Die Ameisen und Bären hatten mich friedlich schlafen lassen. Ich packte nun die Sachen die noch übrig geblieben waren und machte mich auf dem Weg zur Benchmark Ranch.

Bis dahin bestand für mich keine große Herausforderung mehr und letztendlich waren es läppische 7 km. Das hätte ich sicherlich noch gestern Abend laufen können, aber ich hatte kein Gefühl für die Entfernung. Umso mehr war ich erstaunt, dass ich bereits 10:00 Uhr am geplanten Ort stoppte und zur rechten Zeit meine Sehnsucht auf ein energiereiches Frühstück erfüllen könne. Doch plötzlich war mein Plan nichts mehr wert, alles lief total unkontrolliert aus dem Ruder. Eine übereilte sofortige Entscheidung musste ich treffen! Ein Auto mit zwei Freundinnen 😲 hielt und verwickelten mich absichtlich in ein Gespräch. Im ersten Moment verstanden ich zwar nicht so richtig was sie von mir erwarteten. Der eindeutige Wunsch war es, mich in guter Absicht ins Auto zu zerren 😏. Ganz so dramatisch war es leider nicht! Sie wollten wissen, ob sie mich nach dem Absetzen der einen Freundin auf dem Trail mit zurück nach Augusta nehmen sollten. Eigentlich wollte ich erst morgen in das 43 km entfernte Augusta hitschen, aber bekäme ich da auch so schnell eine Mitfahrgelegenheit und frühstücken kann ich ja auch dann dort. Ich stimmte dem Vorschlag unvermittelt zu und hatte automatisch ein Problem weniger. Unterwegs brauchte ich nicht viel zu erzählen, da die Frau mich intensiv unterhielt. Darin bestand auch immer der große Unterschied zwischen einem Hitsch mit Frauen oder Männern 😊. Sie setzte mich am Restaurant, mit Bar und Zeltplatz ab und ich konnte mich endlich dem Frühstück widmen. Für zwei Tage buchte ich den Zeltplatz um mich von den letzten drei wunderschönen Trailtagen zu erholen.

Meine Villa war schnell an einem kleinen Bach aufgebaut und die Klamotten in der Sonne zum Trocknen aufgehängt. Plötzlich stolzierte wieder eine Frau auf mich zu und übergab mir einen Schokoriegel mit ihre Telefonnummer darauf. Natürlich nicht für einen Date☹️, sondern sie war ein Trailangel und brachte drei Hiker auf den CDT Trail. Sie würde mich in zwei Tagen abholen können und nach East Glacier fahren. Nun sah ich wiederum meine Chance den heutigen Plan das zweite Mal umzustoßen und klärte mit ihr ab, wenn sie von der Benschmark Ranch in 3 Stunden zurück kommt, fahren wir gleich nach East Glacier. Ich pfiff auf den bereits bezahlten Zeltplatz, baute meine Villa wieder ab und verstaute den ganzen Krempel in meinem Rucksack. Innerhalb von drei Stunden änderte sich meine Planung für die letzten Tage auf dem Trail komplett und von Ausruhen war keine Rede mehr. Aber in East Glacier würde ich dann drei Tage Pause einlegen. Es fühlte sich an, wie ein Fünfer im Lotto ohne Zusatzzahl👍. So sparte ich mir bereits 4 Tage Herumbummeln☀️. Da die letzten Tage schon sehr vielversprechend verliefen, gab diese neue verrückte Konstellation nochmals einen Motivationsschub in meiner Birne. Ja, ich wollte jetzt unbedingt die kanadische Grenze in einem Ritt erreichen. Außerdem entschärfte ich so das Risiko Grizzlybär.- u. blow down ( Windbruch) Gebiete für mich, denn täglich traf ich Hiker dir mir von Bären, bzw. von den sehr mühseligen und kaum passierbaren Stellen mit den vielen umgefallenen Bäumen berichteten.

Und ehe ich mich versah, stand ich vor einem Hostel in Esst Glacier 😊👍.

Unterwegs nahmen wir noch zwei Hiker einer anderen Art mit. Diese waren mit aufblasbaren Kanus auf sehr imposanten und verschwurbelten Wildwasserwegen unterwegs. Sehr abenteuerlich. Eigentlich wollte der Trailangel 100.-$ für die Fahrt, winkte dann aber ab, trotzdem war es mir 50.- $ wert.

Der Tag wartet aber immer noch mit Überraschungen auf, was ich langsam als unheimlich empfand, oder ist es heute mein Glückstag und ich merkte es erst jetzt ? Es handelte sich um eine sehr einfache Unterkunft, mit super großen Küche, einem Duschraum und ich konnte mich für ein Häuschen, Zeltplatz im Garten oder einfach in der Hütte auf dem Boden zu schlafen entscheiden. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich hier zwei Hiker auf, der eine war in Deutschland geboren und der andere lernte in der Schule deutsch 👍. Das erleichterte mir die Vorbereitungen für den letzten Abschnitt durch den Glacier Nationalpark, wofür ich einige Genehmigungen für die Zeltplätze benötigte. Beide waren SOBO‘s und wollten übermorgen von der kanadischen Grenze aus nach Süden laufen 💪. Von ihnen hatte noch keiner einen Kilometer auf dem CDT zurückgelegt. Mit Marshall (56) kam ich relativ schnell ins Gespräch und vereinbarten dass wir morgen früh bereits zur 16 km entfernten Ranger Station laufen, um die notwendigen Genehmigungen zu kaufen. Das kam mir total entgegen, verhinderte jedoch nochmals meine dreitägige Pause in dieser Stadt, aber wofür ich eigentlich 6 Tage plante erledigte sich fast selbstständig innerhalb von 2 Tagen 😊. So könnte ich gemeinsam mit Marshall entspannt die letzten 160 km bis zur kanadischen Grenze laufen und muss mir keinen Kopf machen, wie ich das alles auf die Reihe bekomme. Es ist auch ein beruhigendes Gefühl nicht alleine durch das Grizzly-Gebiet zu laufen. Für den Abend kaufte ich mir eine riesige Portion Bacon, brutzelte diesen sehr krossig und genoss jedes Stückchen. Der Tag war aus der logistischen Perspektive super gelaufen und somit konnte ich mich mit voller inneren Freude auf das Trailende und somit gleichzeitig auf das Triple Crown konzentrieren. Und wenn meine mit dem Trail verbundene Spendenaktion auch noch sehr erfolgreich, natürlich nur mit eurer Unterstützung wird, dann wäre der CDT für mich und der NCL-Stiftung ein voller Erfolg😊.
Zur Erinnerung 👍
Einige werden nun sagen, auch das wollte ich ja auch schon längst getan haben 😏.
https://www.ncl-stiftung.de/helfen/engagement/spendenaktion/?cfd=le2nu
Ich bedanke mich für den tollen Tag bei allen Beteiligten 🐻
Gute Nacht, euer sehr zufriedener Truewood
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