Ich hatte mich für -im Haus auf dem Fußboden in meinem Kuschelschlafsack zu schlafen entschieden. Niemand von den sechs anderen Hikern schnarchte, pupste oder hatte Angstträume😊 vom bevorstehenden Trail in Richtung mexikanische Grenze. Ich war der einzig Glückliche, der diesen Weg bereits hinter sich hatte und wusste, welche Strapazen, tolle Erlebnisse, gefährliche Momente und atemberaubende Wildnis auf sie warteten.

07:00 Uhr hüpften ich mit dem Amerikaner „Marshall“ in die Bäckerei und verschlang zwei Cinnamon Rolls und Blätterteig mit Schokofüllung (eigentlich zu wenig). Der Bauch war voll, aber dafür brauchte ich heute keinen Rucksack mitzunehmen. Zur Two Medicine Ranger Station ging’s so auf der Straße zügig voran, bzw. nahm uns später ein Auto mit. Zurück wollten wir dann auf dem Trail über die Berge laufen. In der Station äußerten wir unseren geplanten Weg durch den Nationalpark und buchten die entsprechenden Zeltplätze dazu, denn es ist aus Sicherheitsgründen ausschließlich auf diesen vorgegebenen Plätzen zu zelten. Durch die starken Regenfälle der letzten Wochen, waren noch einige Trailabschnitte gesperrt, so dass wir gezwungen waren Alternativrouten zu laufen. Zum Schluss mussten alle noch sicherheitshalber ein 15 minütiges Verhaltensvideo anschauen 🐻. Jetzt durfte wir den Glacier Nationalpark durchwandern😊.

Der Ort ,Two Medicine, war schon das erste Aushängeschild für die Einzigartigkeit des Parkes. Ein tief dunkelblauer See zwischen zwei emporragenden Bergen fristete hier mit Sicherheit schon mehrere tausend Jahre sein Dasein und faszinierte jeden Besucher, ob Klein oder Groß. Er wurde mit eiskalten Gletscher.-bzw. Schmelzwasser gespeist. Von Gletscher war allerdings nichts mehr zu sehen. Einen imposanteren Blick über den brav daliegenden See erhielten wir dann nach 665 Höhenmeter, am Ende des Aufstiegs.


Nicht nur das, ein gigantischer Rundblick über dieses Gebiet wurde uns kostenlos dargeboten. Auf der einen Seite der Fernblick auf die Bergkette und auf der anderen Seite auf das unendliche Tiefland von East Glacier.

Und auf dem höchsten Punkt erwarteten uns bereits sehnsüchtig behäbige Murmeltiere und flinke Tamias (kleine Streifenhörnchen) in der Hoffnung einige Leckereien zu ergattern.


Hier oben verweilten wir einige Zeit, ich mit meinen Gedanken in Richtung kanadische Grenze und Marshall in Richtung mexikanische Grenze. Der einzige gewaltige Unterschied lag darin, ich hatte nur noch 160 km und Marshall gerade noch 4700 km vor sich. Er dachte in diesem Moment bestimmt: oh der Glückspilz 🍀und ich dachte sicher: du arme Socke 🧦. Wir schauten uns nur stillschweigend und in den Armen liegen an, ohne unsere Gedanken öffentlich zu äußern😊👍.

Die letzten 10 km bergabwärts, bis East Glacier war dann nur noch eine Formsache. 16:15 Uhr war unser Hunger so groß, dass wir sofort den Mexikaner überfielen, welcher leider erst 17:00 Uhr bereit war uns zu empfangen. Diese 45 Minuten warten, war für uns die heute die größte Herausforderung 😲. Danach hieß es noch etwas Proviant einkaufen und die Klamotten für morgen früh vorzubereiten. Die heutige Wanderung gab schon einmal den richtigen Vorgeschmack auf die letzten 160 km💪. Noch erkannte und spürte ich die Tragweite dieser 160 km, bzw. die kommenden 4,5 Tage nicht wirklich.
Alles in mir war noch im Trailrhythmus und ich hegte auch keinen Gedanken daran, dass die tägliche Routine ( fünf Uhr aufstehen, sechs Uhr loslaufen, elf Uhr Mittag, fünfzehn Uhr Imbiss, neunzehn Uhr Abendessen und irgendwann mal einschlafen) in 4,5 Tagen vorbei sein sollte. Was für ein komischer Gedanke, aber ich freue mich wirklich schon auf das Ende des Trails und es reicht ja auch für den alten Mann 🐻. Ich nehme euch auf alle Fälle noch mit auf die paar abschließenden Kilometer bis Chief Mountain.

Heute lief ich mal in die verkehrte Richtung und war für einen Tag ein SOBO, hatte aber nicht vor wieder bis zur mexikanischen Grenze zu laufen 😏.
Gute Nacht 🌙
Euer Truewood
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