nach 10 h 43 min, 48513 Schritten und 7686 veballerten kcal beendeten wir den sehr abwechslungsreichen Tag. Gute Nacht

Straße macht nicht wirklich Spaß
unser Guesthouse in Reke e Allages

sieht er nicht gut aus 😊

endlich Pause
Hochplateau
hier ist die Zeit stehen geblieben
was macht denn Bert da 👀
es wird nicht der letzte Schnee sein
Bergfreunde
der Pass liegt vor uns
sind das noch Füße 🦶
Roshkodolpass 2264 m
unsere Beschützer
Der Tag geht zu Ende

03.06 Schnee und Regen

der gestrige Tag war schön und zugleich so widersprüchlich in seiner unbarmherzigen Realität, so dass ich mir jetzt bereits eingestehen musste, diesen Trail unterschätzt zu haben. Es zeichnete sich ab, dass wir nicht mal eben so am Tag 40 bis 45 Kilometer wegschrubben und die 192 Kilometer in 5 Tagen bewältigen☹️. Die Nacht war überraschenderweise angenehm warm, und unsere Füße erholten sich an der frischen Luft. Schnell noch eine kalte „Guten Morgen Dusche“, ein kleines Frühstück und 06:50 Uhr waren wir bereit für einen hoffentlich schönen Tag. Bis Kucishte waren es ja nur noch 2,5 Kilometer und verlief auf einem dicht bewachsenen, steinigen, teils schmierigen Weg stetig steil bergab. Da waren wir uns einig, dass die gestrige Entscheidung an der Hütte zu übernachten und nicht in der Dunkelheit, mit schmerzenden Füßen diesen schwierigen Pfad zu bewältigen richtig war. Unterwegs trafen wir auf eine größere gemischte Wandergesellschaft, welche in Richtung Jelenkapass unterwegs waren. Wir gaben ihnen noch ein paar wichtige Hinweise, wie sie sich auf dem schwierigen Gelände bis hoch zum Pass bewegen sollten. Nach 50 Minuten und 450 Meter tiefer hatten wir bereits das Gefühl auf der Terrasse des sehr beliebten Guri-i -Kuq Hotel eine kleine Pause einschieben zu müssen. Noch war der Himmel sehr betrübt und die Luft war durch die Kälte der Nacht geschwängert. So verschwanden wir lieber in unseren nassen und verdreckten Klamotten in das Innere dieser Wohlfühloase. Wir waren trotzdem sehr willkommen 🤗. Ein vorsichtiger Blick in die Karte und unsere Augen 👀 trafen sich vor Begeisterung auf direkter Linie. Neben dem Omelett verschwanden noch einige Spezialitäten der Region in unserem Inneren 😊. Aus der 10 minütigen Pause war eine Stunde Wohlergehen geworden. Eigentlich hätten wir die heutige Etappe hier zum Relaxen beenden können. Alles an uns war wieder trocken, die Blasen und Wunden an den Füßen hatten sich an die Schuhfreiheit gewöhnt und unsere Gesichtszüge strahlten eine übertriebene Zufriedenheit aus. Missmutig krochen wir in unsere Schuhe um die nächsten vier Kilometer bergab mitten durch Kucishte bis zum Friedhof zu krauchen. Die Gefühlslage unserer Füße , durch die letzten Schnee.- und Regentage strapaziert ☹️, verschlechterten sich zusehends. Unsere Schmerzen konnten wir einigermaßen nur deshalb ausblenden, weil unsere Augen 👀 sehr habgierig und egoistisch die „ natürliche Natur „ so speziell aufnahmen. Mittlerweile befanden wir uns auf dem Boden von Kosovo. Wir liefen an eigenartigen Gebäuden, eher kleine Schlösser vorbei und die Gegend glich mehr einer Hochebene mit weitläufigen Gesichtsfeldern und über unseren Köpfen braute sich ein graudunkeles Gebilde zusammen. Regen konnten wir heute aber überhaupt nicht gebrauchen. Bis zum Plateau auf 1450 Meter verlief der erste knackige Anstieg sehr gemäßigt und belohnte uns mit einem tollen Panorama hinunter in die Täler von Kucishte und Drelaj ( 1152 m). Bis runter zum Dorf Drelaj waren es ca. acht Kilometer Weg, welcher sich durch eine Schlucht, bestückt mit verschiedenen glasklaren Wasserläufen windete und so für ein frisches Klima sorgte. Trotz der nun wieder schmerzenden Füßen lief alles nach Plan. Selbst der nun anstehende Berg mit 700 Höhenmeter ließ keinen Zweifel an unserer Hartnäckigkeit und Willenskraft aufkommen. Mit schnellen raumgreifenden Schritten stürmten wir ( Bert ließ sich etwas mehr Zeit, oder es war sein Alter 😊) den langgezogenen und sehr überschaubaren Schotterweg nach oben. Wir stellten uns oft die Frage, wie sah es hier noch vor fünf Jahren und wie würde es in fünf Jahren hier aussehen. Überall wurden Ferienhäuser und befestigte Straßen für den zukünftigen Tourismus gebaut und somit die urige, vom Stress und Zivilisation unberührte Bergwelt unwiederbringlich verändert. Unter der Prämisse, dass die Region um die Länder , Albanien, Kosovo und Montenegro eigentlich keine leistungsfähige Industrie besitzen, konnten wir diese Entwicklung schon verstehen. Also, wer Lust auf diesen Teil Europas hat, sollte eher heute als morgen in diese bezaubernde Region reisen. Es muss ja nicht mit Zelt, Schlafsack und Kocher sein 👍. Wir waren uns nun sicher, dass wir den heutigen Abschnitt, welchen wir nicht konkret definiert hatten, irgendwo nach 35 Kilometer beenden würden. Da die sonnigen Umstände uns nun optimal erschienen, liefen wir einfach wie losgelöst und ungeniert am Unterstand, welcher eigentlich einen Richtungswechsel anzeigte vorbei und merkten erst einen Kilometer später diesen Irrtum. Wieder am Unterstand angekommen, unterhielten wir uns kurz mit einem Pärchen, in einfachen Turnschuhen, T Shirt, kurze Hose und wiesen sie auf den hier möglichen schnellen Witterungsumschwung hin, welcher oben am Berg zu erahnen war. Einen kleinen Energierigel gönnten wir uns noch und schon bewegten wir uns bergab in Richtung Reke e Allages (1308 m). Die Bergwelt sah von hier oben verträumt, unberührt und fesselnd aus. Dieser Eindruck nahm ein jähes Ende. Der Weg führte sehr steil, rutschig und schlecht ausgeschildert, nun unter zunehmenden Regen nach unten. Die Pausen unter den Bäumen und Regensachen halfen uns nun auch nicht mehr☹️. Pitschnass suchten wir fast vergebens den Weg und irrten verzweifelt eine Dreiviertelstunde umher, bevor wir endlich am Zaun eines Kuhstalls standen. Durch den vielen Regen war alles, Erde, Kuhfladen, Stroh usw. zu einer ekelhaften schlammigen Angelegenheit geworden. Noch dadurch und wir standen endlich vor dem Guesthouse Auri von Mustafa Hokaj😊 und baten um Einlass. Ein Weiter schlossen wir bei diesem Wetter aus. Er zeigte uns unsere Betten, die heiße Dusche und warf im Handumdrehen den Kanonenofen zum trocknen unserer Klamotten und unseres Körpers an. Das versprach eine Wohltat ☀️. Nach und nach füllte sich das Guesthouse mit deutschen Hikern. Zum Abend nahmen wir gemeinsam ein ausgezeichnetes lokales Abendmahl, gekocht von der Guesthousebesitzerin ein und tauschten uns über die unterschiedlichsten Beweggründe einer Wanderung hier in dieser Region aus. So fand der Tag ein unerwarteten positiven Ausgang und wir Beide lagen uns stolz über unseren Weitblick glücklich in den Armen ( oder so ähnlich 👍). Die zwei Guedes der Gruppe erzählten uns noch, dass dieses Guesthouse das Erste auf dem Peak of Balkan war. Mulmiges Gefühl hatten wir dann, als ein Guide, gleichzeitig Bergrettungsdienst, vor fünf Wochen an der Bergung der zwei tödlich verunglückten jungen Frauen in der Gegend um Valbone dabei war. In zwei Tagen sind wir sicher dort ☹️. Nach nur 27 komischen Kilometern beendeten wir kraftlos ( 5764 kcal) mit geschundenen Füßen den heutigen Tag . Gute Nacht ☀️🐻

02.06 ab in die Berge

der erste Anstieg bis zum Veliki Jezero. 2044 Meter

ich dachte, auf Grund der überstürzten chaotischen Abläufe der letzten Tage, wäre ich innerlich so aufgekratzt, dass ich in der erste Nacht auf dem PoB (Peak of Balkan) meine Emotionen nicht herunter regeln könnte um das Kommende zu erleben (kam erst durch den Ausfall meines Flugzeuges am 30.06 18:00 Uhr vom albanischen Familienurlaub in Leipzig an, musste noch das gesamte Equipment packen um pünktlich am 01.06 05:30 Uhr auf dem Leipziger Bahnhof wieder in Richtung Albanien zu starten). Aber die Nacht auf der Veranda hatten wir hervorragend und ohne Störungen verschlafen. Bereits kurz vor 05:00 Uhr wachten wir überraschenderweise auf, schauten uns sehr skeptisch, eher verwundert und gleichzeitig erwartungsvoll an, als ob keiner von uns Beiden damit gerechnet hätte. Wir waren doch überhaupt noch nicht im Trailmodus ! Mit einem köstlichen auf Wasserbasis zubereiteten Schocko-, Vanille Pudding, den wir auf unserem neuen Gaskocher zubereiteten starten wir wohlgelaunt und nichts ahnend auf den ersten Trailabschnitt. Los ging es über die malerische Wiese, welche uns sofort nasse Schuhe und damit wahrscheinlich waschweiber Füße bereitete. Wir stürmten einen Waldweg, welcher von einem wilden Flüsschen gesäumt wurde hinauf und merkten zu spät unseren Irrtum. Bereits vor zwei Kilometer, auf Höhe 1246, hätten wir über den Fluss gehen müssen ☹️. Noch hatten wir genügend Power und steckten die paar Meter locker weg. So oft sollte es aber nicht passieren, lieber mal mehr auf die App schauen. Mit allerlei Albernheiten im Kopf schraubten wir uns gegenseitig zum Veliki Hirid 2044 m hinauf, verfehlten mehrmals den richtigen Weg und stapften mittlerweile bereits über kleinere Schneefelder oberhalb der Baumgrenze. Insgesamt kamen wir recht zügig auf dem befestigten Weg voran, genossen nun unterm blauen fast wolkenlos Himmel den Weitblick vom Veliki Hrid. Lange hielten wir uns hier nicht auf, wollten wir doch heute mehr als nur 30 Kilometer laufen und beschlossen, dass wir eine Mittagspause in einer einfachen Hütte mit lokalen Speisen in Babino Polje,einlegen sollten. Bis dahin ( 9 km) sollte es sehr entspannt nach unten, vorbei am höchstgelegenen See am Peak of Balkan, den Hrisko Jezero gehen. Hier trafen wir auf eine Hikertruppe aus den Niederlande, welche bereits den ganzen Trail in 2 Tagen beenden werden. Natürlich wollten wir wissen, ob der Winterweg über den Valbonepass (1818 m) sicher zu überqueren wäre. Die Antwort, es würde gehen. Bis dahin haben wir ja noch drei Tage 😊. Die Frage mit dem Valbonepass beschäftigte uns bereits seit drei Wochen, da mir mitgeteilt wurde, das dort vor vier Wochen zwei junge Mädels tödlich abstürzten.☹️ Dieses fürchterliche Ereignis wollte einfach nicht aus unseren Köpfen heraus. Nun marschierten wir wieder über großzügig bewaldete Gebirgesformationen, aufgelockert durch allerliebste bunte Blumenwiesen, denen wir immer wieder unsere volle Aufmerksamkeit schenkten. Die Natur lud uns förmlich mit einer unbändig anziehenden Kraft in ihr inneres Sein ein und hielt uns mit ihren magischen Armen, welche gefüllt direkt aus dem Himmel nach uns griffen, fest. Beide waren wir von diesem Zauber überwältigt und in meinem Kopf wuselten die schönsten Erinnerungen des PCT. Schneller als gedacht erreichten wir die erste bewirtschaftete Hütte auf dem PoB. Wir ließen uns Kaffee, Tee,Gemüse und mehrmals selbstgemachten Käse mit leichter Salzkruste reichen. Ein Hochgenuss für unseren Gaumen😊. Natur pur. Sogar die Hauskatze beteiligte sich rege an unserer göttlichen Mahlzeit. 12:30 Uhr nahmen wir nun den zweiten Abschnitt, welcher uns bis Kucishte, nur 15,7 km lang, aber 1261 Höhenmeter, hoch zum 2256 m hohen Jelenkapass in Angriff. Bereits nach einer Stunde durften wir barfuß selbstbewusst und etwas übermütig einen kleinen eiskalten bärenstarken Fluss durchqueren. Unser Respekt vor diesem Ungetüm war hinterher wesentlich gestiegen. Die nächste Überraschung lauerte im weitesten Sinne nach einem kleinen Aufstieg zu den Schäferhütten auf uns. Auf 1750 m empfing uns ein schmutziges Areal mit alten Steinhütten, Schafställe und Weiden, bewacht von einigen verlotterten und gefährlich kläffenden Hütehunden. Obwohl diese angekettet waren, zogen wir es vor so schnell als möglich diesen Horrorort zu verlassen. Kein Hirte war zu sehen und auf einer Art Toilettenhäuschen lagen mehrere Kadaver von Schafen, als ob sie von einem Wolf gerissen worden seien. Traumatisiert liefen wir den steilen Anstieg hinauf, bis zum Zedlo Savoj( 2150 m) um dann etwas gemütlicher, allerdings mit eintrübenden Wetter, zum „ keiner See“ hinab zu laufen. Aller Dinge sind Drei. Hier entschieden wir einen Weg zu nehmen ( auf Anraten vom Bert), der kontinuierlich zum Pass führen sollte. Nur, dass war der falsche Pass. Wir entschieden uns den Weg nicht zurückzugehen, sondern einfach einen steileren Pfad zum vermuteten Gipfel zu nehmen. Aber Pusteblumen. Es gab überhaupt keinen begehbaren Pfad und so irrten wir eine Stunde lang, ohne richtige Orientierung an diesem grausam steinigen und kräftezehrenden Hang entlang. Das kostete elendig viele Körner. Bert‘s körperliche Kräfte sowie Willenskraft ließen zusehends rapide nach und im Kopf schwirrte das Wort „Aufgabe „. Ich fühlte mich nur geringfügig besser. Wo verbarg sich der Trail ☹️? Endlich zeigte die App in die richtige Richtung und unsere Augen 👀 erspähten sehnsüchtig den Weg. Vor uns lag in 200 Höhenmeter der Jelenkapass und ein innerliches Aufbäumen unseres erschöpften Körpers machte sich breit. Mit langsamsten Schritten, aber glücklich standen wir 18:00 Uhr auf dem Pass. Unsere Augen 👀 scannten gemeinsam den steilen und schneebedeckten Abstieg, um überhaupt einen sicheren begehbaren Weg zu finden. Den rechten Abstieg könnten wir per Porutsche oder serpentinartig bezwingen. Gut, wir schleppten uns auf die linke Seite des Abstiegs und hofften auf eine etwas sichere Variante. Unsere Einschätzung ergab, dass wir hier nich heil herunterkommen würden. Also wieder zurück auf die andere Seite. Mittlerweile setze der Regen ein um uns noch mehr zu ärgern. Langsam stampften wir mit fest kontrollierten Schritten lieber sepentinenähnlich den Schneehang hinunter und waren der Meinung, das wir richtig entschieden hatten. Nur noch 6 Kilometer bergab bis zum Ziel, aber wir bemerkten nach den heutigen vielen Strapazen, dass sich das Vorankommen sehr mühsam gestaltete. 1. Kräftemässig. 2. der abschüssige Untergrund war mittlerweile so schlammig, dass wir Schwierigkeiten hatten uns darauf zu halten. 3. Schuhe und Strümpfe waren pitschnass, und 4. legte sich langsam ein dunkler Schleier über das Gebirge. Am Fuße eines kleinen Flusses schöpfte wir frisches Wasser und überlegten, ob wir hier übernachten sollten, da es sich bis zum heutigen Ziel noch hinzog. Wir erblickten eine mit Gräsern bedeckte Hütte und befanden diesen Ort als optimal. Zwar war diese verschlossen, aber das Vordach gab uns genügend Schutz vor dem Regen. Schnell zogen wir die nassen Klamotten aus, bereiteten das Abendessen, das Nachtlager vor und werteten diesen verrückten und erlebnisreichen Tag aus. Trotz schmerzender Füße konnten wir diesem Tag viele emotionale Erlebnisse abgewinnen. Nach 33 Kilometer in 12 Stunden und 9962 kcal fielen wir mit einem breiten Lächeln in den Schlaf. Gute Nacht

Grün und Blau sind die dominierenden Farben
Weg 542
wer hätte das gedacht 👀 Schnee
muss wieder auf Bert warten ☀️
der Tag wird freundlich
ein Bad ist nicht empfehlenswert der höchstgelegene See auf dem PoB
ist das da unten nicht der Bert 👍
eine wohlverdiente Pause
schnell aus dem Eiswasser
was mag wohl in diesem riesigen Rucksack sein 🎈🎈🎈
die Stimmung wird schlechter☹️
es geht weiter hinauf
mit Pusi hat das wenig zu tun
es zieht Ungemach herauf
Yeti lässt grüßen gefährliche Passage
und gleich ist Feierabend 😊
Ende des zweiten Tages

01.06.2023 Peak of Balkan

soll toll sein 😊

mein erster Trail in diesem Jahr führte meinen Cousin, Bert und mich auf den Peak of Balkan. Das ist ein Trail von 192 Kilometer und verläuft über die Berge von Albanien, Montenegro und Kosovo. Dieses Projekt wurde 2011 gemeinsam vorangetrieben, um diese Länder wieder menschlich etwas näher zubringen und somit einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der alten Zwistigkeiten zu leisten. Am 01.06.2023 starten wir per Bahn über Flughafen Berlin in Richtung Podgorcia, Hauptstadt von Montenegro um diese Herausforderung anzunehmen. 14.00 Uhr entschieden wir uns für eine Taxifahrt vom Flughafen nach Plav, unser Startpunkt des Trails und erreichenden diesen gegen 17.00 Uhr. Nachdem wir unseren Einkauf erledigt hatten, steuerten wir 19.30 Uhr eine kleine edüllisch gelegene Holzhütte an, welche leider im Inneren sehr verschmutzt war und wir deshalb es vorzogen unser Nachtlager auf der Veranda aufzuschlagen. So blieb das Zelt einfach im Rucksack 🎒. Diese Hütte war nur durch eine eiskalte und barfüßige Flussdurchquerung erreichbar und somit unsere erste Herausforderung. Die Nacht schickte sich nicht so kalt an und ein liebevolle natürliche Stimmung lag über diesen Kleinod, nur der kleine kräftige Fluss zog surrend seinen Weg nach unten und begleitete uns sanft und zufrieden in den Schlaf. Diese ersten 8 Kilometer waren gut für die Aufwärmung unsere Muskulatur und Köpfe. Wir Beide hatten somit eine kleine Vorstellung bekommen, was uns hier an sensationeller Natur geboten werden würde. Die Wiesen zeigten sich in einer satten grünen Farbe mit zahlreich durchsetzten bunten Blumen. Ein Genuss für unsere täglich computerfressenden Augen. Gute Nacht 🐻

es geht los nach Podgorica
wir laufen den Trail anders herum
Plav
die erste Flussüberquerung, eiskalt ☹️
mystisches Örtchen
könnte unser erstes Nachtlager werden 👍
das Lächeln wird uns schon noch vergehen
Vorbereitungen für die erste Nacht
ja nicht so viel Wasser 😊

