
07:00 Uhr läuteten alle Glocken der Stadt und verkündeten dem Volke, dass die letzten 700 Kilometer angebrochen seien😊. So richtig konnten das meine letzten Gehirnwindungen nicht verarbeiten. Hatte ich nicht 4 1/2 Monate für die paar Kilometer geplant? Naja, nach den riskanten Erlebnissen in Colorado, welche ich in den tief verschneiten Bergen erfahren musste und mich dann feige um diese Riesen gedrückt habe, hatte ich natürlich einen nicht geplanten zeitlichen Vorsprung😲, denn ich bis dato nicht wieder hergab. Ich schaute noch kurz auf einen Café bei Mc Donald vorbei und hoffte nach drei Regentagen auf einen sonnigen Trailtag.

Los ging es mit 20 km langweilige Straße und nochmals 20 km Sand.-und Schotterstraße und erst dann stieß ich wieder auf den CDT. Die 40 km hatte ich absolut nicht in meiner Planung bis zum nächsten Stopp in meiner Planung berücksichtigt. Eigentlich sollte ich ja mit den zwei anderen Hikern zum Einstieg gefahren werden, aber die haben sich nicht mehr gemeldet, außerdem war das Wetter optimal zum wandern.


Meine neuen Schuhe ( Salamon, nach Adidas mein zweiter Favorit) waren zwar nicht auf dem Niveau der legendären Siebenmeilenstiefel, aber ich fühlte mich darin sofort wohl und konnte Kilometer für Kilometer vorbei an sehr große sattgrüne Ranch zurücklegen. Die Besitzer können ihre Felder und Wiesen Tag und Nacht kostenlos mit Wasser beregnen. In Deutschland wäre das unmöglich, überhaupt der Gedanke daran ist verwerflich☹️. Es reicht ja, dass wir den billigsten Strom auf der Welt haben( jedenfalls war das so vor meiner Abreise zum Continental Divide Trail, oder hat sich da etwas geändert?). Nach 15 km konnte ich endlich der Sonne entrinnen, da der Aufstieg in Berge im Schatten der Tannen und Kiefern geschah. Ab und zu traf ich auf Einheimische, dir mir bestätigen, dass ich der erste Hiker in diesem Jahr wäre, den sie zu Gesicht bekommen, was aber überhaupt nicht mein Selbstbewusstes stärkte. Ich habe immer das Gefühl mich entschuldigen zu müssen, dass ich schon hier bin. 14:30 Uhr kreuzten sich die von Anaconda kommende Alternativroute mit dem Hauptweg des CDT.

Als ich mir eine kleine Pause gönnte, hörte ich Motorgeräusche und war gespannt, wer sich den hierher verirrt hatte. Zwei Motorradfahrer aus Calgary tauchten aus dem Nichts auf. Wir waren über das Zusammentreffen in der Wildnis sehr überrascht und nutzen diese Gelegenheit zum Quatschten. Sie überreichten mir noch einige Snacks und Sandwiches die ich dankbar annahm. Für mich ging es über duftende Wiesen und über den Weg liegende Bäume bis zur Wasserquelle weiter, was gleichzeitig mein heutiges Ziel bedeutete. Dabei entpuppten sich die letzten zwei Kilometer als große physische Belastung.


Nach 52 km fand ich für heute ein ideales Plätzchen mit toller Aussicht für meine Villa.


Gerade als ich mich bettfertig machte, hörte ich Stimmen. Es waren zwei Hikerpaare ( Schweizer und Amerikaner) die von der kanadischen Grenze in Richtung mexikanische Grenze unterwegs waren, also sogenannte SOBO‘s. Wir tauschten uns über die aktuellen Trailbedingungen, die uns bevorstehen würden aus. Sie sagt mir, dass durch den Wintersturm einiges an Schnee liegen geblieben ist und das es sich bei den matschigen Bedingungen unangenehm laufen lassen lässt. Damit habe ich also morgen zu tun☹️. Sie haben auch Grizzlybären gesehen, aber die sind alle abgehauen. Die Frage war, ob ich unbedingt durch den Abschnitt, Bob Marschall Wilderness laufen möchte, da in diesem Bereich vermehrt diese Raubtiere ihr Unwesen treiben. Ich muss mir das alles noch durch den Kopf gehen lassen, ob ich das Risiko eingehe oder nicht. Ich hadere mit mir🤔. In den nächsten Tagen werde ich wahrscheinlich mehrere SOBO Hiker begegnen, welche sich am 15.06 auf den Weg zur mexikanischen Grenze machten. Den Verlust von 4830 kcal spürte ich schon, aber unterm Strich war es ein toller Tag 😊.
Gute Nacht euer Truewood
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