Wie die Ruhe in Person stand ich vor der Bäckerei und hoffte, dass sie pünktlich 07:00 Uhr öffnete und mir, dem Vielfraß 😊 die leckeren Croissants feilboten. Marshall und ich besprachen dabei nochmals den heutigen Ablauf. Er hatte sich letztendlich dazu entschieden, mit mir bis zur kanadischen Grenze zu laufen und erst dort würden sich unsere Wege trennen. Ich glaube, sehr selten laufen NOBO‘s mit SOBOS‘s gemeinsam in die gleiche Richtung 😊. Für mich wäre ja dann Finish und er würde sich in Richtung mexikanische Grenze quälen. Da wir ja gestern bereits die Strecke von Two Medicien hier nach East Glacier zurückgelaufen waren, wollten wir nun mit Sack und Pack nach Two Medicine hitschen. Ein Hiker sprach uns an , ob er uns bis dahin mitnehmen sollte. Dem hatten wir nichts einzuwenden. 20 Minuten später marschierten wir fröhlich und voller Tatendrang in die Ranger Station um endgültig unseren Weg durch den Glacier Nationalpark abzustecken. Leider waren doch noch zwei Abschnitte gesperrt. Den notwendigen Umweg werden wir dann wohl laufen müssen.

08:45 Uhr war der ultimative Startschuss zum letzten Abschnitt 😊🍀, der gleich mit einem River Crossing begann, da der heftige Regen vor zwei Wochen die Brücke beschädigt hatte.

Das heutige Wetter bot uns Sonne satt an und war mitverantwortlich, dass wir frohgemut und professionell den langen Anstieg bis auf 2400 Meter meisterten. Die erste Hälfte des Anstiegs schützte uns der kühle Wald und über die Waldgrenze hinaus der frische Wind vor den stechenden Sonnenstrahlen😊. Je höher wir kamen, umso eindrucksvoller bohrten sich unsere Blicke in die famose Landschaft und das was die Natur hier so über Jahrtausende hinweg geschafft hatte. Öfters als sonst legten wir einen Stopp ein, um diese natürliche Show zu verinnerlichen. Es war uns bewusst, daß das was wir hier sahen und erlebten ein Geschenk und gleichzeitig ein Privileg in unserem Leben bedeutete. In diesem Moment schweiften meine Gedanken unwillkürlich hinüber zu meiner anderen Mission. Bis dato werden wohl die an Demenz erkrankten Kinder niemals diese Momente erleben dürfen und das macht mich sehr traurig. Nicht nur die Eltern der betroffenen Kinder, auch die NCL Stiftung, meine Traillower, Andreas Helbig den Wackelturm Bezwinger, ich der Truewood 🐻 und nennen möchte ich auch unbedingt den Jan Hähnlein & Friends die mit ihrem unermüdlichen Engagement für eine Zukunft ohne Kimderdemenz kämpfen.

Gegen Mittag erreichten wir bereits den Gipfel und waren total gefälscht. Ich stand nur mit offenen Mund und weit aufgerissen Augen da, aber die Realität holte mich sofort ein. Das folgende Video zeigt warum😊.
Links und rechts, vor und hinter mir streckten die Berge ihre Gipfelspitzen in den Himmel, tief unten säumten sie tiefblaue und eiskalte Seen ein. Die drei Elemente, Himmel, Wasser und Erde versuchten hier eine Balance untereinander herzustellen, wozu sie auf den Baumeister „ Mensch“ lieber verzichteten.


Der heutige Tag war jetzt nicht so anstrengend, da wir nur 25 km bis zum nächsten Campingplatz benötigten und wir deshalb einen Gang zurück schraubten und uns auch etwas Zeit zum Blödeln nahmen.

Preisfrage : was ist das

Es dauerte nicht lange und wir tauchten wieder im Tal in ein Waldstück ein.

Nach geraumer Zeit kam uns eine Hikerin entgegen und informierte uns, dass in der Nähe ein Grizzlybär unterwegs wäre. Und gerade hatte ich noch gedacht, wir treffen hier überhaupt keinen Pelz😲. Plötzlich stoppte Marshall und zeigte in Richtung des Flusses. Ca. 20 Meter vor uns erhob sich ein junger Bär aus dem Dickicht neben dem Trail. Er war schlank und sah etwas gerupft aus😲, er hatte gerade ein Bad im Fluss genommen. Wir gingen langsam noch ein paar Schritte, um die Situation zu beobachten und überlegten, was wir nun tun sollten und brachten sicherheitshalber unser Bärensprays in Position. Marshall war der Meinung, wir schmuggeln uns langsam vorbei, ich dagegen bevorzugte einen kleinen Rückzug, da unsere Position nicht gerade ideal war. Links ging es steil bergauf und rechts war der tosende Fluss, also keine Chance zu entkommen. Wir verhielten uns so wie es im Video gezeigt wurde. Wir klatschen in die Hände, riefen alles mögliche,“Bär hau ab“, pfiffen laut usw. Ich erinnere mich, dass ich noch eine Pfeife gekauft hatte. Hol die raus und pfiff unaufhaltsam. In dem Moment taucht aber die Mama aus dem Dickicht auf, Langsam hob sie ihren riesigen Kopf und schaute uns belanglos an.

Langsam und sicher vergrößerten wir den Abstand zwischen uns auf ca. 35 Meter. Die Bären blieben an ihrem Platz und ließen sich nicht von uns stören. Sah eigentlich so aus, als ob sie in Ruhe einen Fisch verspeisten. Wir verstärkten unsere Geräusche und staunten nicht schlecht, als noch ein dritter Kopf sich aus dem Dickicht erhob. Eine Grizzlybärmama mit zwei ca. 1,50 Metern großen Kindern.

Wow, das kann gefährlich werden. Wir erkannten keine aggressiven Aktionen, eher waren wir für sie uninteressant. Nach 30 Minuten setzten sie sich endlich in Bewegung, sicherlich gingen wir der Bärenfamilie dermaßen auf dem Wecker, das sie sich langsam verabschiedeten. Wir wagten uns unter viel Geschrei und schrille Pfeiftöne langsam nach vorn und stellten fest, dass sie wahrscheinlich im Dickicht verschwanden.
10 Minuten waren wir sehr sehr vorsichtig, bis ich der Meinung war, es ist vorbei 😊. Wir liefen jetzt wieder ganz normal weiter. Die Situation war jetzt nicht total ängstlich, aber wir waren sehr sehr vorsichtig und nicht provozierend. Vielleicht war das auch der entscheidende Moment, dass das gut ausging. Wenn die Bärin uns attackiert hätte, wäre es nicht ganz so gut für die alten Kerle ausgegangen. Für mich war das sehr aufregend und erste später konnte ich mich etwas über dieses einzigartige Zusammentreffen mit Grislibären beruhigen. Relativ früh kamen wir am Zeltplatz an und schliefen erst einmal eine Stunde, bevor wir das Abendessen vorbereiteten. Danach steckten wir alles was essbares war in meinen Bärbeutele und hängten ihn an ein Gerüst, was extra hier aufgestellt wurde.

Es war insgesamt einer der schönsten Tage auf dem gesamten Trail, von der Natur, der Wildnis und dem Zusammentreffen mit der Grizzlybärfamilie😊. Das wird einige Kratzer in meinem kleinen Gehirn zurücklassen, sodass ich mich sehr oft an diese Geschichte erinnern werde.

Gute Nacht
Euer Udo 🐻
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