Weihnachtsgrüsse 2022🎄

Ich wünsche meiner Familie, Freunden und all meinen Follower ein besinnliches Weihnachtsfest und ein tolles Jahr 2023🐻 Für mich war das Jahr 2022 einzigartig, reich an Emotionen und hat nun einen festen Platz in meinen Inneren.Ich habe eine faszinierende Wildnis sowohl in ihrer Einfachheit und gleichzeitig in ihrer Kompliziertheit erleben dürfen. Eine Komposition in den Farben Weiß und Schwarz, dazwischen ausgefüllt mit den unterschiedlichsten Farben wozu nur die Natur in der Lage ist. Darüber bin ich sehr dankbar. Gleichzeitig wurden mir tagtäglich meine psychischen und physischen Grenzen aufgezeigt. Jeden meiner Schritte konnte ich ohne irgendwelchen Vorgaben, Reglementierungen oder Einschränkungen selbst entscheiden. Es war der Wildnis egal, ob ich Rechts, Links oder gar in der Mitte des Weges lief, ich musste mich allerdings den Gesetzen der Natur unterwerfen. Die jahrtausend alten Naturgesetze zu akzeptieren, hieß für mich pures Überleben. Die Pläne für 2023 stehen noch nicht fest. Ich wünsche uns für das neue Jahr eine gesündere, friedvollere und menschenwürdigere Zeit. Gute Nacht 🎄🍷🐻

115 Tag 07.10 der Tag danach 🐻

der PCT ist seit gestern Abend für mich Geschichte 🐻. Was folgt nun??? Ich freue mich auf meine Familie und Freunde 👍☀️. Lange mussten sie auf mich körperlich verzichten. Durch meinen täglichen Blog konnten sie mich zeitnah verfolgen und am Abenteuer sinnlich teilnehmen. Ab Heute hatte ich es nicht mehr eilig, es gab kein reelles Ziel mehr. Wie gewohnt packte ich alles zusammen und startete die letzten 16 Kilometer bis zum Harts Pass gemütlich um 08:00 Uhr ☀️. Noch im gesperrten Gebiet kamen mir vier Hiker, welche ich vor zwei Tagen überholte in Richtung kanadische Grenze entgegen. Ich gab ihnen zu verstehen, dass der Trail bis zur Grenze sicher sei👍. 11:00 Uhr erreichte ich den Pass. Im Ranger Haus wirbelten zwei Frauen und machten das Gebäude winterfest. Dafür war heute der letzte Tag. Vielleicht war das auch der Grund, dass ich auf keinen Ranger gestoßen bin. Sie schenkten mir eine Cola und gaben mir Hinweise, wie ich vom Pass nach Mazama und dann weiter bis Seattle kommen würde. Eine Stunde später besuchte ich sie nochmals und durfte am Mittagessen teilnehmen. Unverhofft kommt oft 😊👍. Das Pärchen von gestern trudelte nun auch ein. Gemeinsam versuchten wir einen Hitsch nach Mazama zu bekommen. Eine Stunde später hielt ein SUV und konnte nur Zwei von uns mitnehmen. Seine Freundin und ich stiegen ein und der Fahrer brauste den Schotterweg in einer rasanten Geschwindigkeit hinunter ( ich würde max. 30 km/h fahren) und hielt direkt am Campingplatz 🏕. Das letzte Mal Zelt aufbauen, Trailklamotten tauschen, duschen und dann ab in die Bäckerei bzw. in die Brauerei um endlich wieder was handfestes und wohlschmeckendes zu verzehren. Das Bier wie auch die Pizza waren hervorragend und ganz zu schweigen der Kuchen 🍰. Der Abend auf dem Zeltplatz war lang und lustig. Am Lagerfeuer und bei Musik fanden Gespräche mit den jungen Hikern statt, welche über mein Alter erstaunt waren. Die ganze Nacht konnte ich kein Auge zumachen, meine Gedanken waren fest auf dem PCT. Am Morgen schnallte ich das letzte Mal meinen nun superleichten Rucksack um und stellte mich an den Highway 20 , auf der ich nach Seattle hitschen wollte. Nach 30 Minuten hielten zwei junge Männer und nahmen mich 15 Kilometer von insgesamt 300 Kilometer mit. Sie wollten in den Bergen klettern. Nicht mal 10 Minuten musste ich auf das nächste Auto warten, was ( er) mich dann glücklicherweise bis Ewerett, 30 Kilometer vor Seattle, mitnahm. Dann ging es mit dem Bus und Bahn direkt zum Flughafen. Ich buchte meinen Rückflug vom 17.10.22 Vancouver, auf morgen um. Dann zurück ins DownTown um leckeren Fisch, ein großes Eis und gebackene ChickenWings zu essen. Laut Kellner sollte ich die Nacht sicherheitshalber nicht in diesem Gebiet verbringen. Mit Hotels und Hostels sah es nicht so rosig aus und ich entschied mich, die Nacht auf dem Flughafen zu verbringen. Mit gutem Schlaf war nicht zu rechnen, dafür aber ziemlich sicher. Die Nacht war sehr amüsant 😊. Ich lernte eine Amerikanerin kennen, welche nicht nach Dalles zurückfliegen konnte, da ihr die Papiere und Scheckkarte gestohlen wurden. Mir gegenüber saß eine Frau mit ihrem kleinen Hund und Beide trugen eine Maske ☹️. Dem Hund hatte das überhaupt nicht gefallen. Einfach verblendet die Gute. Sonntag früh fuhr ich zum Frühstück zurück ins Zentrum, schaute mich noch etwas um und bereite mich auf den Rückflug vor. So endete nun meine Reise 🧳🐻☀️.

Zurück zum Harts Pass
schwerer Anstieg Tiefenentspannung
Tiefenentspannung
Erleichterung
einer von vielen Sonnenaufgängen
und Tschüss
wir werden uns nie wieder sehen ☹️
die letzte Anstrengung

Der letzte Campingplatz
Das war‘s
für die Hiker, die sich nicht bis zur Grenze getraut haben, eine Notlösung in Mazama , auch meine beiden Beschützer , Mauli und Bärli , ließen sich fotografieren 😊
wo sind die Berge?
Der letzte Akt , 850 Kilometer durch Washington, wunderschön und einzigartig
Seattle
Hafen von Seattle und Ende meines Abenteuers

114 Tag. 06.10 Kanada Border The End of the PCT

02:00 Uhr wachte ich auf😊☹️. Hatte aber nicht so richtig Lust schon um diese Zeit auf den Trail zu gehen. Aber ich muss, sonst sehe ich meinen Tagesablauf gefährdet. Also raus aus dem Schlafsack Udo Bär 🐻, heute werde ich den PCT nach 4280 Kilometer und 114 Tagen beenden und meinen Traum erfüllen. Ich packte alles schnellstmöglich zusammen und konnte 02:30 Uhr kämpferisch mit einem gänzlichen Kribbeln im Bauch das letzte Kapitel in Angriff nehmen. Bis dahin lehnte ich konsequent das Wandern bei Nacht, mit Stirnlampe ab. Heute erschien mir das unter den heiklen Umständen als sinnvoll. Ich kam mir wie ein Schmuggler vor. Alle kannten den Schmugglerpfad, aber erwischen lassen sollte man sich nicht. Aber womit könnte ich bei einem Aufeinandertreffen mit einem Ranger diesen bestechen? Schnaps und Zigaretten hatte ich nicht, mein Essen war nicht zu verwerten und die Höhe des Bargeldes konnte auch nicht überzeugen☹️. Bis zur Grenze waren es ja nur noch 38 Kilometer 👍, also vorwärts. Meine Aufmerksamkeit galt nun allein dem Weg. Alles Drumherum war noch in der Dunkelheit der Nacht versunken. Die Orientierung in Raum und Zeit war objektiv nicht möglich. Der Weg führte mich gefühlt nach oben, dann wieder lange nach unten und das nächste Mal auf der selben Höhe. Darüber machte ich mir keine großen Gedanken, denn dies alles werde ich beim Zurücklaufen und Tageslicht von der Grenze zum Harts Pass noch erblicken. Hier und da reflektierten im Lichtkegel der Stirnlampe sich die großen leuchtenden Kulleraugen der ELK’s wieder, aber das war auch schon alles. Der Weg war total frei und super begehbar. Keine Anzeichen von irgendwelchen Feuer. Laut Informationen war das Feuer ja auch nicht direkt auf bzw. am Trail. Obwohl das Feuer einige Meilen weiter weg gewütet hatte, konnte ich die Sperrung des Trails durch die Behörde nachvollziehen, denn über weite Meilen entzieht das Feuer der Luft den Sauerstoff und du kannst Ersticken. Meine Schritte waren sehr flüssig und mein Kopf klar. Das heutige Profil verzeichnete ca. 10 Kilometer bergauf, 10 Kilometer auf gleicher Höhe und dann 5 Kilometer Anstieg und die letzten 10 Kilometer stetig bergab, bis zur kanadischen Grenze. Der Hauch meiner illegalen Handlung ☹️ legte sich von Zeit zu Zeit auf meine innere überschwängliche Euphorie und meinem Bewusstsein, dass ich diesen sehr schönen und zugleich harten Trail heute erfolgreich beenden werde. In meinen Kopf lief eher , wie ein Film in Zeitraffer , der gesamte PCT nochmals vorbei. Ich könnte aktuell davon schwärmen, von seiner Einzigartigkeit und Schönheit. 07:30 Uhr trat der Tag an die Stelle der Nacht und verwandelte die Dunkelheit in reelle wahrnehmbare Bilder. Die Bergwelt reflektierte sofort unverklärt ihr wahres Gesicht und ließ mich etwas traurig stimmen ☹️. Es werden die letzten Bilder dieser herrlichen und majestätischen Berge sein die sich tief in meinem Gedächtnis einbrennen werden. Fast vier Monate lang begleiteten mich diese Riesen auf meiner Reise. Ich startete teils am Fuße dieser monumentalen Erhebungen bis zu den Gipfeln hinauf, oder durfte ewig lang über ihre Rücken marschieren. Und keine Strecke ähnelte der anderen. 10 Meilen vor dem Ende hatte man nun jede Meile mit der entsprechenden Zahl durch Steine auf dem Trail markiert. Ich überlief den 8 Meilenstein(13 Kilometer) vor dem Ende des letzten Anstiegs 😊. Nun ging es nur noch bergab 👍bis zur kanadischen Grenze. Drei Kilometer vor der Grenze kamen mir zwei Hiker entgegen und meinten , der Weg ist bis zum Ende „save“.Und die letzten drei Kilometer zogen sich ewig ☹️. Und dann endlich tauchte das Memorial auf, nach 4280 Kilometer und 114 Tagen erreichte ich erleichtert und voller innerer Genugtuung das ersehnte Ziel. Der Ort selbst war weit von einem mystischen Ort entfernt und lud nicht zur Euphorie ein. Das Memorial stand mitten auf dem Grenzstreifen, eine ewig lang geschlagene Schneise und vermittelte mehr Unwohlsein und Kälte, als ein würdigen Endpunkt. Die Sonnenstrahlen hatten es schwer, überhaupt die Erde zu berühren ☹️. Ich beschloss noch ein paar Bilder zu machen, dann zu frühstücken und wie geplant sofort wieder zum Harts Pass (48 Kilometer)zurück zukehren. Die illegale Einreise nach Canada wollte ich nicht riskieren. Nach einer halben Stunde, 10:30 Uhr , kehrte ich zum Pass zurück. Eigentlich freute ich mich mehr auf den Harts Pass, da er definitiv den letzten Punkt auf meiner Reise darstellte. Außerdem konnte ich nun den gesamten Weg, welchen ich in der Nacht lief bei Tageslicht betrachten. Bereits nach 9 Kilometer lief ich auf die zwei Hiker auf. Ich übergab ihm seine Kameraabdeckung, welche er verloren hatte und wir tauschten Informationen aus. Er startete Anfang März und war bereits über 200 Tage unterwegs und sie begann am 7 Mai. Haben sich praktisch auf dem PCT kennengelernt 😊😍. Da ich nun den Rückweg , also das Profil anderes herum absolvierte, merkte und sah ich, dass die Anstiege nun Aufstiege mächtig in die Beine gingen und ich sogar des öfteren eine Entlassungspause einlegen musste☹️. Das überraschte mich nun und ich korrigierte meine Zielstellung für heute. Den Zeltplatz von heute Nacht würde ich nicht erreichen und müsste nochmals im gesperrten Gebiet übernachten. Aber wenn mich auf dem Rückweg ein Ranger kontrollieren sollte, wäre mir das so etwas von egal 😐, da ja mein großer Traum bereits heute Morgen in Erfüllung gegangen ist. Nach 72 Kilometer ( 38 hin und 34 zurück) beendete ich den für mich so bedeutsamen Tag. Meine Abendsuppe zelebrierte ich und merkte so langsam, wie sich mein Körper in ein seelisches und körperliches Gleichgewicht einpegelte. Die Anspannungen und Belastungen der letzten Tage verflüchtigten sich. Es fühlte sich so an, als ob der entstandene Überdruck aus einem Kessel entwich. Der Pacific Crest Trail war für mich am heutigen Tag definitiv bewältigt und stellte einer der größten körperlichen und mentalen Herausforderungen in meinem Leben dar. Bis auf mein linkes Fußgelenk hinterließ die tägliche Laufbelastung von durchschnittlich 40 Kilometer, inclusive 15 Kilo Rucksack, keine nennenswerte Beschwerden. Egal ob ich nur 20 Kilometer ( geringste Tageskilometer ) oder 76 Kilometer ( meiste Tageskilometer) schaffte , saß ich jeden Tag mental zu 100 % fest im Sattel. Zu keiner Zeit litt ich an Über.- oder Unterschätzung der Situation. Mit knapp 64 Jahren ( der Durchschnitt der meisten Hiker lag zwischen 25 und 30 Jahren) legte ich eine stolze Leistung hin😊👍☀️🐻. Gute Nacht 🐻

Finsh to Border 02:30 Uhr
die letzten Morgenstunden auf dem PCT
die erste und letzte Nachtwanderung
die Sonne wollte mir einen majestätischen Schlusstag bereiten ☀️
meine Trail App schwarz = Kanada
ein großes Abenteuer endet hier
die letzten Meter
dieser Hinweis galt nicht für mich 😊

113 Tag. 05.10 Harts Pass

Gestern Abend war der Zeltplatz mit zwei Tageshikerinen und derem Husky belegt. Das ich mich dazugesellen wollte, missfiel den Beiden und priesen mir einen Platz oberhalb des Weges an. Der war auch besser 😊. Meine Idee war heute bis in die Dunkelheit hinein zu laufen( ca. 20:00 Uhr) und 02:00 Uhr aufzustehen, damit ich 1. geschützt durch die Dunkelheit den verbotenen Weg betreten kann. 2. um relativ zeitig am Memorial zu sein. 3. nach einem kurzen Aufenthalt wieder bis zum Harts Pass zurückzukehren. Bei dieser Idee war mir schon etwas mulmig und verursachte intensiven Hertzschlag. Die Hälfte des heutigen Anstiegs hatte ich bereits gestern absolviert und konnte frohen Mutes die bevorstehenden zwei Gipfel in Angriff nehmen. Über den gesamten Tag hinweg ließ die Sonne die heutige prächtige Bergwelt strahlen. Nicht nur die massiven Bergspitzen, die manchmal wie die Reißzähne eines prachtvollen, aber auch zugleich braven Raubtieres aussahen strahlten im Sonnenlicht, auch die nun rötlich verfärbten Blätter der Blaubeeren und anderen Gräser versetzen mich ins Staunen. Jedes dieser Daseinsformen drückte der Natur ihren Stempel auf. Bestimmt stellte ich den einzigen Störenfried in diesem jahrtausendealten Gemälde dar. Die beiden Gipfel hintereinander, in der Höhe von 2000 Meter zu nehmen, stellten nun keine Herausforderungen dar. Da die Baumgrenze hier im Cascade Gebirge bei 1500 Meter liegt , als Vergleich liegt diese in der Hihg Sierra bei 3500 Meter, hatte ich von hier erstmals einen supi Ausblick auf die kanadische Grenze👀. Das die dort lag, wurde mir aber von vier Canadiens erzählt, welche hier mit Ihrem Golden Redriever eine Pause einlegten. Ich investierte einige Minuten in ein gemeinsames Gespräch und erhielt zum Dank eine Pflaume👍. Hört sich sicher doof an, aber die eine Pflaume, und damit meine ich nicht mich, war ein wahrer Genuss☀️. Ist doch toll, wie man jemanden mit so wenig glücklich machen kann. Nach einer längeren Zeit der Entbehrungen beginnt die Wertschätzung auch von Kleinigkeiten 👍. Heute machte es mir richtig Spaß einer meiner mentalen Lieblingsspielchen nachzugehen. Auf Grund des vor mir liegenden Geländes versuchte ich den eventuellen Weg voraus zu ahnen. Zu 75% lag ich dann immer richtig. Am Harts Pass tankte ich nochmals Wasser für die Nacht auf. Und noch ein paar Höhenmeter hoch zum Windy Pass, dann war der Trail offiziell durch zwei Bänder abgesperrt. Sollte ich es wagen, oder doch umdrehen? nein, dass Risiko geh ich ein. 10 Kilometer weiter baute ich notdürftig mein Zelt auf, verschlang meine Nudeln und behielt sicherheitshalber alle Klamotten an. Nach 59 Kilometer fiel ich unvermittelt in den verdienten süßen Schlaf . Gute Nacht 🐻

sieht nach Anstrengung aus
dahinten ist der Geist aus der Flasche entwichen 😊
Udo Bär, wo ist das Lächeln geblieben
ohne Worte
ist da hinten Canada?
Begegnungen mit menschlichen Wesen : unwahrscheinlich 😊
Einsamkeit und Ruhe

