04.06 ich habe ein komisches Gefühl

Durch den scharfen Wind konnte ich meine Villa erst gegen 19:00 Uhr aufstellen und mein Abendsüppchen zu kochen war erst 20:00 Uhr möglich. Das sollte die ganzen vier Tage so sein. Dagegen ist in der Frühe null Wind. Mehrmals wurde mir gesagt, dass über Wyoming der meiste Wind in der USA weht. Die Kühe waren bis Mitternacht etwas unruhig, denn in der Nähe heulten sich wieder ein paar Kojoten aus. Sind eben auch nur Chaoten 😊. Als ich 06:00 Uhr die Umgebung verließ, lagen die Kühe und deren Kälber immer noch im Gras und überlegten, was sie so heute anstellen könnten.

ich bewundere das Zusammenspiel zwischen Hölle und Erde 🌍
ein neuer Tag beginnt

Der Rucksack wird bedingungsgemäss auch jeden Tag etwas leichter und dadurch laufe ich rechnerisch 2 km pro Tag weiter. Rede ich mir jedenfalls ein und fördert somit mein Selbstbewusstsein, auch wenn es an den Haaren herbeigezogen ist 😉. Um so eine Strecke unter fragwürdigen Bedingungen mit 12 Kilo auf dem Rücken freiwillig zu laufen, der hat sich entweder aufgegeben oder er ist so gestählt, dass er als Vorbild für Willenskraft, Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein für andere Menschen dient. Das möchte ich auch als Botschaft über die NCL Stiftung an die betroffenen Familien, insbesondere deren Kinder senden, dass es sich lohnt zu kämpfen, auch wenn der Weg noch so schwierig ist. Aufgeben ist wirklich die allerletzte Option. Deshalb freue ich mich sehr, dass sich viele Traillower, Freunde, Familie und viele, viele Unbekannte an meiner Spendenaktion rege beteiligen. Auch wenn es nur ein kleines Teil im Puzzles ist. Ich bin mir sicher, das alle Mitarbeiter unter der Leitung von Dr. Frank Stehr der NCL Stiftung diese vielen kleinen Teile zu einem bunten starken Gesamtbild zusammenfügen werden.

Ich habe gegen Mittag einen einfachen, aber außergewöhnlichen Menschen auf dem Trail getroffen, der nach meinem Empfinden auch die oben von mir beschriebenen Eigenschaften besitzt und dies auf seine Art und Weise verfolgt und somit seinen inneren Frieden und sein Glück gefunden zu haben schien. Meine Anerkennung hat er jedenfalls sofort angenommen👍.

ein glücklicher Man

Auch der heutige Tag zeichnete sich durch seine nüchterne Darstellung und Wahrnehmung sehr trostlos ab. Kilometerweit konnte ich bereits den Weg ins Auge fassen, denn nichts unterbrach diese Weitsicht. Ich malte mir immer aus, wenn ich den Streckenpunkt, den ich noch erblicken konnte erreiche, könnten es fünf oder sieben Kilometer sein die ich wieder auf meinem Tacho stehen hatte. Das ist eine Art meiner Motivation👍.Der Lamamann berichtete mir, wo es noch Wasser 💦 gibt und in welcher Qualität. So konnte ich mir den Nachmittag gut einteilen.

die hat es schwer

Die trostlose Natur öffnete sich mir mit der Zeit und zeigte mir, dass es in dieser Einöde auch unterschiedliches Leben erlaubt. Es machte mir Freude, den Springböcken auf der Flucht zuzusehen, mit welcher Geschwindigkeit und Sprungkraft sie das Wüstenland überwanden und die Wildpferde mit ihrem muskulösen Körper und erhobenen Kopf auf sich aufmerksam machten.

Springbock
Wildpferde

Unbeirrt setze ich meinen Weg fort. Der Wind nahm reichlich zu und ließ meine Zunge vor Trockenheit am Gaumen festkleben. Nun hatte ich dafür endlich eine Lösung, ich lutschte einfach Hustenbonbons, welche genügen Feuchtigkeit produzierten. Eine Marker aus Steinen signalisiert mir, dass ich die 1600 Meilen überschritten hätte. Ich rechnete das sofort in Kilometer um und freute mich, dass ich bei 2560 Kilometern, also über die Hälfte der Strecke angekommen war.

1600 Miles

Also hatte der Lamamann recht, ich bin zu schnell unterwegs und der erste Hiker auf der Strecke. Die Aussage freute mich, aber gleichzeitig entwickelte sich in mir ein komisches Gefühl, so bisschen zwischen Angst und Anerkennung. Ich hatte ja in Colorado etliche der vielen hohen schneebedeckten Gipfeln übersprungen, und somit einen zeitlichen Vorsprung zu den anderen Hikern erhalten. Natürlich weiß ich nicht, ob die nachfolgenden Hiker diese Berge auch überspringen werden. Der eine oder andere wird das schon tun. 17:30 Uhr stoppt ich an einem kleinen Rinnsal und belegte mit meiner Villa den Einzug möglich Zeltplatz. Aber es kam ja sowieso kein anderer Hiker hinzu.

das Wasser konnte ich nicht ohne filtern trinken

Der Wind wurde ca. 19:00 Uhr schwächer und es war an der Zeit meine Villa nachtfest aufzumachen.

toller Platz

Obwohl es flach zuging, musste ich heute 745 Höhenmeter bewältigen und das auf einer Strecke von 50 km, bei einem kcal- Verbrauch von 4830 kcal👍.

Gute Nacht euere Truewood 🐻

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