
Frühstück bei Tiffany

Sie gibt es doch, die Berge in der Wüste, aber stellten keine Herausforderung für mich dar. Da waren die Berge in Colorado von einem anderen Kaliber. Sogar kleine Bäume fristeten hier ihr Dasein, dienten jedoch nicht als Schattenspender☹️. Nach einer halben Stunde war mit der Abwechslung bereits Schluss und wieder hieß es für mich, einfach nur einen Stepp vor dem anderen zu setzen ☹️.
Es gab nur einen Weg, der scheinbar ohne nachzudenken bis zum Horizont führte. Das ermöglichte mir besonders die Natur intensiv zu beobachten und das Verhalten der Tiere mir gegenüber zu verstehen. Eine Sechsergruppe von Springböcken erspähten mich und rannten auf einen kleinen Hügel, verharrten in ihrer Flucht, um dann in der doppelten Geschwindigkeit diesen Hügel wieder zu verlassen. Ein irres Schauspiel. Und die haben sicherlich gedacht, man ist der alte Deutsche langsam, was will der überhaupt hier! Bevor ich zum höchsten Punkt des Tages kam, konnte ich noch einmal aus dem Vollen Wasser schöpfen. Das Doofe ist dabei immer das Wasserfiltern, in 5 Sekunden huscht das Wasser in Richtung Bauchnabel hinab, aber ich brauche dann 5 Minuten um die Flasche wieder zu füllen.

Lieber so, als den Magen zu verstimmen. Vor dem Gipfel erblickte ich plötzlich zwei Hiker und war mir sicher auf diese bald aufzulaufen, aber die kamen mir ja entgegen 😲. Ich freute mich schon auf ein Gespräch. Zwei Freunde ( 71 und 75) liefen bis Rawlins und somit nur eine Sektion( 200 km).

Nach dem obligatorischen Fotos stand ich sobald auf dem „Gipfel“ . Eine wahnsinnig weitläufige Rundsicht von gerade mal 2473 Höhenmetern.
Sie sagten mir , dass in va. 8 Miles ein Wasser Cash mit ca. 20 Galonen und Candy‘s deponiert worden. Das hab mir Ansporn in kürzester Zeit dort anzukommen. War doch ein lohnendes Ziel💪. Es zog sich ewig hin und ich dachte schon, die haben mich veräppelt. Und dann, meine Augen erblickten die Wasserstelle. Je näher ich kam, um so mehr Schafe mit ihren Schäfchen umlagerten das Wasserloch. Das konnte auch nicht das Depot sein. Die kleinen Schäfchen taten mir richtig leid. Die Meisten waren gerade geboren und konnten sich unter der brütenden Sonne kaum auf den Beinen halten. Ein paar hunderte Meter abseits stand ein Wohnanhänger, das musste das Depot sein, führten doch auch einige Fußspuren dorthin hin. Ich umkurvte mehrmals das Objekt, aber nichts zu sehen. Die Tür war nicht verschlossen und ich hoffte auf das Innere im Wagen, machte alle Schränke und den Kühlschrank auf, aber kein Wasser. Der Kühlschrank war mit Essen und einige Getränkedosen gefüllt und ich entschloss mich einfach eine zu klauen😲. Der Wohnwagen bot genügend Schatten vor Wind und Sonne und ich konnte nach 7 Stunden die erste Essenspause einlegen.

Zumindest war das eine Wohltat. Hoffentlich vermerkt der Besitzer nicht, dass ein e seiner Dosen fehlt 😊. Ich packte alles zusammen und verschwand lieber. Jetzt bin ich nicht nur ein Lump, sondern auch ein Dieb. Wie tief bin ich de gesunken 😲. Nach einem Kilometer stieß ich auf eine Raststelle , welche die CDT Organisation für uns eingerichtet hatte. Hy , dass wär das Wasserdepot. Unglaublich und super cool. Ich füllte meine Flasche auf, steckte noch einige Bonbons ein und schrieb mich in die Trailbücher ein.

Und jetzt ging ein Schauer durch meine ganzen Köper. Ich war wirklich der Erste in diesem Jahr, der sich da einschrieb. Mehrmals musste ich das wiederholen: ich bin der Erste in diesem Jahr hier, kein Anderer ist vor mir 👀. Sofort schoss es mir durch den Kopf, ich kann nicht sicherheitshalber gemeinsam mit einem anderen Hiker durch das Grizzlybär- Gebiet laufen, es gibt ja niemanden. Wie lange müsste ich auf einen warten?? Unbehagen machte sich breit.☹️ Besser war so schnell als möglich auf den Trail zurück. Trotzdem gab es Fragen über Frage in meinem Kopf.
Die zwei Hiker hatten mir auch etwas von einer Wasserquelle erzählt, die ich zwischen Felsen finden würde und dort wollte ich auch die Nacht verbringen. Für meine Abwechslung sorgten dann noch einige Wildpferde, die den Anschein erweckten, auf mich zukommen zu wollen, aber drehten doch wieder ab.

17:30 Uhr fand ich die Quelle in einem Schutzgebiet zwischen den Felsen. Sie hatten mich nicht veräppelt.

endlich mal eine Erfrischung
Ich genoss noch den Sonnenuntergang und war mit dem heutigen Erlebnissen vorerst alleine.🐻.


Nach 50 Kilometern, 1128 Höhenmeter, 4900 kcal und den vielen Überraschungen war auch für mich der Tag zu Ende.
Gute Nacht euer Truewood🐻
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