112 Tag. 04.10 geheimer Auftrag

Ich hatte es gewusst! Die Nacht im Hotel war bescheiden ☹️. Pünktlich 8:30 Uhr stieg ich in den Bus, um den letzten Trailabschnitt und damit das Ziel „ kanadische Grenze „ anzusteuern. Ich hatte noch mit einem jungen Hiker über den geschlossenen Trail gesprochen, was er und seine Mitstreiter machen. Er zuckte nur mit den Augenbrauen und brachte damit zum Ausdruck“ mir doch egal“ wir gehen den normalen Trail bis zu Grenze. Ich überlegte und legte mich eigentlich auch auf diese Position fest. Egal ob gesperrt oder nicht. Das Feuer ist doch schon vier Wochen her und nicht direkt auf dem Trail. Vielleicht werde ich von einem Forest Ranger aufgegriffen und muss eine deftige Strafe zahlen oder so? Ich muss einfach den richtigen Weg zum Memorial gehen, alles Andere zählt nicht!! Ich nehme doch nicht viermal Anlauf, um dann 40 Kilometer vor der Erfüllung meines Traumes wieder aufzuhören!! Im Bus erzählte mir eine Frau , dass sie nach dem Abschluss der Schule mal in Dresden, ( im Jahr 1982 ) war. Sie wollte relativ viel über mich wissen. 09:30 Uhr lief ich in Richtung Harts Pass ( der letzte genehmigte Punkt) los. Nach fünf Kilometer stieß ich auf zwei Forest Worker, welche gerade eine Pause machten und wir deshalb in ein lockeres und lustiges Gespräch verfielen. Ich erzählte, dass alles in Stehekin zu hatte und ich kein richtiges Essen für den Trail einkaufen konnte. Prompt wühlten beide Männer in ihren Rucksäcken nach allerlei Dingen. Ich wurde mit verschiedenen Riegeln, Käse, Apfel, Banane, Nüssen und Möhre beschenkt. Damit komme ich ohne Probleme bis zu Grenze und zurück. Danke 😊. Nach der Verabschiedung verfolgte ich mein heutiges Ziel ( 40 Kilometer) weiter. Ständig ging mir nun die Frage durch den Kopf. Kann ich durch die gesperrte Zone ohne Hindernisse bis zur Grenze verbotenerweise kommen? 16:00 Uhr traf ich auf den Highway 20, an der sich ein Parkplatz befand und ich diese zu einer Pause nutzte. Ein Mann sprach mich darauf an, ob ich ein PCT Hiker wäre. Und so kamen wir ins Gespräch. Ich wiederholte meine Missbilligung über die geschlossenen Restaurants, Bäckerei und die schlechten Stores😊. Daraufhin bot er mir Käse und Salami an. Ich entschied mich für die Salami 👍. Bei einer Dose Bier tauschten wir einige Geschichten aus. Er ist Lehrer und will gleich seinen Cousin in Mazama besuchen. Im Auto saß seine Frau und stillte das sieben Monate alte Baby. Da ich noch einige Kilometer schrubben wollte, bedankte und verabschiede ich mich. So oder so ähnlich passieren diese netten Begegnungen. Eigentlich führte der Trail nicht über den Parkplatz. Wenn ich erst 14:00 Uhr mit dem Bus zum Trail gefahren wäre, dann hätte ich die Forest Worker auch nicht getroffen usw.😊☀️. Das Leben lebt von vielen Zufällen, oder ist es generell ein Zufall ???? Was wäre ‚wenn‘. 102 Kilometer bis zur kanadischen Border lagen noch vor mir. Ich leistete mir noch ein paar Kilometer und schloss den verkürzten Tag mit guter Laune nach 44 Kilometer ab. Meine Idee war heute bis in die Dunkelheit hinein zu laufen( ca. 20:00 Uhr) und 02:00 Uhr aufzustehen, damit ich 1. geschützt durch die Dunkelheit den verbotenen Weg betreten kann. 2. um relativ zeitig am Memorial zu sein. 3. nach einem kurzen Aufenthalt wieder bis zum Harts Pass zurückzukehren. Bei dieser Idee war mir schon etwas mulmig und verursachte intensiven Hertzschlag. Am Harts Pass tankte ich nochmals Wasser für die Nacht auf. Und noch ein paar Höhenmeter hoch zum Windy Pass, dann war der Trail offiziell durch zwei Bänder abgesperrt. Sollte ich es wagen, oder doch umdrehen? nein, dass Risiko geh ich ein. 10 Kilometer weiter baute ich notdürftig mein Zelt auf, verschlang meine Nudeln und behielt sicherheitshalber alle Klamotten an. Gute Nacht 🐻

ein guter Tag
Forest Worker
stabile Hängebrücke?👀
wunderbar
was fürs Auge

111. Tag. 03.10. Stehekin Pausentag

ich musste heute nicht so zeitig meinen Kopf aus dem Zelt stecken und genoss diesen Luxus. Als ich es den tat, war es schon hell und ich war von der Umgebung beeindruckt. Neben einer tiefen Schlucht, in welcher sich der Stehekiner River mit seinem superklaren Wasser und den Lachsen in das Tal ergoss hatte ich gestern Abend mein Zelt aufgeschlagen. Um den freien Tag in Stehekin zu verbringen, war es notwendig ein Funkgerät zu benutzen, um den Shuttlebus zu rufen( Handy war nicht möglich). Wie bedient man ein Funkgerät?☹️. Kein Problem, war alles auf einem großen Blatt erklärt, nur in Englisch 👀. Die Frau am anderen Ende sagte mir, dass in zwei Stunden der Bus käme👍. In Ruhe packte ich die Klamotten zusammen und wartete. Pünktlich kam für mich alleine ein riesiger alter gelber Schulbus den Schotterweg empor. Die 11 Kilometer waren aus meiner Sicht nicht so einfach zu bewältigen. Die Straße war kaum an einer Stelle so breit, dass auch nur ein entgegenkommendes Auto vorbeikommen konnte. Mit viel Gefühl und Übersicht klappte alles. Der Fahrer teilte mir mit, die Bäckerei hätte heute auf, aber das Restaurant wäre geschlossen ☹️. Prima☹️. Er hielt 10 Minuten vor der Bäckerei und ich stürzte hinein. Ein wirklich tolles Angebot. Für fünf Stück Kuchen und ein Kaffee durfte ich gleich mal 35 Dollar hinlegen. Ein Stück steckte ich mir gleich regelrecht komplett in den Mund und war mehr als zufrieden. Die Stadt bestand aus einem Store, Restaurant (geschlossen ), ein Hotel, Bungalows , Postamt, Office , öffentliche Dusche mit Waschmaschinenraum und eine Anlegestelle für die Ausflugsschiffe. Die Gegend wird hier die Alpen von Washington gennant. Am Fuße einer großen Bergkette schlängelt sich malerisch der Lake Chelan entlang. Am Hotel angekommen, klärte ich meine Übernachtung, Einkauf, Klamotten waschen und den ganzen Tag relaxen vom gestrigen Gewaltmarsch. Zur Abwechslung gönnte ich mir ausgiebig ein heißes Bad. Die Sonne lieferte gute Arbeit und ich konnte meinen Blog weiter schreiben. Leider blieb es beim Schreiben, da ich mein Bloglimit erreichte und keine weiteren Veröffentlichungen mehr ins Netz stellen konnte. Die paar Tage wäre es doch noch gegangen.☹️ Schade. Da alles zu hatte, kaufte ich mir, wie beschreibe ich das ☹️? zwei tiefgekühlte Sandwich, welche ich versuchte in der Mikrowelle essbar zu machen. Der Hunger trieb das Zeug hinein. Morgen Früh geht’s dann mit dem Bus 🚃 zurück auf den PCT. Kanada ruft☀️🐻 Gute Nacht 🐻

die Alpen in Washington
hatte ich für mich alleine
Mauli mein Beschützer
frischer Kuchen 😊

110 Tag. 02.03. 76,78 Kilometer und noch nicht müde

wenn ich mein Lager unter Bäumen/ Wald einrichte, wird es etwas später heller.Deshalb kam ich erst 7:00 Uhr in die Pötte. Oder lag es doch daran, dass der tobende Fluss mich nicht richtig schlafen lassen hat? Schnell noch ein kurzer Blick auf die App und erfreulicherweise sollte ich erst ca. 10 Kilometer bissel bergab laufen, um über ein Brücke auf die andere Seite zu gelangen. Das hieße aber, ich musste auf der anderen Seite ca. 10 Kilometer etwas bergauf gehen, ohne nennenswerte Geländegewinn☹️. Ich konnte mich vollkommen auf den Weg konzentrieren, da es nichts weit und breit zu sehen gab. Wie jeden Tag machte ich 10:00 Uhr meine erste große Pause. Ein gutes Gefühl hatte ich, aber das ich um diese Zeit bereits 22 Kilometer, statt normalerweise 17 Kilometer absolvierte, überraschte mich sehr. Was war denn heute an Strecke drin, dachte ich mir so👍. Der folgende Anstieg, der Einzige und dann würde es nur bergab gehen, war durch sehr guten Untergrund und leichter langer Steigung gekennzeichnet. Und alles lief so leichtfüßig ab😊. Zur zweiten Pause, in der Regel 14:00 Uhr zeigte die Uhr schon 44 Kilometer an. Unglaublich ☀️. Diese Tatsache nährte langsam die Hoffnung den Parkplatz zu erreichen, von welchem ein Shuttlebus nach Stehekin fuhr (es wären ja nur noch 25 Kilometer 😊). Vereinzelt blieb ich beim Überqueren der größeren umgefallenen Bäumen mit dem Fuß oder Schienbein hängen und zog mir kleinerer Wunden am rechten Bein zu😊. Dann stelle ich mir die Frage, was ist besser: Links oder Rechts von der Mitte 😊. Die rechte Seite hatte die Schrammen und seit Gestern einen kaputten Tragriemen aufzuweisen( konnte ich provisorisch lösen, aber schwerwiegend). Die linke Seite wies zum gleichen Zeitpunkt nur einen kaputten Strumpf, und Schnürsenkel auf. Ich dachte, wie im wahren Leben. Die rechte Seite hält mehr hin und aus und die linke Seite versucht zu bestimmen, ohne die Härten des Lebens zu kennen. Grün ist hier, wenn der Wald strotzt vor Saft und Kraft. Dann ist er stark. Sobald ein kleines Fünkchen fliegt, verbrennt und stürzt das Wunderwerk im nu und keiner möchte mehr mit dem Grün(en) was zu tun haben. Da lob ich mir doch die Mitte ( meines Körpers). Was ist denn zur Zeit los in Deutschland? Wer hat denn zur Zeit das sagen? Ist es Links, Rechts oder gar die Mitte? In der Wildnis lebt man ja hintern Mond 🌑. Auch stellte ich mir die Frage, ob Olaf weiß, oder wie heißt unsere Bundeskanzler mit dem doppelten Wumms noch mal? habe es vergessen😊☹️, was wird mit meinen jetzigen erhöhten Energieverbrauch? Der liegt täglich im Schnitt bei 5000 kcal, aber mir werden nur 3000 kcal täglich zugeführt ☹️. Muss ich trotzdem für die 5000 kcal zahlen? Nachts mach ich schon die Augen zu 👀, um Energie zu sparen und für mein Handy und Uhr kommt der Strom extra aus der Power Bank. Noch mehr Energie kann ich nicht sparen, sonst ist mein Trailabenteuer und ich zu Ende ☹️. Das möchte doch keiner. Solch oder ähnlich Dinge gehen mir beim Hiken durch den Kopf 🧠. Auf dem Gipfel angekommen, eröffnete sich mit ergreifenden Gefühlsausbrüchen wie automatisch ein Panorama in alle Himmelsrichtungen. Hier schneebedeckte Gipfel, dort karge und steinige Hänge, auf der anderen Seite blühende Landschaften und dann die in unglaublicher Ferne liegenden Gebirgszüge. Und meine Seele fühlt sich wie belohnt an. Viel Pause gönnte ich mir nicht mehr. Mein innerer Ehrgeiz stachelte mich zu einer neuen Kilometerbestmarke hier auf dem PCT an. Die längste Tagesstrecke mit Rucksack, hatte ich 2019 auf dem Rennsteig mit 70 Kilometer. Danach musste mich Volker ins und aus dem Auto helfen ☹️. Der Weg folgte meistens Flussabwärts, musste aber das Geländeprofil einhalten, also kleine Steigungen waren teilweise notwendig. Vor Dunkelheit wäre ich schon gerne auf dem Zeltplatz angekommen, aber die Strecke nahm kein Ende☹️. Nur der kaputte Tragriemen drückte auf die Schulter, ansonsten empfand ich keine Ermüdungserscheinungen. Die letzten vier Kilometer konnte ich nur noch mit Lampe absolvieren, da das Tageslicht 19:30 Uhr abgeschaltet wurde😊😊. Kurz nach 20:00 Uhr erreichte ich erleichtert den Campingplatz und war unglaublich überglücklich, dass ich heute in der Lage war so einen Marathon (mit Rucksack 🎒) ohne Probleme zu absolvieren☀️🐻. Nach 76,78 Kilometer beendete ich diesen unnormalen und sensationellen Tag in meinem Leben. Heute mehr als nur Gute Nacht 🐻

109 Tag 01.10 harter schöner Tag

wenn ich wach werde, ist es immer noch dunkel☹️ und bin gewillt liegen zu bleiben. Um meine Mission zu erfüllen, sag ich, los du alter Kerl, macht dich raus! Frühstück habe ich mir abgewöhnt. Zwei Riegel bis 10:00 Uhr müssen reichen👍. Umso mehr freue ich mich auf das erste Frühstück, Tortillas mit Wurst und Käse ( jeden Tag). Laut App stand für heute ein hartes Programm auf dem Plan. Ist doch nichts Neues😊. Froh bin ich immer, wenn ich die Gipfel erreiche und es geht nach unten. Was ich nicht so gut finde, ist das das Wasser auf dem Trail nicht richtig verteilt wurde. Auf der Nordseite der Berge ist alle paar Kilometer eine Quelle oder Fluss und auf der Südseite ist das Mangelware. Ich nutze jede Gelegenheit um genügend Wasser zu trinken. Die heutigen Aufstiege waren doch sehr steil und ich musste öfters kleine Pause einlegen. Ich neigte schnell zum schnelleren Schritt, was sich am Berg rächte. Zu oft musste ich zu mir sagen: langsam Udo Bär 🐻. Den zweiten Tag in Folge umrundete ich den Glacieren Peak, der immer noch mit Schnee bedeckt war und reichlich viel graues Wasser ( sedimentäres) ins Tal hinabstürzen ließ. Um auf die andere Seite zu kommen stellte sich schwierig heraus, da man nicht an jeder Stelle dem Fluss ohne Gefahr überqueren konnte. Bravurös meisterte ich auch diese Hindernisse ohne ins Wasser zu fallen😊. Hier und da waren auch Brücke installiert. Die Natur stellte hier ihre eigenen Regeln auf. Der Mensch hat nichts zu sagen und hält sich auch mit Eingriffen stark zurück. Im Gegensatz zu den Tagen davor, stieß ich nun sehr oft auf umgestürzte Bäume, die den Trail teilweise stark behinderten. Gut das ich lange Beine habe. Auch der Untergrund stellte oft hohe Anforderungen an alle Hiker, welche es bis hierher geschafft haben. Man muss sich das so vorstellen: du läufst über ein frisch geackertes Feld und das bergauf. Kein fester Untergrund, rutschig, hangabwärts geneigt, sehr schmaler Weg, da auch noch die Sträucher den Weg überwucherten. Das Klima hier im Wald stellte sich für das Wachstum verschiedener Pilzarten und Moose besonders günstig heraus. Nach so vielen Blaubeeren könnte es ja heute Abend mal Pilze geben 😊. Die schönsten Bilder bzw. Momente prägten die eingebetteten Seen und das Zusammenspiel von Bergen, Licht, Wasser und Pflanzen. Ein See war so klar, wie selten ich gesehen hatte. Nachdem ich den letzten Anstieg erreichte, flitzte ich auf Serpentinen den steinigen und steilen Berg hinab. Nur einem Hiker begegnete ich jetzt, der sein Zelt gerade in Stellung gebracht hatte. Mein Zeltplatz lag aber noch sieben Kilometer weiter. Im Hellen konnte ich das Zelt noch aufbauen, aber meine Suppe schlürfte ich bei Stirnlampenlicht😊. Die 54 Kilometer reichten mir 👍. Gute Nacht 🐻

fröhliche unterwegs
supi klarer See
eine Landschaft zum verlieben
es geht nach unten

108 Tag. 30.09 Blaubeerentrail

die Nacht wieder in der Freiheit und Natur schlafen, dass ist Freigeist 😊. Deshalb konnte ich gleich den Grizzly Peak( wie treffend, habe ich doch gestern den Bären getroffen) wahrscheinlich mit neuer Kraft empor steigen. Dieser sollte für Heute aber nicht der Letzte sein☹️. Es ging immer hoch und runter, durch Wald und freies Gelände. Egal wo, den ganzen heutigen Weg und das war mehr als 50 Kilometer, wuchsen links sowie rechts Unmengen an Blaubeeren. Unglaublich 😊. Für das Vorankommen, war es sehr hinderlich, da ich alle paar Meter gezwungen wurde, mich an den süßen Früchten zu laben😊. So ungefähr gelangten zwei Liter dieser Nahrungsergänzungsmittel in meinen Magen🐻. Beim Pflücken musste ich nur aufpassen, dass nicht zufälligerweise mein Nachbar ein Bär sein könnte. Ich bin eigentlich nicht futterneidisch, hätte aber mit Sicherheit den Kürzeren gezogen. Außerhalb des Waldes erlebte ich eine wunderschöne Landschaft, die durch die nun rötlichen Blaubeerenblätter besondere I-Tüpfelchen erhielt. Und immer wieder langte meine Hand nach den Beeren. Ich zwang mich regelrecht meine Augen 👀 entweder direkt auf den Weg oder in die Ferne zu richten. Innerlich musste ich doch mittlerweile Blau sein 😊. Nach 53 Kilometer erreichte ich mein Ziel und freute mich auf meine Suppe ☀️. Gute Nacht 🐻

Morgenfrische
über den Wolken?
ist das die letzte Trailmahlzeit ?
PCT aktuell
der Weg nach oben
Überquerung kein Problem

