07:00 Uhr gab es Frühstück und das wollte ich schon noch vorm Trail wissen. Für heute hatte ich mir eine Alternativroute ausgesucht, die direkt am Hotel begann und nur 36 km lang war bevor ich wieder auf den CDT stoßen würde. Deshalb reichte es bei bestem Trailwetter 08:00 Uhr los zu flitzen.
Relativ schnell war mir bewusst, das Alternative nicht immer gleichzusetzen wäre mit einfach, flach und ohne Hindernisse. Es gab ab Beginn nur eine Richtung und die hieß Bergauf😲.

Die zehn Tage „Urlaub „( Yosemite NP und Arches-NP ) machten sich nicht spürbar bemerkbar , denn ich musste gleich zu Beginn in der Form volle Leistung bringen, dass der Weg mit vielen umgestürzten Bäumen gepflastert, stellenweise kaum erkennbar und nicht gepflegt war, welche mich am zügigen Vorankommen hinderten. Ich war überzeugt, dass sich hier kaum Hiker hin verirrten. Meine Augen erspähten in der Ferne die ersten Schneefelder, war mir aber sicher das ich wörtlich diese links liegen lassen werde👍. Für mich stand nun die Frage, kommt der Schnee zu mir, ich zu ihm oder kann ich ihn umgehen? Je näher ich kam umso größer wurde mein Frust über diesen Sachverhalt. Hatte mir nicht die KI vor Beginn prophezeit, dass auf Grund des milden Klimas der Trail , vor allem auf den Alternativrouten schneefrei wäre!! Soviel zu KI☹️. Zwei Stunden benötigt ich, um mich von den selbst verursachten Geräuschen der Zivilisation gänzlich zu entfernen um nur noch die Gesänge der unterschiedlichsten Vogelarten lauschen zu können. Sie vermitteln mir mehr den Eindruck, dass sie mich begrüßten und allen anderen Tieren mitteilen mussten, dass Udo 🐻 hier entlang kommt 😲. Ein schönes Gefühl, wenn ich alleine so mit der Natur verbunden bin.

Mittlerweile lief ich über die Baumgrenze hinaus und das Übliche, ich sag mal „Hochplateau“bot sich zum Wandern an. Die Schneefelder nahmen zu und ein Ausweichen war praktisch unmöglich. Schließlich musste ich mich noch einige Zeit unter einer Krüppelkiefer vor dem kurzen (leichten) Schneesturm, Donner und Blitz verstecken, um dann festzustellen, das der weitere Weg nicht mehr zu orten war.
Wie sollte es jetzt weitergehen? Irgendwie musste ich ins Tal, dass war sichere, aber bei jedem Schritt sackte ich tief in den Schnee ein. Also entschloss ich mich einfach einen kleinen Bach, der ins Tal führte zum Water Crossing zu nutzen 😲. Das Wasser war eiskalt, teilweise mit Schnee bedeckt und ich wusste nicht, was sich darunter verbarg, musste viele quer über den Bach liegende Bäume überwinden bis ich nach 45 Minuten endlich ein kleinen Fluss erreichte, in dem dieser Bach mündete und ich überraschenderweise auf einem kleinen Pfad zum richtigen Weg wieder Anschluss fand.

Es war ein sehr anstrengendes und riskantes Manöver, was ich da hinter mir hatte. Klar war nun auch, das ich es heute nicht mehr auf den CDT schaffe und mir schleimigst einen Zeltplatz suchen musste. Bis dahin ging es wieder unhaltbar noch oben. 18:30 Uhr war der Tag zu Ende und ich musste sehr schnell mein Zelt vor dem eintreten Regen aufbauen, um unverzüglich hinein zu schlüpfen, kroch schnell in meinen Schlafsack und steckte genüsslich einen m&m nach dem anderen in meinen Mund. So zusagen als Belohnung.

Nach einer kurzen Verschnaufpause gab es noch Nudeln mit Tunfischen und Kartoffelbrei ( wie immer) und versuchte meinen Körper einen erholsamen Schlaf zuzuführen. Der heutige Tag frustrierte mich unwahrscheinlich und ich überlegte. wie ich diese Situation meistern könnte, den morgigen und die nächsten Tage wird es so weitergehen. Es ist ja nicht nur der Schnee, sondern der ständige Aufenthalt in den Höhen von 3200 bis 4000 Höhenmeter und das ständige bergab und bergauf, was mich an meine Grenze der Belastbarkeit bringt und sehr demotivierend auf meinen psychischen Zustand Einfluss hat. Ich wusste aber, dass Colorado ein hartes Pflaster ( das härteste auf dem gesamten Trail) sein wird und bin wirklich froh, wenn ich Colorado in den nächsten Tagen hinter mich bringen kann und überlege mir eine positive Lösung. Trotz der heutigen harten Anforderungen und das ich zwei Stunden später auf dem Trail war, konnte ich 27 km und 2050 Höhenmeter bewältigen. Trotzdem ist es für mich mental schwer zu verstehen bzw. zu verarbeiten.
Gute Nacht euer angepickter Truewood 🐻
PS:
Bitte unbedingt um viele aufmunternde Worte und selbstverständlich um Bedauern meines selbst gewählten Elends ☹️🐻
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