Ich war nach dem gestrigen schwierigen Tag froh recht ordentlich geschlafen zu haben und mich in die noch nassen Klamotten hinein gehievt zu haben. Von Lust auf den heutigen Tag war keine Rede☹️. Warum sollte der heutige Tag auch anders ausfallen? Eins stand aber felsenfest, ich werde den Trail in Colorado bei der erst besten Gelegenheit verlassen und erst wieder in Wayoming einsteigen. Hier könnt ihr mal schauen, was auf den letzten 100 km Colorado auf mich wartet und der Schnee ist noch nicht berücksichtigt 😲.

Kurz vor halb 6 war der Himmel noch sehr grau und deutete auf einen schlechten Tag hin. Meine Stimmung konnte das auch nicht mehr verschlechtern. Die ersten drei Kilometer konnte ich noch etwas mühselig ins Tal hinab laufen, musste allerdings über und durch Schnee, sowie den gestrigen Fluss watscheln. Und nun war ich richtig nass und wach, aber es stellte sich weniger Schnee in meinem Weg.
Ich spekulierte bereits, dass das die nächsten 700 Höhenmeter so bleiben würde. Erst dann würde ich auf den normalen CDT stoßen. Und ich hatte so was von Recht💪. Es führte nämlich zu meiner Ungläubigkeit ein Waldweg bis zum Treffpunkt und es klingt unglaublich, aber der Weg war vor einiger Zeit mit einer Raupe fast schneefrei geschoben worden. Ich dachte mein Schwein pfeift 🐖. Bis auf die letzten Höhenmeter konnte ich zwar mühsam aber ohne Schneebehinderung hochlaufen.

Das war eine Überraschung ! Von 3800 Metern ging es sofort wieder auf 3450 Meter um danach wieder auf 3800 Meter zu steigen. Lustig war das überhaupt nicht, da sich wiederum mehrere Schneefelder in den Weg legten, aber zu gestern war das alles machbar. Und schon dachte, na das sieht ja nicht so schlimm aus, da könnte ich doch auf dem Trail bleiben. Kaum hatte ich zu Ende gedacht, ärgerte mich der Schnee schon wieder. Gegenüber der Alternativroute, war der richtige CDT nun wesentlich besser zu erkennen, aber ich war auch hier der einzige Verrückte auf dem Trail. Seid dem ich in Colorado unterwegs bin, habe ich keinen weiteren Hiker getroffen. So richtig gefiel mir das nicht, da es angenehmer wäre, wenn man ab und zu auch mal einen anderen Hiker trifft. Da fühle ich mich nicht so einsam und gibt eine gewisse Sicherheit, dass man richtig unterwegs ist. Nun ja, dass kann ich leider nicht beeinflussen. Unermüdlich stieg ich mit schweren Schritten auf einem Serpentinenweg dem höchsten Punkt des Tages, mit 4000 m entgegen. Wie jeden Tag um die Mittagszeit verdunkelte sich der Himmel, Blitz und Donner gaben den Ton an und der Erdboden bekam ein dünnes weißes Kleid. Da es nichts bedrohliches versprach, marschierte ich immer weiter in die Höhe. Auch in 3800 Metern Höhe konnte ich viele kleine Pflanzen und Blumen entdecken, welche mir unbekannt waren.


Laut Trail App war es der letzte Anstieg bevor es wieder ins Tal hinab ging.

Und das erfreuliche daran war, durch das Tal führte eine Bundesstraße. Der Beginn des Abstiegs war nicht ganz einfach zu bewältigen. Erstens, der Weg war durch den Schnee nicht auszumachen und schwer zu deuten und Zweitens , es gab keine Spuren an denen ich mich orientieren konnte. Plötzlich, wie ein Geist kam mir ein Tageshiker auf Schneeschuhen vom Tal her entgegen.

Er bestätigte mir, dass ich auf dem richtigen Weg war und in mir ließ die Anspannung spürbar nach. Nicht nur der junge Mann hatte durch die Schneeschuhe Vorteile , ich auch. Konnte ich doch auf seinen festen in den Schnee gedrückten Spuren wesentlich besser laufen und diese gaben mir sichtbar den weiteren Verlauf ins Tal hinab vor. An der Baumgrenze machte ich meine wohlverdiente Mittagspause und stieg noch mehrere Male bergan und bergab, bis ich die Bundesstraße erreichte. Relativ schnell hielt ich ein Auto an was mich bis nach Granby mitnahm. Lustig war, es waren Mexikaner, die kein richtiges Englisch sprachen und der Sohn (13 Jahre ) alles übersetzt musste. In Granby besuchte ich noch schnell ein Restaurant und besuchte nun einen Hitsch nach Grad Lake zu bekommen. Ich hatte noch nicht richtig den Daumen in die Luft gedrückt und schon hielt ein junger Mann an. Es stellt sich heraus, dass er mit seinem Vater 2023 den PCT gelaufen war😊. 17:00 Uhr checkte ich auf dem Zeltplatz des Visiter Center von Grand Lake ein, der nur von CDT Hikern genutzt werden durfte. Hier traf ich auf Iron, einen italienischen Hiker, Beruf: Sportlehrer, aber ständig auf irgendwelchen Trails der Welt unterwegs. Ein verrückter Typ. Er kannte auch Loïc, mit dem ich im Yosemite NP unterwegs war. Die nette Angestellte des Centers sagte mir, dass wir nicht im Gebäude schlafen können, wir müssten unsere Zelte draußen aufbauen. Was machten wir, wir schliefen doch im Gebäude. Gegen 2:30 Uhr kam natürlich Polizei zur Kontrolle des Gebäudes und warf uns höflichst hinaus😊. Für Zelt aufstellen hatten wir nun auch keine Lust mehr und machten einfach Cowboy Camping. Also, wir bekamen überhaupt keinen Ärger.

Ich bleibe jetzt zwei Tage und dann schaue ich mal weiter.
Gute Nacht
Euer alter Truewood🐻
Vielen, Vielen herzlichen Dank für die tolle Unterstützung meiner Spendenaktion. Das Spendenkonto ist bereits auf über
5000.- € geklettert.
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