107 Tag 29.08 der Teddybär ist in der Kiste

die Nächte in den Hotels sind für mich in der Regel schlaflos und fürchterlich. Kurz nach 7:00 Uhr suchte ich den Supermarkt auf und konnte frühzeitig diesen Punkt schon einmal abhaken. Anschließend frühstückte ich in einer Waffelbude und machte mir Gedanken, wie ich zurück auf den PCT komme. Ich schlenderte durch Leavenworth und schaute mir die bayerischen Geschäfte an. Ist schon komisch, ich bin in Washington und gleichzeitig in einer bayerischen Stadt. Mein Gedanke war, ich bleibe bis zum Wochenende und feire das Oktoberfest mit. Im Hotel traf ich die anderen Hiker, welche gerade zum Frühstück gehen wollten. Ich fragte den Ehemann der „Bohnenstange „ ob er mich zum Steven Pass zurück fahren würde. Er sagte zu 👍, aber vorher wolle er auch Frühstücken. Okay und ich ging vor Freude mit. Bestellte mir Pannceks und überlegte, ob ich dem Beiden als Dankeschön das Frühstück bezahle. Gleich nach dem Frühstück sagten sie die Fahrt ab und entschuldigten sich mehrmals. Innerlich war ich schon ganz schön sauer 😠. Also nahm ich meine Sachen und versuchte einen Hitsch zum Trail zu erhaschen. Nach einer Stunde nahm mich ein Mann einige Kilometer mit und setzte mich an einer Kreuzung ab. Ich wartete kaum fünf Minuten und ein junger Mann hielt an. Er wollte zum Klettern hoch zum Pass. Supi, der Tag war für mich gerettet. 14:00 Uhr konnte ich den Trail mit vollem Rucksack fortsetzen. Zur Eingewöhnung durfte ich ein paar Kilometer geradeaus laufen, bevor es hinauf ging und an Schwierigkeit zunahmen. Jetzt wurde der Weg beidseitig von Blaubeerstreuchern eingefasst. Das da so viele saftige Früchte dran hingegen, bemerkte ich erst, als ich die junge Hikerin, welche gestern ihr Jubiläum, fünf Monate PCT feiern wollte, beim Blaubeeressen wieder traf. Mein Interesse galt nun einzig und allein den Blaubeeren 😊. Als ich den Kopf hochnahm, war von ihr nichts mehr zu sehen ☹️. Nach einer Viertelstunde und einer Kurve sollte ich sie doch sehen 👀. Aber was war das vor mir? Ein Tier, dass stand fest. Ein Wolf?? es hob seinen Kopf und jetzt war klar“ein echter Teddybär“😊👍🐻. Er stand ca. 15 Meter vom Trail weg, mitten in den Blaubeeren und futterte genüsslich. Er schaute mich an und sammelte weiter. Was sollte ich jetzt tun, einfach vorbeigehen, oder warten bis er verschwindet??? Er ließ mir genügend Zeit, um das Handy startklar für ein Video zu machen. Sicherheitshalber sprach ich mit ihm, damit er nicht auf dumme Gedanken komme. Sehr naiv 😊. Das reichte aber für ihn aus, um schnell zu verschwinden👍. Angst hatte ich zwar nicht, aber es war eine nicht alltägliche Situation. Und ich habe sie gemeistert 👍☀️😊. Wo war eat&hungry? Hat sie den Bären nicht bemerkt? Kurz darauf zeigte ich ihr das Video und sie meinte, ja, sie hat etwas gehört und dem keine Beachtung geschenkt. Das war das letzte Mal, dass ich sie, (Czechin,)gesehen habe. Nach 20 Kilometer fand der ereignisreiche Tag sein Ende. Gute Nacht 🐻

bin ich denn in Bayern?
Blaubeerenzunge
Blaubeeren 🫐 Überfluss

106 Tag 28.09. Planänderung Steven Pass

ich wachte auf und paar Minuten später hopste ich mit Vorfreude auf den Trail in Richtung Steven Pass. Dort wollte ich meinen Proviant vervollständigen, das Restaurant stürmen um viel Energie in Form von Pizzen zu mir nehmen. Anschließend Essen einkaufen und dann am späten Nachmittag weiterlaufen. Das Wetter und Verlauf des Trails ähnelte dem des gestrigen Tages. Gegen 10:00 Uhr verdunkelte sich der Himmel und es fing langsam an zu regnen. Wäre ja schön und gut für das Niederhalten der Feuer 🔥. Was da an Tropfen vom Himmel kam , konnte ich zählen ☹️. Kurz nach Mittag passierte ich eine Gruppe Hiker und sie erzählten mir, das der Steven Pass geschlossen hätte. Ich wollte es nicht glauben. Keine Pizza, keine Cola ☹️. Trotzdem kraxelte ich fast atemlos einen Skihang hinauf und rannte förmlich die Abfahrt hinunter. Ratlos stand ich vor den geschlossenen Gebäuden. Was, alles hatte zu?? Das war aber nicht der einzige Witz. Der Pass war auf Grund von Feuer gesperrt, dass heißt, kein Auto fuhr über den Pass. Ich bat eine Frau vergeblich um Hilfe. Zumindest schenkte sie mir zwei Äpfel und zwei Cola‘s. Weitergehen war nicht möglich, da mein Essen nicht mehr reichte. Entweder ich musste nach Skaykomish oder nach Leavenworth. Die erste Stadt war durch das Feuer eigentlich nicht zu erreichen und Leavenworth viel zu weit weg, vor allem die Rückfahrt fast aussichtslos. Ich rief einen Shuttlebus an, der mich in zwei Stunden abholen würde. Zwischenzeitlich kamen die anderen Hiker auch am Pass an. Alle wollten aber nach Leavenworth. Ein Hiker wurde von seiner Frau per Auto abgeholt. Sie und ich erkannten uns, war sie doch die Bohnenstange mit dem grünen Kapuzenshirt. Sie fragten, ob ich mit nach Leavenworth kommen würde und sagte gleich zu. Ich wusste ja nicht, ob das Shuttle mich doch nach Skykomish abholen würde. In Leavenworth quartierte ich mich in das gleiche Hotel wie die Zwei ein. Nach dem ausgiebigen Duschen, hüpfte ich in meine Ausgehsachen und besuchte ein bayerisches Lokal. Ein schönes großes Bier und ein Burger war heute meine Belohnung. Ständig ging mir durch den Kopf, wie komme ich morgen Früh zurück auf den Trail?? ,warum sollte ein Auto dort hochfahren, wenn ab da die Straße gesperrt war☹️. Heute nur 38 Kilometer 👍.Gute Nacht 🐻

dem Morgen entgegen
weites Land

105 Tag 27.09 nix passiert Tag

die Nacht war wieder sehr warm, aber ruhig. Nur ein Hiker verfolgt mich die letzten vier Abende. Ca. 20:30, es ist schon dunkel, kam er mit Stirnlampe auf meinen Zeltplatz, schaut sich kurz um und ging bis zur nächsten Übernachtungsmöglichkeit weiter. Wenn ich morgens loslaufe, schläft er noch. Wir haben uns noch nie gesehen, aber er hat ein blaues Zelt 😊. Gleich zu Beginn lag der Erste von vielen heutigen anstrengenden Anstiegen vor mir. Es lag eine gewisse Stille auf dem Trail und ich genoss diese Situation. Klar, geht mir in dieser Zeit ein Haufen durch den Kopf ( vieles wiederholt sich) , was macht meine Familie, wie komme ich über die Grenze, oder doch zurücklaufen, was ist mit dem Feuer, wieweit komme ich usw. Oben angekommen, erblickte ich eine junge Hikerin, welche sich zum Abmarsch vorbereitete. Wir trafen uns dann kurz zu meiner ersten Pause. Sehr happy erzählte sie mir, dass sie morgen genau fünf Monate auf dem Trail ist ( Start war 28.04). Also ist Morgen Party 🎉, meinte ich 😊. Der Weg schlängelte sich etwas steil hinab bis oberhalb eines großen idyllischen See. Zum Baden habe ich aber nie Zeit, bzw. das Wasser ist schweinekalt☹️. Bevor es wieder steil in den Himmel zeigte, traf ich noch zwei junge Hikerpärchen, welche sich vor dem Anstieg stärken wollten. Sie erklärten mir ganz stolz, dass sie mittlerweile 189 Tage unterwegs seien 👀. Das verstehe ich unter Ausdauer 👍. Das Mädel sah sehr geschafft aus. Bei dem anderen Pärchen sah es anders herum aus. Gummibärchen ( Trailname ) sah richtig fit aus und folgte mir mit schnellen Schritten einige Zeit. War ich froh, als ich den letzte Anstieg , mit notgedrungen Stopps erledigt hatte und mir ein paar Schokoriegel und den Rest Wasser spendierte😊. In 12 Kilometer sollte ich frisches Wasser aufnehmen können und dort irgendwo ein Stellplatz für das Zelt finden. Und das Wort „Wasser“ verleitete bei mir wirklich Flügel. Der Weg hinab führte zwar an einigen Flüsschen vorbei, aber es gab kein Zugriff auf das Lebenselixier. Erst ein reisender Wasserlauf querte den Trail und ich war glücklich genügend Flüssigkeit für den Abend und die Nacht zu haben. Bis zum Nachtlager musste ich noch zwei Kilometer schuften und dann hatte ich keine große Lust noch zum kochen oder Blog zu schreiben. Ich hatte nur noch das Bedürfnis zu schlafen. Nach 51 Kilometer und die zweite schwere Etappe hintereinander hatte ich mir einen geruhsamen Abend erarbeitet. Morgen gehts zum Stevens Pass und einem kurzen Stopp. Gute Nacht 🐻

104 Tag 26.09. Kräftezehrend

zum Frühstück gab es mein Wünschmenü, Pancakaes mit Blaubeeren. Alles war gepackt und ich konnte mich guter Dinge davon machen. Die ersten beiden Stunden rammelte ich nur so den Berg hinauf, so dass kein normaler Wochenendhiker hinterher kam👍. Das war für Heute der einfachste Abschnitt. Vor mir lag nun die Rauheit der Bergwelt, mit ihre Schönheit und Herausforderungen, Steigungen, Schotteruntergrund und massive Sonneneinstrahlung sollten nun von mir positiv bewältigt werden. Ein Mann rannte sogar eine Teilstrecke. Nach einer Stunde kam er zurück und ich fragte, ob er etwas vergessen hätte😊. Er hatte meinen Spaß verstanden und wir kamen ins Gespräch. Er war letztes Jahr bei seinem Freund in Hamburg und besuchte die Dolomiten. Die Bergflanken zeigten sich, besonders wenn sie von der Sonne angestrahlt wurden, sehr farbenfroh, vor allem intensiv in den Farben Rot, Gelb und Grün. Ein wunderschöner Kontrast zu den grauen Felsen. Ich denke, dass ich mich durch mein rotes T Shirt ebenfalls als bunter Fleck abhob. Der schwierigste Part lag nun hinter mir und ich konnte auf schattenspendende Wald vertrauen. Auch Wasser gab es nun in ausreichender Menge wieder. Auf dieser höllischen Strecke fand ich ein altes Wegeschild ‚ Packteains Kannot Pass’ und musste daran denken, wie die Leute vor hundert Jahren, mit Pferden und Packeseln diese Strecke bewältigen mussten. Nicht zu beneiden. Beim Abstieg kam mir eine junge Dame entgegen, welche ich , Bohnestange‘ taufte, da sie sehr groß und dünn war, bekleidete mit einem hässlich grünen Kapuzenshirt. Wir begrüßten uns freudig. Sind wir uns doch schon am gestrigen Tag begegnet, als ich sie überholte und heute kamen wir uns entgegen. Wie geht das?? Sie begleitete teilweise ihren Mann auf dem PCT, welcher vor mir laufen würde😊. Da ich erst 10:00 Uhr gestartet war und eine schwere Bergetappe bewältige, machte ich an einer nicht mehr vorhandenen Brücke, nach 36 Kilometer Schluss. Gute Nacht 🐻

der Weg sieht einfach aus
und ist nicht anstrengend
Erinnerungen an alte Zelten
farbenfrohe Berghänge
guter Platz für die Nacht, aber wo ist die Brücke

103 Tag 25.09 Snoqualmie Pass und Halbzeit

mein Abendessen war ausgiebig und die Nacht ziemlich warm. Heute wollte ich am Pass meine erste Pause einlegen, voll futtern, duschen und schlafen. Bis dahin sollten es noch 41 Kilometer ( dachte es sind nur noch 35 ) also eine ganz normal Tagestour werden. Im Rucksack befand sich kaum noch essbares Gewicht und somit war ich leichtfüßig im Trailtunnel unterwegs. Nach einer Stunde stieß ich auf die schlafende Victoria und Freunde. Wann haben die mich überholt? , muss bestimmt sehr spät abends gewesen sein. Typisch Jugend, Früh nicht aus den Federn und Abends nicht hinein 😊👍. Ich schlich mich vorbei und machte ein Foto, welches ich ihnen später geben möchte. Bis Mittag wurde mein Lauf sehr oft durch mich unterbrochen. Ich konnte einfach nicht so an den Blaubeeren achtlos vorbei gehen. Einfach lecker 😋. Heute lagen auf dem Weg mehrere größere glasklare Seen, weshalb auch die Wochenendausflügler rege unterwegs waren. Zwei junge Mütter waren mit ihren fünf Kindern (1-5 Jahre) sogar auf einem Rundtrail in den Bergen unterwegs. Richtig niedlich, aber ob die Kinder das bei Sonnenschein so tolle fanden☹️. Beim vorletzten Aufstieg wurde ich plötzlich von Wespen 🐝 überfallen und ins Knie sowie in den Arm gestochen. Das mussten die mit ihrem Leben bezahlen ☹️. Die Stiche schnell ausgesaugt und weiter ging es ohne Beschwerden. Den massiven Autoverkehr, welcher über den Pass rollte, hörte ich schon von Weitem, aber es dauerte noch eine Stunde, bis ich persönlich den Pass erreichte. Direkt am Pass lag auch ein kleineres Skigebiet, natürlich nicht im Betrieb. Dadurch gab es hier einige Gastronomiebetriebe, Einkaufsmöglichkeiten, ein Hotel und Hostel. 15:30 Uhr kam ich hier etwas sauer an. Es waren nämlich 46 Kilometer bis hier her, die letzten fünf Kilometer gingen bergauf und der Untergrund war sehr steinig. Um mein Gemüt aufzuhellen, spendierte ich mir einen großen Shake und wollte ins Hotel einchecken. 185.-Dollar war es mir nicht wert, deshalb war das Hostel die richtige Adresse. Dort angekommen, deutete ein Schild darauf hin, dass heute für PCT Hiker geschlossen ist ☹️. Also wieder zurück zum Hotel und mit einem Spezialpreis ☹️ einchecken. Ich setze mich sofort ins Restaurant und vertilge meinen ersten richtigen Burger 🍔. Danach duschen, Wäsche waschen und einkaufen. Später rückte ich in eine Bierbar ein und trank frisch gezapftes Bier. Es war Genuss pur. Andere Hiker taten es mir gleich. Den Abend schloss ich mit einer Pizza ab. Letztendlich war der Tag rund. Gute Nacht 🐻

Der Tag beginnt
Cowboycamping
endlich wieder ein Burger 🍔
Fußpflege ist notwendig

102 Tag 24.09 stinknormaler Wandertag

gerade wenn ich früh am Morgen, 06:30 Uhr, loslaufe, benötige ich noch keine Stirnlampe. Hoffentlich bleibt es noch ein paar Tage so. Da ich noch bis zum nächsten Ziel ca. 90 Kilometer vor mir hatte, wollte ich heute mindestens 55 Kilometer zurücklegen, um morgen etwas zeitiger am Pass anzukommen. Ob ich heute mal, nach drei Tagen, auf Hiker stoßen würde? Nach den Spuren im tiefen Staub zu urteilen, ist die Chance groß. Die ersten 17 Kilometer, bis zur Mike Urich Hütte 🛖 verliefen angenehm und etwas bergab durch den Wald ( Trailtunnel). Der Wald an sich schien noch zu schlafen. Als ich an der Hütte ankam, regten und bewegten sich tatsächlich vier junge Hiker, welche in der Hütte übernachtet hatten. Viktoria, in ihrem Gesicht sah ich schon den Schalk sitzen, bot mir sofort ein Bonbon an😊. Toller Empfang. Die Vier verschwanden und ich frühstückte bei herrlichem Sonnenschein an einem tollen wilden Platz. Mittlerweile inspizierten einige Männer die Hütte ( Neugier) und erzählten mir, dass es nächste Woche regnen würde 😊👍. Für’s Laufen doof, aber für die Öffnung des Trails bestimmt gut. Nach einer Stunde, ich bewegte mich für kurze Zeit durch ein Stück abgebrannten Wald, wo der Boden bereits wieder mit allerlei Pflanzen, insbesondere mit Blaubeersträuchern zugewachsen war erschrak ich. Mitten in den herbstlich rotgefärbten Sträuchern saßen Victoria und ihr Freund 👀. Ohne zu zögern überreichte sie mir eine Handvoll Blaubeeren. Sie mag mich bestimmt. Sobald ich wieder im Wald unterwegs war, umgab mich angenehme Kühle und was ich lange vermisst habe, der Geruch von Pinie lag in der Luft. Vielleicht wirkt es für mich wie eine Droge und die Schritte erfolgen mit einer Leichtigkeit. Die Anstiege erledigten sich trotzdem leider nicht von selbst. In der Hälfte eines heftigen Anstieges, stand ein SUV und der Fahrer sprach mich einfach an, ob ich ein Candy haben möchte ☀️👍. Was? ja natürlich möchte ich 😊 ! und bettelte noch um eine Cola. War bestimmt unverschämt, aber in meiner Lage😊! Er wühlte in einer Kiste, die beiden Hunde schauten zu, und zauberte einen Schokoriegel nebst Cola hervor. An seinem Rucksack prangerte die PCT Plakette. Wie schon Flip&Flop, erzählte auch er mir, dass einige Hiker von Stehekin per Kanu 🛶 zur kanadischen Grenze/ Memorial gefahren seien, da ja der Trail bis dahin gesperrt ist. Ich werde mich mal danach erkundigen, hört sich abenteuerlich an. Lust hatte ich heute auf 60 Kilometer, machte aber kein richtigen Sinn. Ob ich morgen 14:00 Uhr oder 16:00 Uhr am Pass ankomme, ist egal. Außerdem ist es auch mal schön etwas früherer den Tag zu beenden und mit besonderen Überraschungen ( im dichten Wald) rechnete ich nicht mehr. Nach 54 Kilometer hängte ich meine nassen Klamotten zum trocknen in die Bäume und stellte meine vier Wände auf. Gute Nacht 🐻

Guten Morgen ihr Berggeister
Mike Urich Hütte
Ich
Weitsicht für kurze Zeit

101 Tag. 23.09. tierischer Tag

06:45 Uhr hatte ich meinen Schlafplatz sauber verlassen. Der Tag wollte noch nicht so recht durchbrechen. Hatte der bedeckte Himmel vielleicht etwas zu verbergen? Zum Wandern begrüßte mich ja sonnenarme Bedingungen, denn ich wurde schon von alleine warm😊. So wie ich schon über Washington gehört hatte, geht es ständig bergauf und bergab, viel Regen, und wenig Weitsicht. Außer mit dem Regen stimmt bis jetzt alles. Ist auch besser so, denn der Weg ist durch die Trockenheit nun ständig mit einer mehreren Zentimeter dicken Staubschicht überzogen. Wenn es jetzt regnet, verwandelt sich das Ganze in eine schlammige Angelegenheit. Hatte ich mal auf dem Arizona Trail erlebt ☹️. Auch meine Klamotten stehen zur Zeit vor Dreck und Schweiß fast allein. In zwei Tagen wird ausgiebig geduscht. Wie immer, machte ich 10:00 Uhr meine erste Pause. Dieses Mal recht romantisch an einem See. Die Tortillas mit Käse und Salami waren natürlich die Krönung meiner Ernährung ( wie jeden Tag)😊. Erst beim Zusammenpacken bemerkte ich, dass die Blaubeersträucher gerappelte voll mit reifen Beere hingen. In Windeseile pflückte ich soviel Beeren und steckte diese in meinen süßen Mund, da ich nicht mit einem ungebetenen Bären teilen wollte 😊🐻. Heute waren bereits einige Wochenendhiker unterwegs und ab und zu kam es bezüglich des PCT zu lockern Gespräche. Die Aussage einer Frau erheiterte besonders mein Gemüt. Die Strecke/ Straße in Richtung Norden/ Kanada wäre wieder offen, aber der Trail noch nicht. Für Heute arbeitete ich mich nun aktiv an einem Berg entlang, der Sonne ausgesetzt, nach oben. Mittlerweile war das Gesamtgewicht meiner Erscheinung auch auf ein sinnvolle und zu bewältigende Größe geschrumpft. Ich denke, dass ich jetzt 6 Kilo, davon 3,53 Kilo Lebendgewicht( also Fett) und 2,47 Kilo Lebensmittel weniger herumschleppen muss. Wie immer, erreichte ich meinen geplanten und verwaisten Zeltplatz mit einer inneren Freude und Zufriedenheit. Die 51 Kilometer sind ja auch nicht von Pappe. Ich glaube, die Tiere hatten heute ihren freien Tag, denn keines wollte mich sehen ☹️. Gute Nacht 🐻

