Spät in der Nacht erreichten noch Hiker den Campground und ich fragte mich, warum man um diese Zeit noch auf dem Trail sein müsste, gab es nicht früher genügend Gelegenheit einen geeigneten Platz zu finden? Nur weil ich Nachts ungern laufe, müssen andere das ja nicht tun 🤔. 06:00 Uhr kam die japanische Hikerin zu mir um sich unbedingt zu verabschieden. Sie war ein richtig freundliches Menschenkind👍.

Bis zur Benschmark Ranch trennen mich nur noch 60 km, also nur ein Katzensprung. Dann plane ich eben lieber noch ein Nacht im Zelt ein. Genügend Essen hatte ich ja dabei . Ich machte mich gleichfalls auf den Weg und hoffte auf eine ähnlich herausfordernden, als auch wunderbaren Tag wie gestern.

Was beflügelte mich nur in den letzten Tagen die tägliche körperliche Belastung als nicht so anstrengend zu empfinden🤔. War es die fantastische Natur, die Einsamkeit, meine gefestigte psychische und physische Belastbarkeit, die tägliche Routine, das Wissen mich kann nun nichts und niemand mehr bis zur kanadischen Grenze aufhalten ?? Ein Mix aus allem war die Antwort🐻.
Ich sah es nicht mehr als Qual an, mich täglich die Berge hochzuschrauben um mich auf der anderen Seite wieder hinab zu stürzen, eher verweilte ich lieber einige Minuten länger auf den Gipfeln und saugte diese Einmaligkeit in mich großzügig hinein.


Auch heute gratulierten mir bereits die entgegenkommenden Hiker, was ich entschieden zurückwies. Aber die vorauseilende Hochachtung und Wertschätzung bald ein Finischer, mehr noch, sogar ein Tribble Crowner zu sein, machte mich bereits stolz. Ich hatte nur noch Tage vor mir, sie dagegen Wochen der Freude und des Leidens☀️. Der heutige Abstieg ins Tal war sehr speziell, sehr lang, steil und nicht endet wollend, dafür aber sehr schön beruhigend bzw. ergreifend. Ein älterer Hiker berichtete mir über eine besondere Begegnung mit einem aggressiven Grizzlybär, der seinen geplanten Angriff doch noch im letzten Moment abblies und im Wald verschwand. Mein Bimmelbär bewahrte mich ja bis dato vor solchen Situationen 💪. Meine Gedanken über eine mögliche Begegnung mit solch einem 2,50 großen, ca. 500 kg schweren und bis zu 15 cm langen Krallen Koloss

kreisten für einige Zeit in meinem Kopf herum und bekam deshalb nicht mit, dass ich bereits die letzten beiden Anstiege bewältigt hatte und mit Volldampf am immer größer und kraftvoller werdenden Dearborn River ins Tal rannte. Ein Sprung ins Wasser war dabei unvermeidlich.
Hier wollte ich dann nach 45 km, meine Villa aufbauen und morgen bis zur Benschmark Rang auf dem schönen Straight Creek Trail laufen. Leider fand ich keinen geeigneten Platz für mein Vorhaben. Also lief ich bereits frisch und munter die schöne sehr leichte alternative Variante.

Auch hier war es schwer einen geigenden Zeltplatz zu finden, dieses Mal nicht wegen Wassermangel, sondern das Gebiet gab es nicht her. Nach weiteren 8 km reichte es mir und richtet einen halbwegs stabilen Untergrund für mein Zelt her.

Die vielen Ameisenhügel herum beunruhigten mich weniger, aber warum waren etliche größere Steine umgekehrt und wer hatte dieses Werk vollbracht? Befand ich mich bereits in der Bob Marshall Wilderness, also im Bärengebiet? Die Bestätigung bekam ich dann am folgenden Tag. Unter den Steinen verbarg sich eine Bären- Delikatesse, die proteinhaltigen Ameiseneier. Das hätte für mich auch schief gehen können 😲, immerhin lagerte ich mein gesamtes Essen über Nacht in der Villa. Was für ein unbeschreiblichen Hikertag durfte ich heute erleben, sogar meine Fitness hätte für mehr als nur 53 km gereicht. Ich wusste nicht, dass die Benschmark Rang nur noch 7 km entfernt war, sonst wäre ich noch dahin gelaufen.


Dann komme ich eben morgen rechtzeitig zum Frühstück an 👍. Die Tagesausbeute, neben den 53 km waren noch 1280 Höhenmeter, 4780 kcal, 23800 Schritte bei 27 Grad Celsius. Hielt sich also alles im Rahmen 😊🐻. Die nächsten zwei Tage ist dann Auszeit angesagt, danach geht es mit großen Schritten in Richtung kanadischen Grenze ☀️
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