08.07 es geht in die Entscheidung

Die Nacht war regnerisch und ich lag in der Früh mit meinen Gedanken mehr abwesend vom Trailgeschehen in meiner Villa, lauschte den Regentropfen die geheimnisvoll auf mein wasserdichtes Zelt prasselten, als ob sie mir etwas mitteilen wollten. Auf mich wirkte es sehr beruhigend, da es nach pure Freiheit und Leichtigkeit roch. Diesen Augenblick genoss ich zwar ausgiebig, quälte mich aber doch aus meinem wärmespendenden Schlafsack um rechtzeitig ins Café zu kommen. So konnte ich erst 09:00 Uhr mit einem Hitsch zum Trail beginnen. Der Start war mal außergewöhnlich. Zwei Hiker warteten bereits auf eine Mitfahrgelegenheit und ich als Dritter, da war es schwer was zu bekommen. Ich ließ den Zweien den Vortritt und schleckerte in dieser Zeit ein Eis 😊, was aber der Sache nicht hilfreich war.

es ist aber schon der 08.07 👍

Letztendlich landeten wir alle auf der Ladefläche eines SUV 👍. Leider fuhr er nicht direkt zum Trail, so daß ich nochmals einen Hitsch benötigte. Eine Stunde lang stand ich dann in der Sonne, bis ein Auto anhielt ☹️, einfach unerhört!!

windig und kalt

Erst 10:30 Uhr stapfte ich los. Da waren höchstens noch 30 km möglich ☹️. Wie sagt man so schön, „Gut Ding braucht Weile“😊. Das ich 24 Stunden ausruhen konnte, merkte ich ganz speziell an meinen raumgreifenden Schritten gepaart mit unglaublicher Willenskraft ( da muss ich selbst lachen). Das war im Endeffekt auch notwendig um die vielen An.- und Abstiege zu bewältigen. Es ging gefühlt aller 30 Minuten hoch und runter, ohne dass es mich demoralisierte.

es gibt bessere Bilder

Vom Rogers Pass (1715 m) hoch/runter/hoch auf den Lewis und Clark Pass ( 1958 m) runter/ hoch bis auf 2530 , ab dann war der Weg frei nach unten bis zum Lake ( 2284 m) , wo ich schließlich meine Villa aufstellte. Mehrmals begegnete ich SOBO Hiker, die den Tag schon für mich sehr auflockerten, erfuhr ich doch viel Dinge, die mich bald erwarteten. Unerwartet leicht überquerte ich die einzelnen Bergspitzen und genoss bei herrlichem Wetter die Fernsicht. Wenn ich bereits von der Bergspitze weit voraus den Weg nach unten/ oben sehen kann, wie er sich durchs Gebirge schlängelt, spornt mich das innerlich an und setzt zusätzliche Energie frei.

der Weg ist frei
einsame Hikerhütte

Ich vermute mal, dass passiert euch auch tagtäglich 😊 und könnt es demzufolge sehr gut nachvollziehen 😊. Und ich hatte heute so meine Bedenken, ob ich leichtfüßig über die Berge huschen könnte. Unberechtigt waren sie nicht, da meine Kräfte auf den letzten 7 km rapide abnahmen und ich deshalb beschloss nach 30 km den Tag zu beenden. Außerdem wäre nach dem See kein weiterer Wasserstelle vorhanden. Dort traf ich auf ein lustige japanische Hikerin ( SOBO) die es bevorzugte mit mir Abendbrot zu machen. Japanisch verstand ich null, aber mit unserem Englisch kam ein gutes Gespräch zustand. Natürlich kam es zu einigen Missverständnissen, worüber wir uns sehr amüsierten.

kraftvoll

Ich verzichtete sogar auf meine Vorabendschlaf ( wenn ich ankomme, stelle ich mein Zelt auf und schlafe erstmal 1/2 Stunde, weil ich so kaputt bin 😏). Die Moskitos jagten uns dann aber doch in unsere Zelte. Ich grübelte noch einige Zeit über den schönen Trailtag, der mich wieder mal begeisterte, als sich neuer weiblicher Besuch angekündigte. Diese Einschätzung und Einstellung vermisste ich in Colorado leider komplett. Mein Kopf war damals nicht bereit diese Herausforderungen wie Schnee und die hohen Berge anzunehmen, noch zu meistern. Ein ELK kam ans Zelt um mich zu bestaunen bzw. zu beschnuppern. Verständnis hatte ich schon, bin ich doch ein besonderes Exemplar der Menschheit, dass jeder gesehen haben sollte😊👍🐻( lieber nicht, es könnte zu jeglicher Überreaktion führen).

neugierig?

Noch ein paar Worte zu Lewis und Clark.

Die Lewis-und-Clark-Expedition vom 14. Mai 1804 bis zum 23. September 1806 war die erste amerikanische Überlandexpedition der Vereinigten Staaten zur Pazifikküste und zurück. Expeditionsleiter waren Meriwether Lewis und William Clark. Der Louisiana-Landkauf im Jahre 1803 weckte Interesse an einer Erweiterung der Vereinigten Staaten bis zur Westküste. Einige Wochen nach dem Landkauf ließ US-PräsidentThomas Jefferson, ein Befürworter der Expansion nach Westen, den US-Kongress 2500 Dollar bereitstellen, um „intelligente Offiziere mit zehn bis zwölf Männern auszusenden, um das Land bis zum westlichen Ozean zu erkunden“. Wichtigstes Ziel der Expedition, neben der Suche nach einem schiffbaren Wasserweg zum Pazifik, war die Gründung einer mächtigen Nation zwischen Atlantik und Pazifik. Außerdem sollten die Teilnehmer Indianer, Tiere und Pflanzen sowie die Geologie der Region studieren.( Wikipedia).

auf den Spuren von Lewis und Clark

Sehr beeindruckend und ich war an diesem Pass. Habe die Beiden aber knapp um 220 Jahre und einen Tag verpasst ( 08.07.2026), die hätten mich bestimmt gebrauchen können. Nun ja, hatten einfach Pech. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich 2 Tage später mit dem Hiker Marshall Enigma( Amerikaner) für einige Tage auf dem CDT unterwegs sein werde 😲. Er forschte in seiner Ahnen Geschichte herum und fand heraus, dass er der Ururur….. Neffe der beiden Brüder ist 💫.

Soldat Joseph Field* ca. 1772; † 1807auch als Jäger tätig, Bruder von Reubin FieldSoldat Reubin Field* ca. 1771; † 1823?auch als Jäger tätig, Bruder von Joseph Field

die bei dieser Expedition dabei waren .

Marshall Enigma 20.07.2026 auf dem CDT

Das reicht für heute, mit 1900 Höhenmetern und 6 1/2 h Laufzeit kann ich sehr gut umgehen. Schlaft schön und gute Nacht 🐻.

Sonnenuntergang

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