ich komme einfach nicht vom Mt. Rainier weg
im Hintergrund Mt. Adams

100 Tag 22.09. 100 Tage und 3696 Kilometer

Heute war für mich ein besonderer Tag. 100 Tage auf dem PCT, mit insgesamt 3696 gelaufene Kilometer 👍🐻. Da ich bis dato viel schneller unterwegs bin, ergab sich sogar die Gelegenheit zu feiern. 06:45 Uhr setze ich meinen Weg in Richtung Wheit Pass, eine kleine Tankstelle mit Imbiss und Einkaufsmöglichkeiten fort. Bereits nach einem Kilometer stand ich wie angewurzelt. Vor mir tauchte eine sehr große Gruppe von acht weiblichen ELK’s, angeführt von einem sehr großen und starken Bock ( ich würde nicht mit ihm tauschen, dass ist bestimmt Stress 😊) Mit seiner Trophäe auf dem Kopf, stand er etwas abseits und beobachtete die Überquerung des Trails. Ehe ich wieder mal mein Handy zückte, war die Truppe respektvoll im Dickicht verschwunden. Auf diese majestätischen Tiere macht man hier mit Pfeil und Bogen Jagd ☹️. Traurig. Zu Weihnachten würde ich gerne ein Stück Rehrücken mit Klößen essen. Die 15 Kilometer schaffte ich bequem in 2 1/2 Stunden, da es leicht und kontinuierlich bergab ging. In meinen Kopf hatte ich mir schon die beiden Menüs zusammengestellt, welche ich nachher verschlingen wollte. Das Angebot war sehr überschaubar und ich entschied mich für einen Burger 🍔. So ein miserablen Burger habe ich dem gesamten Trail noch nie gegessen. Aus gesundheitlichen Gründen unterließ ich es , mir zur Feier des Tages noch einen zu kaufen. Kaffee und viel Cola reichten mir dann. Ich füllte meinen Proviant für die nächsten drei Tage auf und das war in Ordnung. Vier Stunden verweilte ich bei netter Hikergesellschaft in der Tanke. Die Zwei waren bereits mit dem PCT fertig und liefen einige Stationen zurück. Flip Flop (Trailname ) zeigte mir ein Video eines Bären, welchen er vor zwei Tagen beim Blaubeeren essen beobachtete. Er war so freundlich und sendete mir das Video aufs Handy. Ich hatte ihm von meinen Begegnungen mit einem Bären und den zwei Mountain Gost erzählt. 14:00 Uhr kehrte ich in Richtung Snoqualin Pass, auf den PCT zurück. Für die ca. 160 Kilometer plane ich vier Tage ein😊. Das Wetter sah nach Regen aus und der Wind blies heftig. Da ich ab nun, bis zum Abend im Wald lief, machte mir das nichts aus. Im Verlauf des Nachmittags kreuzten verschiedene Personen meinen Weg. Ein junger Mann in Jägeranzug und mit Bogen, saß auf einem Baumstumpf und sah etwas fassungslos aus. Er erzählte, er wollte einen ELK schiessen, hatte aber kein Glück. Bei den drei nächsten Begegnung handelte es sich um Reiterstaffeln, wobei die Erste mehr nach Hobby, die Zweite eher nach einer Jagdgesellschaft und die Dritte nach einem Ordnungstrupp des PCT aussah. Natürlich verwickelt man sich mit solchen Typen schnell in ein lustiges Gespräch. Ein PCT Hiker war leider nicht dabei. Seit der Begegnung mit dem Bären, beobachteten und suchten meine Augen 👀 regelrecht alle größeren Wiesen und die zahlreichen Seen nach diesem Tier ab. Aber vergeblich, es wäre ja auch sonst so schön. Öfters hörte ich nun das Röhren der ELK’s, welche ich am Morgen so zahlreiche begegnete. So geschah es, dass ich in unmittelbarer Entfernung nicht nur das Röhren hörte, sondern, dass da sich zwei dieser vor Kraft strotzenden Tieren mit ihren Geweihen duellierten. Rechtzeitig hatte ich mein Handy bereit gemacht, die Stöcker ins Gras gelegt, um mich vorsichtig an das Geschehen heranzupirschen 👍. Leider bemerkten mich die Kampfhähne und stellen ihre Auseinandersetzung ein. Mich ließen sie mit einem erbärmlich gedrehten Video im Dickicht sitzen. Ich war trotzdem stolz auf meine Aktion. Für Heute hatte ich genug erlebt und beendete nach 42 Kilometer den tollen Tag. Das Galadinner anlässlich des 100‘ten gab es doch nicht . Gute Nacht 🐻

der Tag erwacht ☀️
Flop& Flop so sieht ein wahrer Hiker nach Beendigung des PCT aus
Greta‘s Beschützermaulwurf
die haben es gut 😊
ein See nach dem Anderen
auch das Überqueren muss gekonnt sein
Udo Bär auf der Pirsch ☀️

99 Tag 21.09 faszinierende Landschaft

nun hatte ich meinen Bären gesehen und die Welt war in Ordnung 😊. Eigentlich hätte ich tief und fest schlafen können. Aber die Nacht fing gut an. 22:00 machte sich ein nicht bekanntes Tier stimmgewaltig bemerkbar. Und das in unmittelbarer Nähe meines Zeltes. Diese Laute hatte ich bis dato noch nie gehört und stammt mit Sicherheit von einem größeren Tier. Was wollte es von mir? Gespannt lag ich im Zelt und befolgte mit spitzen Ohren die Lage. Es ließ mich in Ruhe schlafen. 06:30 Uhr schaffte ich es von diesem komischen Ort zu verschwinden. Da ich schon einige Zeit durch den Wald schlenderte, dachte ich, dass ich heute maximal zwei Möglichkeiten bekäme, um die Bergwelt zu betrachten. Da hatte ich mich gewaltig getäuscht. Fast den ganzen Tag erlebte ich pure Faszination und Einzigartigkeit einer harten, malerischen und groben Bergwelt. Zuerst ging es hart hinauf zum Cispus Pass ( 1972 Meter). Diese Art von bergauf kannte ich bereits. Oben angelangt, eröffnete sich eine Megaaussicht , in ein bizarres Tal. Ca. einen Kilometer weiter unten, mitten auf dem Trail liefen doch da sehr gemütlich zwei weiße Tiere, aber kein Ziegen oder Steinböcke. Zum fotografieren war es leider noch etwas zu weit. Da sie hinter einer Kurve verschwanden, konnte ich mich langsam annähern um von den Beiden ein tolles Bild zu erhaschen. Als ich 5 Minuten später ebenfalls , langsam und vorsichtig um die Kurve schlich, war nichts mehr von den Tieren zu sehen ☹️, als ob sie sich in Luft aufgelöst hätten. Ich war schon enttäuscht, dass die Beiden so herzlos mit mir umgingen. Es waren Mountainghost. Aber das nächste Event wartete schon in zwei Kilometer auf mich. Ein Wasserfall ergoss sich genau über den Trail 😊. Der richtige Moment und Ort eine Mittagspause mit Dusche einzulegen. Nach fünf Tagen in der Wildnis war es auch mal nötig , dass sich mein Körper wieder an Wasser gewöhnt. Die Frische hielt nicht lange an, da der nächste harte und lange Anstieg bevorstand ( 2200 Meter). Zu meiner Überraschung musste ich mich nochmals an einem klein Schneefeld beweisen. Und nun folgte ein unbeschreiblich spektakulärer schmaler Pfad auf einen Bergrücken, links und rechts steil ins Tal abfallend, also tödlich. Oben traf ich ein älteres Pärchen, welche mich auf ein großes Feuer am Fuße des Mt. Rainer aufmerksam machten. Ich sah die Rauchschwaden und roch das Feuer förmlich. Auf der nächsten Anhöhe empfing mich eine kleine pausierende Wandergruppe, welche mir bereitwillig Schokolade und Gummibärchen schenkten 😊☀️. Und das auf diesem schmalen Pfad. Ich musste nur noch um eine Bergkuppe laufen, bevor es steil nach unten ging. Oberschenkel und Knie bedankten sich auch ausgiebig. Im Tal angekommen, konnte ich die letzten zwei Stunden bis zum Schlafplatz auf festen Waldboden laufen. Die etwas abseits liegende Wasserquelle bestimmte heute die Lage des Zeltplatzes. Auf Grund des heutigen Höhenprofils, beendete ich nach 47 Kilometer hochverdient den Tag ☀️Gute Nacht 🐻

Mt. Rainir
in der Mitte zwei Mountenghost
kurze Erfrischung
aufpassen, die knabbern alles an
der Restschnee ?
super Gradwanderung

98 Tag 20.09 Udo Bär trifft Washington Bär

ausgeschlafen hatte ich noch nicht, aber ich machte mich doch 06:30 Uhr auf die Strecke, um viele Eindrücke und Erlebnisse zu sammeln. Die ersten zwei Stunden sammelte ich Blaubeeren 🫐 und nahm dadurch vom verbrannten Wald weniger wahr. Die meiste Zeit verlief der heute Trail unterhalb des imposanten Mt. Adams entlang, vorbei an riesigen Steinfeldern, welche durch den Schnee, bzw. durch die Kraft des herunterstürzenden Wassers entstanden waren. Durch dieses Chaos führte der Trail wie an einem Faden aufgereiht sichere hindurch. 10:00 Uhr machte ich in einem sogenannten Canyon, in dem frisches und sauberes Wasser hinabfloss, meine erste Pause. Während dieser Zeit schaute ich mir in Ruhe das Ergebnis der rauen Natur an, wozu diese nachhaltig in der Lage war. (Ahrtal lässt grüßen ☹️.) Nach einer geraumer Zeit stieß ich oberhalb eines Platos auf einen kleinen Wasserfall, der sich in die Tiefe stürzte, aber nicht zu einer Dusche,obwohl dringend nötig, einlud. Direkt, hinter einem Busch, saß Cheep… , eine junge Hikerin und genoss die Situation. Ich setze mich neben sie und wir quatschten eine Weile zusammen. Sie war Mitte Mai von der mexikanischen Grenze gestartet und legte ca. 25 Kilometer pro Tag zurück 😊. Also es geht auch so und ich denke, sie erreicht auch die kanadische Grenze. Ich setzte meinen Weg, welcher etwas bergab ging, fort. Natürlich blieb ich, wie sollte es auch anders sein, an einer Wurzel hängen und fiel der Länge nach auf dem Boden, in den dicksten Staub. Wie ich aussah, wollt ihr nicht wissen. Gut, dass es bis zur nächsten Wasserstelle nicht mehr weit war. Mittlerweile erreichte ich wieder Waldgebiet und befand mich im Trailtunnel. Der Weg wurde nun wieder eingesäumt von Blaubeersträuchen und nun auch von sehr viele Pilzen, in unterschiedlichsten Größen. Relativ viele kleine Seen, mehr Tümpel, lagen nun auf der Strecke. Überall sprangen die kleinen Nagetiere ( Art Eichhörnchen) herum und ich überlegte, wieviel man davon essen müsse, um satt zu werden 😊. Bei diesen Gedanken kam Appetit nach einem Hasenbraten auf. Ich wechselte lieber das Thema. Mir ging nun durch den Kopf, doch eines Tages meine Abenteuer mal meinen Kindern zu erzählen. Auch zu fragen, welche Tiere so in der Wildnis leben. Dabei änderte sich meine Stimmung merklich. Mir wurde mal wieder bewusst, das ich in drei Jahren, bei fast 10.000 Kilometer zu Fuß noch keinen Puma und oder Bären gesehen hatte ☹️. Ich wollte aber so gerne. Der Weg führte nun an einer kleinen Lichtung, direkt an einem kleinen See vorbei und ich erstarrte sofort. In diesem Moment erblickte ich meinen ersten Bären. Ich war fassungslos und total überrascht. Er hatte mich zuerst gesehen und sich schnurstracks umgedreht und verschwand im Dickicht. Diese Situation war so schnell und überraschend, das ich nicht in der Lage war mein Handy startklar zu machen. Meine Gefühlslage erlebte ein Hochgenuss, was ich im Bild festhielt. Keine 300 Meter weiter, saß eine Hikerin im Wald und vesperte in totaler Ruhe. Ich musste zu ihr gehen, um ihr mein Erlebnis mitzuteilen. Diese glückliche und überraschende Begegnung bestimmt nun meinen weiteren Tag. Ich war zu tiefsten zufrieden und beendete den Tag nach 49 Kilometer und 5019 kcal . Gute Nacht 🐻

Treffpunkt Washington Bär und Glücksgefühle
Lage
Achtung, es ist kein Teddybär

97 Tag 19.09 Tunneltrail

die Nacht war warm und ich musste ständig raus. Gegen 02:00 Uhr zeigte sich der Mond und eine Vielzahl von Sternen, welche mit Sicherheit einen sehr schönen Tag ankündigten. 06.30 Uhr machte ich mich auf die Socken. Auf den schönen Sonnenaufgang wartete ich nicht also lange und konnte ein paar interessanten Bilder schiessen. Der Weg führte mich kurzzeitig bergan, um dann sehr kontinuierlich auf einer gewissen Höhe weiter zu verlaufen. Meine Schritte waren sehr zügig, nur bergabwärts merkte ich vehement meine Oberschenkel ☹️. Nach zwei Stunden mit relativ guter Weitsicht, bewegte ich mich wie im einem Tunnel, nur durch die vielen Bäume gebildet. War jetzt nicht so schlimm, da ich weitestgehend vor der sehr aktiven Sonne geschützt war. Um die Mittagszeit passierte ich auf diesem Abschnitt ein Trailbuch und schrieb mich ein. Dabei stellte ich fest , dass sich die letzten Hiker gestern eingeschrieben hatten. Also würde ich heute keinen begegnen. Gegen 14:00 Uhr kamen mir zwei Gestalten in Jägerkleidung, mit seltsamen Gegenständen entgegen. Ich fragte, was das für Geräte seien und bekam die Antwort, für die Jagd auf Deer ( hiesige Rehe). Es waren Bögen, mit Visier und Wasserwaage. Bis dato konnte ich nur Fußabdrücke auf den Weg erkennen. Zwei Stunden später lief genau vor mir ein Deer über den Weg. Von mir hatte es nichts zu befürchten 😊. 17:00 Uhr betrat ich ein Waldstück, welches bestimmt vor 20 Jahren gebrannt hatte. Dadurch, dass nun genügend Licht und Wasser auf den Boden gelangte, wuchsen sehr üppig die Blaubeeren und andere Pflanzen. Ich ergänzte ausgiebig meinen Speiseplan und sammelte eifrig. An einem kleinen Zeltplatz, wo sich direkt eine Quell mit frischen und kalten Wasser sprudelte, baute ich mein Zelt auf. Außerdem hatte ich 55 Kilometer in den Beinen und das reichte für den heutigen Tag. Verbrauch 5867 kcal . Gute Nacht 🐻

Sonnenaufgang
Mt, Adams
Ich
bisschen Kanadischer Sommer

96 Tag 18.09 Alles im grünen Bereich

mein bisheriger Ablauf folgte dem System: 05:00 Uhr aufstehen, Frühstück, alles zusammenpacken, um ca. 06:00 Uhr los zu schlendern. Das ging heute Morgen aber nicht. Das die Tage kürzer sein werden, war mir bewusst, aber das es erst ca. 06:00 Uhr etwas aufhellen würde, überraschte mich. Also schrieb ich meinen Blog weiter und machte mich 06:45 Uhr in die Spur. Da es in der Nacht etwas geregnet hatte, waren meine Klamotten sehr schnell durchgeweicht, aber der Weg war trocken und ließ sich wunderbar laufen. Mir war immer noch so, als ob ich mit Marco zusammenlaufen würde. Er lief Früh in der Regel 15 Minuten eher los und wir vereinbarten die Punkte,wo wir uns zum Mittagessen treffen wollten, um dann bis zum Abend gemeinsam zu laufen. An entsprechendem markanten Treffpunkten sah ich ihn auf mich wartend auf seiner Matte liegend. Ich musste über meine Wahnvorstellung etwas schmunzeln 😊. Der heutige Trail führte mich wieder bergauf und bergab. Normalerweise sind diese Wechsel sehr kraftaufwendig und zermürbend. Anstrengend ist das schon, aber das Auf und Ab vollzieht sich auf länger Zeit. Die Anstiege sind eher für Hiker über 60 Jahre🐻😊. Da die Natur so üppig und grün daherkommt, habe ich in dem dichten Wäldern kaum Tiere erblicken können. Das auch größere Exemplare unterwegs sind, konnte ich an den Hinterlassenschaften, welche in der Regel mitten auf dem Weg lagen sehen. Hiker hatte ich heute nur zwei in meine Richtung getroffen. Also sogenannte NOBS‘s. Leider lagen heute die Wasserstelle sehr weit auseinander, wo ich doch solchen Durst verspürte ☹️. Da ich wieder wie eine alte Dampfmaschine unterwegs war, trocknete mein Mund durch die intensiv Atmung sehr schnell aus. Zum Übernachten hatte ich mir weit in der Ferne zwei Badeseen ausgesucht. Ein kühles Bad wäre nicht zu verachten. Als ich am ersten See ankam, glich er eher einem Tümpel, und lud nicht gerade zum Verweilen ein. Der nächste war dafür noch schlimmer. Das nicht gerade appetitliche Wasser war nur erreichbar, wenn man zwei Meter durch den Schlamm stampfte, oder sich versuchte ein paar Steine als Weg zu bauen. In der Regel rutschte ich aber immer mal vom Stein oder dicken Ast in den Matsche ☹️. Ich glaube, dass letzte Mal hatte ich solch ekelhaftes Wasser auf dem Arizona Trail trinken müssen. Für eine heise Suppe war es dann doch genügend. Zum Trinken hatte ich ,Gott sei Dank, noch eine Flasche mit sauberes Wasser. Nach 53 Kilometer kuschelte ich mich in meine vier Stoffewände und versuchte tief und lange zu schlafen. Gute Nacht 🐻

Die Brücke ins Glück 😊
Im Hintergrund ein bekannter Berg

95 Tag 17.09 als ob ich nicht weggewesen wäre

die Nacht im Flughafengebäude war langweilig, aber warm und trocken 😊. Schlafen konnte man das aber nicht nennen. 06:00 Uhr fuhr ich mit der Bahn zum Getway Center, um mir die noch benötige Nahrung zu kaufen. Hier befand sich auch gleich in der Nähe die Bushaltestelle in Richtung Cascade Locks. Diese Lösung war sehr optimal für mich und alles klappt wie am Schnürchen. Bereits 09:30 Uhr verließ ich Oregon und überquerte nun endlich die Bridge of the Gods in Richtung Washington. Es war ein tolles und erhabenes Gefühl über diese Stahlkonstruktion zu laufen☀️. Schon bei den ersten Schritten auf dem letzten Teil des PCT‘s kam es mir so vor, als ob ich nicht weggewesen wäre. Alles war so vertraut, der Weg, die Beschilderung und die Vegetation. Nur, ich vermisste die Hauptpersonen, die Hiker ☹️. So lief ich 3 Stunden und begegnete keiner Seele. Ich dachte, ich bin sowieso der Letzte auf dem Trail, da ist das doch normal 😊. Nach kurzer Eingewöhnung führte mich der Trail gleich mal 1000 Meter in die Höhe. Das war mir ja bewusst und hatte mich darauf eingestellt. Trotz des Gewichts ( ca. 18 Kilo) kam ich gut voran und der Laufrhythmus stimmte. Mein linker Fuß machte sich wieder bemerkbar ☹️ und ich versuchte diesen immer gerade aufzusetzen. Bei der Beschaffenheit des Untergrunds war das kein großes Problem. Das Wetter war ausgezeichnet und nirgends schwirrten irgendwelche Moskitos herum, die mich als Opfer suchten. Marco hatte noch vor neun Wochen was anderes geschrieben. An der ersten Wasserstelle, traf ich auf den ersten Hiker. Bis zur Nachtruhe waren es sieben Leidensgenossen. Die Natur zeigte sich im satten Grün und der gesamte Waldboden war mit einer Vielzahl von Gräsern , Buschwerk und Heidelbeeren bedeckt. Vertrocknete, umgestürzte oder verbrannte Bäume waren nicht zu sehen🌲🌿. Ob ich Heute gleich die Tageskilometer , welche ich mit 40 Kilometer festgelegt habe,schaffe? Ab Kilometer 35 hielt ich Ausschau nach einem geeigneten Platz, aber erst beim Kilometer 44 fand ich einen tollen Zeltplatz. Und ja, der Start war gelungen. Schnell baute ich das Zelt auf, da es nun doch schneller als im Juli dunkel wurde. Hunger hatte ich überhaupt nicht und verkroch mich lieber in mein Zelt. Die große Frage war nun, wie werde ich diesen ersten anstrengenden Tag verkraften. Gute Nacht 🐻

The Bridge of the Gods
Der letzte Abschnitt. Washington

94 Tag. 16.09 Fünfter und letzter Akt Washington 820 Kilometer

neun Wochen Pause, was überhaupt nicht geplant war👀. In dieser Zeit wäre ich ca. 2000 Kilometer gelaufen 😊. Unser Firmenevent war wieder sehr erfrischend und nahrhaft 🍕,was dazu führte, dass ich erst 03:00 Uhr ins Bett hüpfen konnte😊. Nach einer Stunde (04:00 Uhr ) musste ich ☹️ bereits wieder raus, um endlich mein Traumprojekt „ PCT „ zu Ende zu bringen. Mit schnellen Schritten, einer gewissen Vorfreude und einem Kribbeln im ganzen Körper eilte ich gen Richtung Bahnhof. Mein Flieger, nach Portland, sollte erst 15:10 Uhr fliegen, so dass die Verspätung der Bahn (wegen Energiestörung) nicht ins Gewicht fiel. Das Einchecken am Flughafen Frankfurt empfand ich etwas chaotisch. Obwohl ich im Vorfeld alle notwendigen Daten per App mitgeteilt hatte, wurde die Prozedur am Schalter nochmals vollzogen. Wie beim letzten Einchecken im April kamen die Damen mit meinen zwei Pässen nicht zurecht ☹️. Dann hatte angeblich, oder wirklich ?,das Serviceteam das Säubern der Condor Maschine vergessen, so dass wir erst 80 Minuten später in Richtung Portland starten konnten. Ich denke mir ,wenn im Vorfeld die Probleme erledigt sind, kann ich auf eine sehr schöne Zeit auf dem PCT hoffen😊👍. Nun verbringe ich sicherheitshalber lieber noch einige Stunden auf den Flughafen um morgen Früh mit dem Bus direkt zum Einstieg ( Cascade Locks) des Trails zu fahren. Die nächste 800 Kilometer werde ich dann hoffentlich nur so über das Cascade Gebirge fliegen ☀️. Die Kaskadenkette oder das Kaskadengebirge (englisch Cascade Rangeoder Cascades) ist ein Gebirgszug vulkanischen Ursprungs, der parallel zur Westküste Nordamerikas verläuft. Er gehört zum Pazifischen Feuerring. Ich wünsche euch eine schöne Wochenende und seid mir weiterhin wohl-gesonnen. Gute Nacht 🐻

Flughafen Portland

Schlafenszeit

13.09 Alles Durcheinander

Hallo liebe Follower, ihr habt lange nichts von mir gehört. Wo bin ich, was mache ich und wie geht es mir? Nach dem herzlichen Empfang meiner Frau, ich hatte sie mittags über meine kurzfristige Rückkehr informiert, gab es bei einem deftigen Essen viel zu erzählen. Nach drei Monaten im Einmannzelt, konnte ich mich wieder in mein eigenes Bett kuscheln😊. Einfach schön ☀️. Die Strapazen und den ständigen Kalorienverzicht sah man mir schon an. Das Einzige,was in dieser Zeit gewachsen war, waren die Haare. Da ich ca. acht Kilo abgenommen hatte, konnte ich wieder ohne große Probleme alles sehen, was sich unterhalb meines Bauches befand😊. Obwohl ich den Gürtel bis ins letzte Loch einhakte, rutschte die Hose ohne Widerstand bis in die Kniekehlen. Die nächsten Wochen glichen deshalb eher einer Fressorgie, als einer vernünftigen Nahrungsaufnahme. Genau so verhielt es sich mit meinem Schlafdefizit. Tine erlebte mich fast vier Wochen nur in diesem Zustand, entweder Essen oder Schlafen. Geplant hatte ich ca. 2 Wochen Erholung und dann wieder zurückzukehren auf den PCT, um die restlichen 1000 Kilometer zu laufen. Hätte auch ganz gut mit der Kanadareise von Tine ab diesem Termin gepasst. Leider musste Tine plötzlich ins Krankenhaus und somit die Kanadareise absagen und ich verschob meinen Rückflug auf Ende August, gleich nach der Schuleinführung von Leo. Gleichfalls konnte ich, was mich sehr freute, Gretas 5‘ ten Geburtstag und die Hochzeit von Sofia und Max miterleben. Zwischenzeitlich verfolgte ich Marco, welcher die Meilen auf dem PCT nur so herunterspulte und mir am 12.08. mitteilte , dass er den PCT , 4280 Kilometer , in 4 Monaten geschafft hatte. Wenn ich nicht nach Hause geflogen wäre, würde ich es auch am 12.08 geschafft haben☹️. Ich war etwas geknickt und enttäuscht. So war ich aber zu Hause und konnte Tine in den schwierigen Tagen zur Seite stehen. Sie erholte sich relativ schnell und wir konnten gemeinsam mit Anke und Roboter ein paar Tage an der Ostsee entspannen. Bis dahin hatte ich keinen Sport gemacht und nahm mir vor, mich nach dem Urlaub auf den PCT vorzubereiten. Nun hatte ich allerdings vergessen, dass wir am 15.09 noch unsere jährliches Firmenevent geplant hatten. Und wieder musste ich die Rückkehr auf den PCT verschieben. Gott sei Dank hatte ich noch nicht den Flug für Ende August gebucht. Nun sollte es am 16.09 losgehen. Den Einstieg wählte ich an der Grenze zu Washington, an der Bridge of the Gods. Die 850 Kilometer bis Kanada dürfte ich bis zum Rückflug, am 17.10 schaffen. Das Problem wäre eventuell,dass ich am Ende in Neuschnee komme ☹️. Die Vorbereitungen begannen sehr schleppend, da mein linkes Fußgelenk nach fünf Wochen immer noch Schmerzen verursachte und plötzlich auch noch Rücken.- und Schulterprobleme dazukamen. Lauftraining war deshalb unmöglich. Trotzdem spielte ich mehrmals innerlich mit dem Gedanken doch noch im August auf den PCT zurückzukehren, prüfte öfters die Flugzeiten und verwarf alles wieder. Das Hin und Her führte natürlich zu einer gewissen Spannung zwischen Tine und mir ☹️. Nun sind es nur noch zwei Tage und 17 Stunden und ich bin aufgeregt, wie zu Beginn des Trails. Ich werde sicherlich zwei bis drei Tage zur Eingewöhnung benötigen, um wieder in den Laufmodus zu gelangen. Meine Ausrüstung habe ich für die paar Kilometer 😊 auf das Notwendigste reduziert. Auf diesem Abschnitt ist die Organisation der Verpflegung etwas schwierig, da die Einkaufsmöglichkeiten sehr weit auseinanderliegen. Ich kann bestimmt eine Woche von meinem jetzigen Übergewicht zehren 😊🐻. Gestern erfuhr ich, dass die letzten 50 Kilometer, bis zum Terminal, kanadische Grenze, wegen Blitzfeuer gesperrt wurde. Ich hatte eher mit Schnee gerechnet. Ich war der Verzweiflung nahe. Das Feuer wütet aber nicht direkt auf dem PCT. Den Sperrbereich erreiche ich in ca. 3.5 Wochen und hoffe, dass dann der Trail wieder offen ist. 2800 Kilometer, bis Ashland lief alles wie am Schnürchen und nun fingen die Probleme an☹️. Seid auf das nächste Abenteuer gespannt. Ich lass euch wieder teilhaben. Gute Nacht 🐻

93 Tag 12.07 to back

nachdem alles bis zum Flughafen reibungslos verlief, konnte ich es mir nun , auf dem Condorflug, Platz 36A nach Frankfurt, neben einer deutschen Studentin bequem machen. Thema war dann für einige Zeit der PCT ☀️😊. 19:30 Uhr klingelte ich in der Marbachstr. 7 und bat um Einlass ☀️. Jetzt werde ich meine Wehwehchen ausheilen und hoffe das der Schnee in Washington bis zu meiner Rückkehr, Anfang September restlos weggetaut ist. Die restlichen 1000 Kilometer dürfte ich dann bis Ende September schaffen und somit das Kapitel Pacific Crest Trail für alle Zeiten beenden. Bis dahin bleibt mir gesund und und genießt das schöne Leben ☀️🍀🐻. Ich melde mich rechtzeitig zurück. Gute Nacht 🐻

nach 3200 Kilometer

92 Tag 11.07 Hitschtag

die Moskitos ließen mich schlafen. Grob packte ich Zelt und Klamotten zusammen, um schnell in das PCT Hikerhaus zurückzukommen und am Frühstück teilzunehmen. Mein Plan für die kommende Zeit war nun perfekt und genauso überraschend. Ich liebe diese Art an Überraschung. Alle denken ich bin weit weg von zu Hause und dann stehe ich ohne Voranmeldung plötzlich vor der Haustür 😊💪☀️. Der Rückflug mit Condor, von Portland aus war für Dienstagabend gebucht und nur noch zwei Fragen standen offen. 1. kommen heute meine Schuhe und 2. wie organisiere ich die Fahrt vom Camp nach Portland-Flughafen. 11:00 Uhr stand fest, dass die Schuhe nicht heute und morgen hier ankommen, sondern erst am Mittwoch☹️. Ich regelte noch schnell, dass die Schuhe, sollten sie hier ankommen, gleich an Amazon zurückgeschickt werden. Packte alles zusammen, legte unnötiges Essen in die Hikerbox, steckte noch 20 Dollar in den Spendenkasten und lief die letzten 8 Kilometer bis zur Bundesstraße. Kurz bevor ich sie erreichte begegnete ich einer jungen Frau, welche sich als Trailangel herausstellte und im letzten Jahr den Trail lief. Sie versorgte mich mit Getränken und machte noch ein Foto vom Erreichen der 2000 Meilen- Marke 😊👍 (3200 Kilometer), was mir in dem Moment erst bewusst wurde und freute mich sehr darüber. Nun stand ich an der Straße und hoffte bei prächtigen Sonnenschein auf eine Hitschmöglichkeit. Nach 40 Minuten nahm mich ein junger Mann bis zur nächsten Auffahrt, welche nach Salem führte mit. Diese Position war für ein Hitsch vielversprechend 😊aber ich musste hier zwei Stunden stehen, bevor ein ungewöhnliches Paar ihren Jeep anhielten. Sie sahen mich vor einer Stunde beim Vorbeifahren hier stehen und als sie zurückkehrten stand ich immer noch da und waren von meiner Hartnäckigkeit angetan, so dass sie mich mitnehmen wollten. Jeff war liebenswürdig und etwas schwerhörig und seine Freundin, Michele, war Glatzköpfig. Beide Rentner. Ich musste mir die hintern Sitze mit zwei großen Hunden teilen, welche diese Situation über sich ohne knurren ergehen ließen. Die Fahrt nach Salem dauerte zwei Stunden. Eigentlich fuhren die Beiden nur so zum Spaß durch die Gegend und mussten nicht nach Salem, aber sie hatten eben ein Herz für mich. An der Auffahrt zur Autobahn nach Portland durfte ich aussteigen, um eine neue Hitschmöglichkeit für die nächsten 80 Kilometer , bis Portland zu bekommen. Wieder, in der prallen Sonne, versuchte ich mein Glück 🍀. Dieses Mal holte ich meinen Joker aus der Tasche. Ich hatte noch im Camp ein Papierschild mit der Aufschrift „Portland „ vorbereitet und hielt es nun bereits schon eine Stunde den vorbeifahrenden Autos vor die Nase. Schließlich hielt ein Mann sein Auto an und ließ mich einsteigen. Der Typ war sehr kurz angebunden, das Auto voll mit irgendwelchen Gegenständen und Unrat. Alles brauchte er für seine Arbeit. Trotzdem hatte er so eine Art Brecheisen vergessen, was seine Frau ihm an eine Tankstelle brachte. Ich kaufte uns dort noch Getränke und die rasante Fahrt ging weiter. Wir kamen ganz gut ins Gespräch und tauschten familiäre Dinge aus. Er arbeitete täglich 12 Stunden um genügend Geld für seine Familie, 2 Jungs und 2 Mädchen, welche immer nur forderten, zu verdienen. Die Frage, ob ich Drogen nehme, musste ich verneinen, er bräuchte den Stoff allerdings, um den Alltag und die harte Arbeit zu bewältigen. Er zündete sich sogleich irgend so ein Zeug an und fuhr mit dem Handy in der Hand nur noch auf der dritten Spur 👍☹️. Der Typ war nun wesentlich lockerer und wir lachten sogar gemeinsam 😊. 30 Kilometer vor dem Flughafen hatte er seine Arbeitsstelle erreicht und ließ mich an der Autobahnabfahrt aussteigen. Mittlerweile war es 18:00 Uhr und ich befand, dass ich sehr gut in der Zeit lag. Mein Flug geht ja erst morgen Abend 17:00 Uhr 👍😊. Ich stellte mich sogleich wieder an die Auffahrt in Richtung Flughafen, aber kein Auto hielt wegen mir an☹️, nur wegen der Ampel. Ein Autofahrer winkte mich an sein Auto heran und ich dachte schon, ich sollte einsteigen, aber nein, er drückte mir drei Dollar in die Hand 👀. Ich war schockiert, sah ich wirklich wie ein Penner aus?? Habe mich doch erst gestern früh geduscht und frisch gewaschene Klamotten angezogen ☹️. Ich wollte ihm das Geld zurückgeben, aber jetzt sagte ich mir, nee , sein etwas herabwürdigender Gesichtsausdruck verdient das nicht 👍. Eine Chance, von hier mitgenommen zu werden, erschien mir gegen null zu gehen und beendete die Aktion. In der naheliegenden Tankstelle gab es erst einmal für die drei Dollar ein Kaffee und ein Sandwich😊. Der Tankwart erklärte mir, wie ich von hier ( Oregon City) zum Flughafen Portland komme und war ab jetzt beruhigter. Mit dem Bus fuhr ich erst zwei Stationen in die verkehrte Richtung, bevor ich nach einer Stunde in die Bahn Richtung Flughafen steigen konnte. Nur noch einmal Umsteigen und ich konnte wieder einen verrückten Tag verbuchen 👍. Auf die Flughafenbahn musste ich 45 Minuten warten und konnte in der Zeit sehr intensiv die armen Seelen , welche die heutigen Gesellschaften hervorbringen und kaum die Gelegenheit der Rückkehr in das zivilisierte Leben ermöglichen beobachten 👀. In meinen Rucksack hatte ich noch eine angefangene Cola und einige Riegel vom Trail. Ich übergab Beides dem armen Schlucker und er nahm es genauso argwöhnisch entgegen wie ich vor ein paar Stunden die drei Dollar.Vier Stationen später, stand ich am geschlossenen Schalter der Condor Fluggesellschaft 👍😊. Bis zum Start , in 15 Stunden werde ich in den Ruhemodus fallen. Gute Nacht 🐻

Zweitausend Meilen, oder 3200 Kilometer ☀️
Oregon City

91 Tag 10.07 Big Lake Youth Camp

in der Nacht wurde ich von einigen Stadtparkrehen besucht und die Nager ließen mich und mein Essen in Ruhe. Eilig hatte ich es heute Morgen nicht. Verstaute meine Sachen und machte ein kleines entspanntes Frühstück bei Mc Doof. Mit guter Laune stellte ich mich an dem Highway, aber keiner wollte mich so richtig mitnehmen ☹️. Nach 30 Minuten fand sich ein Verbündeter, welcher den Trail mit seiner Frau im letzten Jahr gelaufen war und nahm mich nicht nur bis zum Traileinstieg, nein, er fuhr mich direkt zum Camp. Dort angekommen, wurde ich vom Direktor, Less, empfangen. Er zeigte mir alles und lud mich sogleich zum Breakfast ein 👍. Pannkecs usw. Für uns PCT Hiker wurde hier extra ein kleines Haus, mit Küche, Waschmaschine, Toiletten und Duschen zur Verfügung gestellt. Nur schlafen durften wir nicht auf dem Gelände, da dies nur den Kindern und Jugendlichen , welche hier ihre Ferien verbringen vorbehalten war. Wir durften wiederum kostenlos am Frühstück, Mittag und Abendessen teilnehmen 👍😊☀️. Unglaublich 👍. Nach dem Frühstück war duschen und Wäsche waschen angesagt. Dann suchte ich enttäuscht meine Paket mit den neuen Schuhen. Amazon hatte noch nicht geliefert ☹️. Dann warte ich eben noch Morgen ab. Zwischenzeitlich kam die junge Schweizerin „ Rei“ ins Camp und erzählte mir, dass sie für zwei Monate von Kanada nach Mexiko unterwegs sei , aber noch nicht in Kanada/ Washington wegen des vielen Schnees einsteigen konnte, da der Trail dort noch nicht geöffnet wäre und das ein nächster Trailabschnitt wegen Feuer gesperrt wäre. Also alles keine guten Nachrichten. Später kam noch ein Hiker, welcher nur sein Packet abholen wollte,um es dann komplett in die Hikerbox zu legen. Der Grund, er kann nicht mehr. Er war mit einem Engländer jeden Tag ca. 50 Meilen, also 70-80 Kilometer gelaufen und war nun am Ende seiner Kräfte. Ich prüfte sogleich den Inhalte und war sehr positiv überrascht, was ich so an speziellen Sachen im Packet fand. Einige Energiespender ( Riegel)!wanderten sofort in meinen Rucksack 😊. Der Nachmittag war höchst interessant, 100 neue Kids wurden von ihren Eltern für eine Woche ins Camp gebracht. Nach dem Abendessen verließ ich das Camp, um mein Zelt in der Nähe aufzubauen. Dabei wurde ich durch die freundlichen Moskitos unterstützt ☹️ , denn ich war beim Aufbau unwahrscheinlich schnell 👍. Nun hoffe ich auf morgen und das vierte Paar Schuhe ☀️. Gute Nacht 🐻

Big Lake Youth Camp
Seit 12 Wochen mal wieder Maske

90 Tag. 09.07 kurzer Entschluss

in der Nacht beschäftigte mich die Frage, halten meine Schuhe noch bis Big Lake Camp, oder was habe ich für eine Alternative? Sind die neuen Schuhe schon am Camp eingetroffen??. Gegen Mitternacht würde ich beim Grübeln unterbrochen. Steif und still lag ich im Zelt und lauschte den Geräuschen in der weiteren Umgebung 👍. Hörte ich da Gebrumme eines Bären?? Gern hätte ich ja einen gesehen, aber so nachts im Zelt, man fühlt sich so unbeholfen und weiß nicht wie man sich in dieser Situation verhalten sollte. Schließlich entfernte sich das Gebrumme und ich war etwas erleichtert 😅. Für den PCT Weg, am Crater Lake vorbei benötigte ich dann 30 Kilometer ☹️. Und die durchwandernde Gegend war nicht gerade motivierend. Auf einen kleinen Parkplatz erwartete mich ein großes Fass mit Frischwasser und lud regelrecht zum pausieren ein 😊☀️. Nun war ich felsenfest überzeugt, dass ich den Tag hier abbreche , um einen Hitsch nach Siesters zu bekommen um dort zwei Tage zu verweilen und dann zum Big Lake zu laufen, wo ja hoffentlich meine neuen Schuhe auf mich warten. Der rege Verkehr verhalf mir zu einem schnellen Hitsch. Eine Frau hielt ihren VW Cabrio an und nahm mich eine kleine Strecke mit. Nun musste ich hoffen, dass sich schnell einer findet, welcher mich über Bend bis nach Sisters mitnimmt. Nach weitern 40 Minuten hielt ein junger Mann aus Texas und bot mir seine Hilfe an. Das Problem dabei war, er kam aus dem Urlaub vom Crater Lake und sein Auto war mit allen Dingen vollgestopft. Ich wollte schon aufgeben, und ihn fahren lassen ☹️. Er räumte den Vordersitz, ich zwängte mich hinein, meinen großen Rucksack auf dem Schoß und zusätzlich noch einen schweren Rucksack vom jungen Mann, so dass ich mich nicht mehr für die nächsten zwei Stunden bewegen konnte. Er sah wie ein junger Indianer, mit langen schwarzen Haaren aus und vom Beruf „Entwickelungsingenieur“ . Er bot mir kalte Pizza 🍕und ein Bier an. Beides lehnte ich nicht ab, nur , dass keiner von uns an die Sachen so richtig herankam. Mit einer Hand bewältigte ich diese Situation 👍. Es war eine sehr lustige und bewegungslose Fahrt. Er interessiert sich sehr für Fußball und sein Lieblingstrainer war Kloppo 😊. Nach zwei Stunden erreichten wir Siesters und es war erforderlich, dass er mir aus dem Auto half. Von alleine hätte ich es nicht geschafft, so verkeilt und verkrampft saß ich im Auto. Er setzte mich an einem Hostel ab und fuhr bestimmt erleichtert weiter. Siesters ist eine sehr schöne und mehr europäische Stadt als alle anderen, in der ich bis dato übernachtet hatte. Zuerst schaute ich mir die Stadt an und dann versuchte ich ein Bett zu bekommen. Einige Hotels waren zum Wochenende ausgebucht und andere verlangten für zwei Tage 350-600 Dollar 👀. Am Ende war ich zu geizig und baute mein Zelt einfach im Stadtpark auf, inclusive Strom und Toilette 😊. Nach sieben Tagen konnte ich endlich meinen ersehnten Burger essen und ein leckeres Eis schleckern ☀️. Ich machte einen kleinen Abstecher zum Farmers Markt und beschwerte mich über die expansiven Preise der Hotels. Der Mann hatte Mitleid und schenkte mir eine viertel Melone ☀️😀. Auf einer Seite war es ganz gut, dass ich kein Hotelzimmer genommen hatte, da ich so in der Lage war, morgen Vormittag nach Big Lake Camp aufzubrechen und meine neuen Schuhe in Empfang zu nehmen. Ich vertraue ja Amazon und deren schnelle Lieferung. Bevor ich mich in mein Zelt verkroch , schenkte ich einem hilfsbedürftig Mann etwas Wurst und ein paar Riegel 👍. Über meine heutigen sehr kurzen aber guten Entscheidungen war ich höchst zufrieden. Gute Nacht 🐻

Siesters
Melone und Knabbertier

89 Tag 08.07 Crater Lake

schnell war ich aus dem Zelt und auf dem Trail. Sollte ich doch heute Mittag zu meinem ersehnten Restaurantbesuch kommen? Langsam aber stetig zog sich der Weg wie so oft durch das offene Gelände und schraubte sich gelassen in die Höhe. Es war nicht natürliches offene Gelände, auch hier hatte der Feuerteufel in den letzten Jahren zugeschlagen und kaum etwas erfreuliches zurückgelassen. Die Schneeschmelze konnte so den Boden ungehindert platt machen und jegliches Grün dürfte für die nächsten Jahre keine Überlebenschance haben ☹️. Warum ist die Natur so grausam? Wo ist das Paradies geblieben? Am höchsten Punkt legte ich eine kurze Frühstückspause ein, mehr war auch nicht notwendig, da ja das Restaurant am Crater Lake auf mich wartete. Zwei Wege führten am Crater Lake vorbei. Der direkte und angebliche sehr schöne am Lake, dafür brauchte ich ein Permit, welches ich mir umständlich besorgen müsste und den normalen PCT Trail , der einfach und länger am Crater Lake vorbei geführt wurde ☹️. 12:30 Uhr erreichte ich fröhlich die Bundesstraße zum Crater. Da ich keine Lust hatte, die 2,5 Kilometer zu laufen, versuchte ich vergeblich zu hitschen. Wer hält auch für so eine kurze Strecke an☹️. Also lief ich doch noch die kurze Strecke. Nach dem Restaurant wollte ich noch Essen für die nächsten Tage einkaufen und wieder mit vollem Magen verschwinden. Als ich ankam, wurde ich sehr freundlich von drei jungen Mädels empfangen, welche sicher extra für mich organisiert wurden, um allen Hikern und den anderen normalen Gästen mitzuteilen, dass das Restaurant heute für die Öffentlichkeit geschlossen ist ☹️. Das war der Hammer. Ich sagte sehr höflich, dass ich 12 Wochen in der Wildnis unterwegs war um hier einen Burger essen zu können und dann ist das Restaurant geschlossen!!! Alle Aufregung nütze nichts. Der Besuch im Store war dann auch sehr nüchtern, da die Hiker vor mir fast alles leer gekauft hatten, was man so als Hiker benötige ☹️. Nun regte ich mich nur noch künstlich auf, ohne daran etwas ändern zu können. Ein andere Tageshiker sah mir meine Enttäuschung an und sprach mich sogleich an. Er wäre 67 Jahre und ist für 2 Wochen auf dem Trail. Nun wollte er wissen, wo ich herkam und dabei wurden seine Augen im größere. Seine Großmutter stammt aus Leipzig/ Dölzig und hatte sich vor langer Zeit in einen US Soldaten verliebt usw. . Mit schlechter Laune verließ ich den eigentlich schönen Ort, um mich wieder mit der Realität, inclusive der Moskitos auseinanderzusetzen. Nach einem kurzen, aber harten Aufstieg war der weitere Verlauf sehr angenehm. Die Natur zeigte sich wieder freundlicher, da überall genügend Wasser vom Crater Lake hinab floss 👍. Ich überholte einen Dreitageshiker, welcher sehr erschrocken war, da er mit mir nicht gerechnet hatte. Der Typ war richtig lustig. Hatte er doch für drei Tage einen größeren Rucksack als ich für fünf Monate . Ich erzählte von meiner Enttäuschung am Crater Lake und er bot mir sofort an, von seinem Proviant etwas abzugeben 😊. Was er so alles mitschleppte 👀. Schließlich wurde ich neuer Besitzer von ein paar Scheiben Schwarzbrot und einen Beutel Linsensuppe 😊👍. Leider sah ich ihn nicht mehr. Durch den Aufenthalt am Crater Lake schaffte ich nur 43 Kilometer und stoppte den Tag an einer Stelle, wo reichlich Wasser vorhanden, aber fürs Campen ungeeignet war. Man sollte sein Zelt nicht dort aufschlagen, wo viele trockene Bäume stehen, da diese beim geringsten Windstoß umfallen und dich beim Schlafen erschlagen können ☹️. Deshalb suchte ich sorgfältig einen entsprechenden Platz. In solchen Gebieten gibt es in der Regel auch keine offiziellen Zeltplätze, bzw. ist es verboten da zu zelten. Mein Abendessen und Nachspeise ( Schwarzbrot 😊) waren dann doch ein versöhnlicher Tagesabschluss. Gute Nacht 🐻.

ungewöhnlicher Sonnenaufgang
Platz für ein kleines Zelt?
vorbei am Crater Lake

88 Tag 07.07 sind die schönen Tage schon vorbei

Bleib ich lieber noch liegen , oder?? Müde war ich ohne Zweifel, ich lag ja auch direkt an einer Bundesstraße und an diesem reißenden Fluss, aber gestört haben sie nicht wirklich. Dafür haben mich die Moskitos in Ruhe gelassen. Nach der gestrigen Leistung schöpfte ich auch genügend Optimismus für den heutigen Tag ☀️. Alle Hiker, welche gestern Abend an meinem Zelt vorbeikamen, lagen noch in ihren Zelten und träumten bestimmt von einem wunderbaren Tag 😊. Nach einer Stunde Gehzeit, wurde ich hart in die Realität zurückgeschleudert. Von den sanften Anstiegen, den weichen und schattigen Waldwegen, dem vielen Grün war von den letzten zwei Tagen nicht mehr viel übrig. Alles ähnelte sich den Bedingungen wie in Kalifornien. Trockene und verbrannte Bäume, die ständig auf dem Trail lagen und überquert werden mussten, bis auf ein paar Vögel war die Tierwelt nicht auffindbar. Die Sonne und Moskitos trafen ohne Hindernisse auf meine Haut und versuchten an mein süßes Blut zu kommen. Zur Mittagspause hatte ich dann genug und hüllte mich gänzlich in lange Klamotten. Auch das Moskitonetz fand endlich seine Zweckbestimmung. Nun war ich wie eine Mumie eingehüllt, aber mit Essen und Trinken war es nicht mehr so einfach. Die Moskitos nutzten jeglichen noch so kleinen Spalt, um mir ganz nah zu sein 😊. Bis jetzt dachte ich, dass mit den Moskitos sind nur Schauermärchen, aber es war die Wahrheit. Besonders am Abend versammelten sich Hunderte von diesen fiesen Geschöpfen zwischen Innen.-und Aussenzelt und wollten von mir, oder an mir teilhaben 😊. Nach zwei schönen Wandertagen zeigte sich der Trail , dass die Anstiege in Oregon auch steil und lang sein können. Teilweise musste ich immer einmal eine kleine Pause einlegen, um diese Anforderung zu bewältigen. Die positive Seite sollte ich aber auch erwähnen. 1. da oben schwirrten nur wenige Moskitos herum und 2. ich konnte mal wieder weit ins Land hinein schauen 3. danach ging es wieder bergab ☀️😊. So langsam keimte in mir die Hoffnung und der Wunsch, heute Abend in einem kleinen Restaurant am Fish Lake Resort zu sitzen um zwei Burger zu essen und Unmengen an Cola zu trinken. Dafür müsste ich 7 Extrakilometer laufen ☹️. Die Überraschung nahte aber ca. 12 Kilometer vorher. Was ich nicht wusste war, der Trail verlief nun am Rande eines alten Vulkans entlang. Der Untergrund bestand aus großen und kleinen Lavagestein und ließ ein ordentliches vorankommen nicht zu und somit begrub ich meine Wünsche. Außerdem hatte ich ja noch genügend Essen im Rucksack ☹️, wenn nicht wieder die kleinen Nager über Nacht meine Rucksack geplündert haben. Gestern Nacht hatten sie mir von meinen Tortillas 1/3 gefressenen ☹️. Kurz nach 18:00 Uhr und 53 Kilometer beendete ich die heutige Tortur. Gute Nacht 🐻

kein Bienenzüchter

87 Tag 06.07 Trailengel

der Tag fing so an, wie die letzten 80 Tage. 05:00 Uhr war ich wach und 06:10 lief das Uhrwerk 😊. Ob es wirklich läuft, wird sich heute Abend gezeigt haben. Noch schnell zwei Flaschen Wasser filtern und ab in die Natur und den Sonnenaufgang genießen. So stellte ich mir den Trail in Oregon vor, gutes Vorankommen inclusive 👍. Aber etwas läuft nicht richtig zusammen ? Mein Hals kratzte und war ständig trocken ( hängt mit meiner aggressiven Atmung zusammen) und der Husten hatte sich noch nicht gelöst ☹️. Die guten Laufbedingungen konnte ich einfach nicht so umsetzen☹️, wie ich gedacht hatte. Ab und zu kam mir ein Tageshiker entgegen und sonst verinnerlichte ich die Ruhe, welche mich den ganzen Tag begleitete. Nur wenn der Wald richtig ruhig war, auch kein Vogel zu hören war, machte ich mir über diese absolute Stille Gedanken. Lag da eine Gefahr in der Luft? Ich konnte nichts erkennen. Sobald die Vogelstimmen wieder zu hören waren, pulsierte das Leben der kleinen Waldbewohner. Frühstückszeit war schon einige Zeit vorüber und ich freute mich auf das Mittagessen. Ich suchte schon einige Zeit ein geeigneten Platz, als ich kurz vor mir Stimmen hörte. Nur noch eine kleine Kurve und ich erblickte das Schild „ Trailangel „😊. Woran denkt man, wenn man das sieht? , an ein üppiges Essen, Cola, Obst und Gemüse satt😊. Da stand mitten im Wald ein Trailangel und lud mich zum Essen ein 👍. Es war aber enttäuschend ☹️. Eine Dose Cola, zwei Scheiben Tost, mit Marmelade und eine Apfelsine. Besser als Nichts 😊. Da ich damit nicht gerechnet hatte, war es wiederum okay. Die Pause tat mir auch gut. Nun tauchten öfters am Wegesrand Schilder mit Skiläufer darauf auf und das machte mich etwas nervös, denn ich assoziierte damit sofort Schnee. Es stellte sich als haltlos heraus. Was mich sehr wunderte, die Gegend war Grün, und es existierten sogar noch Schneeinseln, aber Wasserquellen waren hier Mangelware. Gegen 18:00 Uhr querte ich eine Bundesstraße, wo ich einen schönen Zeltplatz vorfand und ein reißender Fluss den Berg hinab eilte. Ein Hiker genoss das Bad im Fluss und wir kamen ins Gespräch. Er hat drei Jahre in Hamburg Musik studiert und nebenbei Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt verkauft und deshalb sprach er sehr gut Deutsch. Schenkte mir noch eine Ritter Sport ( Mini) Schokolade und verschwand. Mit einer Selbstverständlichkeit baute ich das Zelt auf und lehnte meinen halbleeren Rucksack an den Baum. Um diese Zeit kamen hier noch einige Hiker vorbei und einer gab mir noch ein Bier 😊. Der Tag war also voller Geschenke 🎁. Nach 56 Kilometer beendete ich den Tag und war etwas erleichtert über das Ergebnis. Gute Nacht 🐻

Sonnenaufgang
alles Grün
Standmitteilung

86 Tag 05.07 vierter Akt endlich Oregon 12 Woche

der vierte Akt hat nun begonnen 😊. Er erstreckt sich von der kalifornischen/ Oregon Grenze bis zur Oregon/ Washington Grenze und ist 650 Kilometer lang. Das ich Kalifornien hinter mir liegen lassen kann und damit den längsten der drei Bundesstaaten von 2721 Kilometern durchwandert habe, ist ein schönes Gefühl und es stellt sich eine innere Zufriedenheit ein. Der Wunsch, Kalifornien abzuhaken war schon groß, war es doch der Bundesstaat mit den meisten unterschiedlichsten Facetten und somit mit dem größten physischen und psychischen Herausforderungen. Oregon hingegen wird etwas nüchtern und dauert nur ein paar wenige Wochen diesen Part zu durchwandern. Heute war ich gewillt auf den Trail zurück zukehren. Zugegeben, so richtig fit und kraftvoll fühle ich mich noch nicht, aber noch zwei Tage im Hostelbett und ich kann mich nicht mehr bewegen. Die Schmerzen im Halswirbelbereich ließen mich letzte Nacht nicht schlafen ☹️. 09:00 verschwand ich, um mit QuickSilver per Hitsch zum Trail zu gelangen. Das gelang ganz gut und ich konnte 09:45 Uhr mit großem Rucksack durchstarten. Der Beginn war entsprechend verhalten. Gleich am Anfang merkte ich, dass heute die Luft für schnelles Laufen nicht ausreichend war und meine Oberschenkel sich wie Pudding anfühlten. Der Trail war zu Beginn etwas rutschig, da er durch den Regen der letzten Tage etwas aufgeweicht war. Ich tauchte in den Wald ab und bekam relativ wenig von der neuen Herausforderungen „Oregon „ mit. Einzig, die Trailführung war für mich nicht so anstrengend und somit kräftemässig verkraftbar👍. Die Natur war plötzlich nicht mehr so traurig. Überall wuchsen irgendwelche Pflanzen und Gräser, die so ein grünes Meer bildeten. Die Bäume trugen hier nun wieder die Farbe Grün und nicht wie in der letzten Zeit Braun oder gar keine Farbe. Waldwege, mit weichem Untergrund waren nun vorherrschend und ideal zum Laufen. Erstmals sah ich so eine Art von Truthahn, welche so ein Geräusch machten wie eine dumpfe Trommel. Als ich diese Töne vor Wochen hörte, dachte ich ja, es wären Bären 😊, aber da wurde ich ja von diesem Irrtum aufgeklärt. Heute konnte ich Pausen und das Tagesende so festlegen, wie ich wollte, da Marco noch im Hostel geblieben war. Wünsche ihm schnelle Genesung ☀️. Mit meinen Schuhen sieht es auch nicht so gut aus. Sie werden nur noch ein paar 100 Kilometer durchhalten☹️. Ehrlich gesagt, war ich sehr überrascht, dass diese sich bereits nach 450 Kilometer stark abgelaufen haben. Nun habe ich Neue bestellt und hoffe diese in Big Lake Youth Camp in Empfang nehmen zu können. Kurz vor dem Zeltplatz überholte ich noch das amerikanische Hikerpärchen, welches zwar nicht so schnell, aber ausdauernd unterwegs ist. Nach 40 Kilometer beendete ich den ungewissen Tag. Gute Nacht 🐻

Oregon ruft
Fernsichtig

82-85 Tag 01- 04.07 Ashland

wir haben gestern Abend noch über den weiteren Verlauf diskutiert. Marco hat einige Probleme mit einer Schienbeinreizung und würde lieber ein paar Tage Pause machen. Mein linkes Fußgelenk könnte auch mal eine längere Pause gebrauchen. So entschieden wir, dass wir heute Früh, nach dem Frühstück direkt nach Ashland hitschen und dort für drei Tage pausieren. Bis dahin waren es über 120 Kilometer ☹️. Nach 10 Minuten warten, nahm uns gleich ein Handwerker bis zur Interstate 5 mit. Damit hatten wir nicht gerechnet, denn es waren immerhin 80 Kilometer. Und nochmals 10 Minuten warten, wurden wir von einem BMW Fahrer bis zum Hostel in Ashland mitgenommen. Besser konnte es nicht gehen👍☀️. Danach ging es zum Kaffeetrinken ins Zentrum. Irgendwie fühlte ich mich nicht so gut, da mein Magen und Kopf sich komisch anfühlten. Ich war froh, wenn ich mich setzen oder ins Bett legen konnte. Über Nacht wurde es auch nicht besser. Am Samstag waren wir fast den ganzen Tag unterwegs, um einige Besorgungen zu tätigen. Für mich war es eine Qual, da mein Unwohlsein zunahm. Ich schleppte mich ins Hostel und verließ mein Bett nicht mehr. Wo und wann ich mir diesen grippalen Infekt eingefangen habe, weiß ich nicht. Ich nahm vorsichtshalber zwei Tabletten, packte mich in meine Decken und versuchte alles herauszuschwitzen. Heute Morgen ( Sonntag) ging es mir schon etwas besser, aber wiederholte die Prozedur mit den Tabletten. Den Sonntag werde ich auch lieber im Bett verbringen. Gut, dass wir noch einen weiteren Tag hier im Hostel gebucht haben, so kann ich mich hoffentlich besser von diesem Infekt erholen. Gestern Abend hatte es richtig stark geregnet und ein heftiges Gewitter zog über die Gegend von Ashland,. Gut das wir nicht auf dem Trail waren und im Zelt schlafen mussten😊. Ashland ist schon eine große, aber niedliche Stadt, in der gerade mehrere Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Shakespeare Festival statt finden. Morgen ist ja auch Feiertag in der USA und überall hängen bzw. wehen die amerikanischen Flaggen. Die Nacht zum Montag habe ich ordentlich geschwitzt und fühle mich schon etwas besser. Mittags besuchte ich die Veranstaltungen zum Unabhängigkeitstag im Zentrum der Stadt. Der Umzug war zwar schon vorbei, aber viele Leute nahmen Besitz von der Innenstadt und ich beobachtete das rege Treiben. Als ich ins Hostel zurückkehrte, war es förmlich von neuen Hikern überrannt. Darunter auch einige bekannte Gesichter. Und morgen soll noch ein Schwung kommen. Ich versuche dann hier zu verschwinden. Marco hat es nun auch erwischt und klagt über Magen.- und grippalen Infekt. Wir versuchten zeitig zu schlafen, was bei dem Trubel und Partylaune der anderen Hiker nicht möglich war. Gute Nacht 🐻

Unabhängigkeitstag
Krank auf dem PCT ☹️
Hostelleben
mein Bett unten links

81 Tag 30.06 Unter 1000 Meilen und ein traumhafter Sonnenaufgang

04:30 musste ich unbedingt aus meinem Schlafsack kriechen 😊( alte Männer eben). Was ich dann zu Gesicht bekam, war eine Wucht 👍☀️. Diesen Sonnenaufgang, mit der Kulisse im Vordergrund, musste ich einfangen. Zum schlafen kam ich dann nicht mehr und bereitete mir mein Frühstück vor. Der Start 06:00 Uhr fiel daher nicht schwer, auch weil die heutige Etappe nur bergab, in Richtung Seiad Valley führen sollte 😊. Es macht gleich zu Beginn viel Spaß den Trail zu laufen. Das Wasser floss aller 100 Meter den Berg hinab und bildete so die Grundlage für ein üppiges Blumenmeer und viele grüne Hänge. Zum ersten Mal, auf den 2600 Kilometern erblickte ich blühende Walderdbeeren, Brombeerfrüchte, Buschröschen und andere Gewächse. Einige Rehe standen auf , bzw. am Trail und beobachteten mein Verhalten. Wenn ich sie nicht groß beachtete, liefen sie ein paar Meter und kümmerten sich nicht mehr um mich. Da ich ja die Berge hinabstieg, konnte ich bereits oft sehr früh den Verlauf des Trails sehen und damit auch die Beschaffenheit des Waldes. Sobald ich ein Stück Wald betrat, welches durch Feuer vernichtet war, begann der Leidensweg über die umgestürzten Bäume und damit der Garant für weitere Schrammen an meinem Beinen ☹️. 10: 00 Uhr war ich für die Frühstückspause bereit, aber ich fand keinen Zugang zum Wasser. Das kleine Flüsschen neben dem Trail war einfach nicht zu erreichen. Irgendwann werden sich die Beiden kreuzen und ich meine Pause machen. Leider dauerte es bis dahin noch 1 1/2 Stunde. Davor musste ich eine Strecke bewältigen, welche total zugewachsen und mit vielen umgestürzten Bäumen versehen war☹️. Um noch einen drauf zu setzen, wurde das Klima in diesem Tal noch tropisch und der Schweiß ran nur so. Langsam reichte es mir mit den Strapazen und hoffte auf normale Bedingungen. Nach 5 1/2 Stunden reichte es mir. Eine Pause musste jetzt sein und fand am Zusammenfluss von zwei Bächlein den idealen Platz. Nach dieser Energiezufuhr und mentalen Aufmunterung setzte ich meinen Weg durch dieses schöne und enge Tal wesentlich energischer und ohne große Fußprobleme fort. Die Trailführung folgte dem kleinen Fluss steht’s etwas oberhalb, so dass zur Überquerung einige Brücken vorhanden waren. Da ich gut unterwegs war, erlaubte ich mir an der letzten Brücke ein kühles Bad. Nun konnte ich sauber und frisch die letzten 16 Kilometer absolvieren. Auf dem angrenzenden Zeltplatz wurde ich noch von drei älteren Herrn angesprochen, was ich so mache😊. Sie staunten und wollten morgen auch ein paar Kilometer auf dem Trail laufen. Ab jetzt verlief der Trail auf der Straße und die Männer in ihrem Auto überholten mich langsam und schenkten mir noch eine Flasche Wasser 👍. Lieber wäre mir gewesen, dass sie mich in ihrem Auto mitgenommen hätten. Leider habe ich nicht gefragt, da ich annahm, es wäre bis zum Ziel nicht so weit. Die 12 Kilometer zogen sich dann auch ganz schön hin. 17:00 Uhr erreichte ich Seiad Valley und stellte mein Zelt auf einen richtigen Zeltplatz, mit Dusche, Küche, Waschmaschine auf 😊☀️. Die Belohnung für den Tag war ein riesiges Eis, ein großes Bier und Kuchen. Danach meldete sich mein Magen und ich verzichtete auf das Abendessen ☹️. Nach 53 Kilometer und nun unter 1000 Meilen (1600 Kilometer) bis Kanada beendete ich den Tag. Gute Nacht 🐻

traumhaft
ein versteckter Fluss
Grundreinigung
Mein Trail

80 Tag 29.06 11 Wochen auf dem PCT

bevor es wieder auf dem PCT ging, gab es noch in Etna ein Abschiedsfrühstück☀️. Mit vollem Magen und ein Lächeln im Gesicht, versuchten wir ein geeignetes Auto anzuhalten, welches uns zum PCT Einstieg bringen könnte. Aber die Straße blieb in dieser Richtung leer ☹️. Nach 10 Minuten hielt überraschenderweise eine nette ältere Dame an und war sofort bereit uns zu fahren 👍. So konnten wir zwar nicht wie gewohnt 06:00 Uhr starten, aber immerhin schon 09:00 Uhr 😊. 40 Kilometer sollten es heute noch werden. Die theoretische Planung basiert in der Regel auf den Kennzahlen der PCT App und berücksichtigt die Entfernung, sowie die Höhenmeter. Erst wenn wir auf dem Trail sind, können wir einschätzen, ob die Annahme , oder der Wunsch realisierbar ist. So zum Beispiel: liegen Bäume oder Schnee auf dem Weg, ist der Untergrund gerade,fest, steinig , regnerisch oder sehr warm, durch Buschwerk ziemlich zugewachsener Weg usw. Und sehr wichtig , wie sind wir drauf 😊. Gleich zu Beginn meldete sich mein linkes Fußgelenk mit deutlicher mehr Schmerzpunkten als in den vergangenen Tagen ☹️, so dass ich das Tempo etwas herausnahm . Warum es mehr schmerzte als sonst, weiß ich nicht. Die heutigen Temperaturen waren in den Höhenlagen ganz verträglich. Keine Wolke oder Anzeichen von Regen in Sicht. Gleich zu Beginn wurden wir, mit vollem Magen und Rucksack mit einem Anstieg belohnt. Es sollten aber noch drei solch gemeine Anstiege folgen, um unseren Kräfteverschleiss zu beschleunigen ☹️. Für die Natur hatte ich wenig Zeit, da ich jeden Schritt sorgfältig setzen musste, was natürlich nicht gelang. Immer wieder bleib ich an einem Stein, Ast oder an den Stöcken hängen, was für die Fußgelenke nicht von Vorteil war. An der ersten Wasserstelle überholte ich das czechische Pärchen, (wieder einmal) mit denen ich mich immer gern unterhalte und ließ meinem Körper genügend Wasser zukommen. Das Mädel (Klara) ist vor drei Wochen gestürzt und läuft seit dem mit einer geschienten Hand. Respekt 👍. Ab nun ging es für mich etwas schmerzfreier weiter 😊. War da was unerklärliches im Wasser? Auch den nächsten schwierigen Anstieg meisterte ich recht ordentlich. Mittlerweile befand ich mich auf einer Höhe von ca 2000 Metern und einige Gipfel trugen noch Schneekappen, welche durch die massive Sonneneinstrahlung schmolzen und die Gegend durch die vielen Bächlein unter Wasser setzen. Die Natur war darüber sehr dankbar und ließ das neue Leben zu. Überall wuchsen die Pflanzen mit voller Kraft in die Höhe und setzten bunte Zeichen entlang des Trails. 14:00 traf ich Marco zu unserer heutigen einzigen Pause. Wir vereinbarten, dass wir den Tag in 18 Kilometern, auf einem schönen Platz beenden wollen. An dem letzten Anstieg, an einer kleinen Wasserstelle traf ich auf einen Schmetterlingsfänger( 67 Jahre), welcher sehr erschöpft aussah ☹️ und wir kamen ins Gespräch. Er wollte vor zwei Jahren den PCT laufen, aber Corona kam dazwischen und nun geht es nicht mehr, da er in dieser Zeit sehr zugenommen hatte😊. So langsam freute ich mich auf das Abendessen und erreichte den Ort gegen 17:00 Uhr. Aber außer 4 Rehe war kein Hiker zu sehen ☹️. Auf dem Boden erblickte ich eine Info von Marco, dass ich drei Kilometer ( bergauf) weitergehen sollte. So schlecht fühlte ich mich noch nicht und folgte der Aufforderung. Der Campingplatz war wirklich gut gelegen und wir hatten einen tollen Blick auf die andere Seite der Bergwelt ☀️. Der Kontrast konnte nicht größer sein. Im Rücken des Platzes war der Hang noch mit einer dicken Schneedecke (100 Zentimeter) bedeckt und die andere Seite strotzte vor Grün. Nach 43 Kilometer und Abendessen im Zelt ( Moskitos), war Schlafenszeit . Gute Nacht 🐻

Etna
was könnte das sein?
umgestürzte Bäume ☹️
Abendessen im Zelt
ohne Worte

79 Tag 28.06. Etna

schnell, ohne Frühstück ging es 06:00 Uhr 12 Kilometer in Richtung Etna. Am höchsten Punkt wurden wir von einer Schneebarriere überrascht, welche ohne größere Probleme überwunden werden konnte 👀. Nach 2 Stunden erreichten wir dann den Parkplatz zur Straße, wo vielleicht 5 Autos am Tag vorbei kamen. Zwei Hiker warten bereits auf eine Mitfahrgelegenheit. Nach 5 Minuten hielt eine junge Frau mit ihrem Auto an, das wahrscheinlich älter war als sie und nahm uns Vier mit. Die Fahrt war sehr rasant, da es in Serpentinen gen Etna ging und ich den Eindruck hatte, dass die Bremsen das nicht überstehen. Die Sonne blendete massiv und ich zumindest konnte in den Kurven nicht erkennen, ob ein Auto von vorn kam. Die Reifen quietschen lustig, aber es ging alles gut 👍😊. Das Städtchen lag noch sehr verschlafen da, als wir zum Frühstück eintrafen. Danach hieß es Zelt im Stadtpark aufbauen, duschen, einkaufen und Abends ins Restaurant. Hier spielte sogar ein Band. Ich schleppte mich dorthin und hatte eigentlich keinen Appetit und Durst ☹️. Na gut, einen Burger kann ich ja essen und ein Dunkels Bier trinken. Ich hatte mich ja schon über zwei Wochen auf ein frisch gezapftes Bier gefreut ☀️. Nach dem Essen fühlte ich mich sichtbar besser, aber das Bier schmeckte nicht. Eine andere Hikergruppe gab noch ein zweites Bier aus, was ich aber dann ablehnen musste. 21:00 Uhr war Nachtruhe 😊. Morgen Früh geht es dann weiter in Richtung Ashland und damit in den Bundesstaat Oregon. Euch viel Spaß und eine gute Zeit. Gute Nacht 🐻

Schneebarriere
warten auf eine Mitfahrgelegenheit
endlich Pepsi
unsere Hikergruppe

78 Tag 27.06 keine Vorfälle

ausschlafen gibt es nicht 👍. Wir verschwanden leise vom Zeltplatz und niemand kam auf die Idee, dass hier letzte Nacht zwei Hiker verweilten, da wir keine Spuren hinterließen 😊. Die Morgenstunden, von 06:00 – 10:00 Uhr waren immer die angenehmsten, da wir noch von der Kühle der Nacht profitieren und dadurch bereits viele Kilometer absolvieren konnten. Das Streckenprofil stellte sich als sehr durchwachsen heraus und wechselte oft zwischen Auf.- und Abstieg (1600 auf und 1500 ab) was sich vor allem im Energieverbrauch bemerkbar machten, 5750 kcal musste ich für den ganzen Tag bereitstellen. Ich glaube nicht, dass ich diese durch das Essen von vielen Energieriegeln, Tortillas mit Wurst und Käse und m&m‘s ausgleichen konnte. Es ging weiterhin durch duftende Wälder und der Sonne ausgesetztes Gelände. Unten , in den tiefen Tälern sammelte sich das Wasser und bildeten so viele kleine unberührte Seen. Wenn ich weit oben, unterhalb der Gipfel marschierte, hatte ich in der Regel frei Sicht auf viele entfernte Bergkämme, die teilweise noch mit Schnee bedeckt waren und somit keine Gefahr für mich bedeuteten. Mehrmals betrat ich heute wieder regelrecht verbrannte Erde 😊. Ob es im letzten Jahr war , oder davor, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls waren ein paar Hektar Wald verbrannt und die Erde schwarz, bzw. lag noch richtig Holzasche auf dem Trail,welche durch mein Laufen in die Luft gewirbelt wurde. So muss es nach einem Atomschlag aussehen. Kein Leben weit und breit ☹️. Nur die Wasserquellen, welche vorher an verschiedenen Stellen sprudelten, flossen fröhlich den Berg hinab, als ob nichts gewesen wäre 👍. Nur dort am Rande, entwickelte sich so etwas ähnliches wie Lebensfreude 🌲. Nicht nur das Feuer hatte hier gewütet, sondern auch heftige Winde, welche die trockenen Bäume oft quer über den Weg warf und so ein zusätzliches Hindernis bildete. In manchen Fällen waren die Stämme so dick, dass ich mir Gedanken machen musste, wie ich diese ohne Verletzung überwinden konnte. Habe es nicht ohne neue Kratzer geschafft ☹️. Da es vom letzten Zeltplatz bis zur nächsten Stadt ca. 65 Kilometer waren, beschlossen wir noch heute Abend auf dem Trail zu schlafen und erst morgen Früh nach Etna zu hitschen. Bevor wir aber unsere Zelte aufbauen konnten, stand uns noch ein scharfer Aufstieg unter den Augen der Sonne bevor. Stepp bei Stepp erreichte ich nach 1/2 Stunden den Top und konnte nun etwas entspannter den Weg mit den vielen über den Weg liegenden Bäumen in Angriff nehmen. Oft befanden sich unterhalb des Trails viele größere grüne Wiesen , die meine Augen besonders beobachteten, um vielleicht doch einen der 3 bis 4 tausend lebenden Bären in Kalifornien zu erblicken 👀🐻. Vergebens ☹️. 17:00 erreichte ich den Zeltplatz, gelegen am Ufer eines wunderschönen Bergsees. Dieser lud mich förmlich zum sofortigen Baden ein. Erst danach stellte ich das Zelt auf und richtete mir das Abendessen an. Da wir morgen in Etna zu Gast 😊 sind, futterte ich so ziemlich alles auf, was essbar war. Nach 52 Kilometer ging auch dieser Tag zu Ende. Gute Nacht 🐻

Freie Sicht
Sonnenaufgang Mosquito Lake Outlet
ideal zum Baden Paynes Lake

77 Tag 26.06 sind 50 Kilometer normal ☀️

hatte der gestrige Tag soviel Energie gekostet?, dass ich nur schwer in Schwung kam ☹️. Nein, meine alten Glieder haben sich über Nacht gut akklimatisiert und waren für den heutigen eher leichteren Tag bereit. Nach dem Einlaufen, kleiner Anstieg, war meine Einstellung, heute hatte ich „Bock zu Laufen „😊. Im Mittelpunkt stand immer noch der Mt. Shasta ☹️. Ich konnte mich einfach nicht von diesen mystischen Ort entfernen. Der Anblick war ja erhaben, aber ich hatte eben das Gefühl, dass er mich nicht aus seinem Bann entlässt. Da es vorwiegend bergab zeigte, kam ich sehr zügig voran und war zur Mittagspause schon bei 40 Kilometern👍. Damit ich keinen körperlichen Einbruch erlitt, schöpfte ich an fast jeder Wasserstelle einen Liter oder mehr Wasser. Durch die Hitze war es auch notwendig. 14 Kilometer vor unserem geplanten Zeltplatz kamen wir auf einen Parkplatz, Highway 3 und gleichzeitig ein Campground an, wo ein Haufen Rucksäcke und entsprechend viele Jugendliche sich in einem großen Kreis aufgestellt hatte, um sich gemeinsam für die nächsten zwei Wochen Mut einzuprügeln. Ich sprach mit ein paar Verantwortlichen, um was es hier gehe und sie meinten, es ist die Vorbereitung zu einem Trail 👍(Hatte ich ja gestern schon geschrieben) und ob sie uns helfen können. Ja, mit Eiscreme und oder Bier 😊. Das zwar nicht, aber wir bekamen eine Apfelsine 👍☀️. Nennenswerte und auffällige landschaftliche Erscheinungen konnte ich heute nicht feststellen ☹️. Ich freute mich nun auf den größeren Bach, welcher vor dem Zeltplatz sich den Berg hinabstürzte und zumindest zum waschen 🧼 einlud und auf ein ausgiebiges Abendessen, Rahmen- Nudeln mit Beefgeschmack und viele m+m,s. Auf dem Campingplatz waren bereits zwei Hiker, welche vorschriftsmäßig ihr Essen an einer Leine am Baum festmachten😊, wegen den Bären 😊. Innerlich musste ich zwar schmunzeln, aber, wenn man das erste Mal auf einen Trail ist, befolgt man alle Hinweise 👍. Gegen Mitternacht knackte es wirklich mehrmals im Unterholz, aber es war nichts zu sehen 👀. Das Bad im Flüsschen war sehr aktivierend für Körper, Geist und Seele. Nach 58 Kilometer Fußmarsch nicht zu verdenken 💪👍☀️😊. Mittlerweile absolvieren wir jeden Tag ca. 50 Kilometer und mehr, egal, ob kleine oder größere Anstiege, steile Abstiege ( nicht gut für Knie und Oberschenkelmuskel), umgestürzte Bäume die wir überwinden müssen, oder steinige Wege, die unseren Fußgelenken sehr zusetzen. Das freute mich, anderseits frage ich mich, wie lange hält mein alter Körper das durch. Was soll erst in Origon passieren, wo man bekanntlich auf Grund des relativ flachen Streckenverlauf solche Strecken absolvieren kann ☹️. Werden es dann 60 Kilometer pro Tag!??. Dort soll aber noch teilweise Schnee liegen, juhu 😗. Gute Nacht 🐻