Der Sturm nahm in der Nacht mächtig an Stärke zu. Bisschen Sorge hatte ich schon, dass nicht so ein abgestorbener Baum auf meine Vila fällt und mir womöglich weh getan hätte. Gestern Abend ist solch ein Baum schon mal einfach mit Getöse zu Boden gefallen😊, deshalb war ich sensibilisiert. Was würde mich heute erwarten?

Über Nacht waren Schuhe, Strümpfe und Hose zu meiner Genugtuung getrocknet, was aber nur für einen Moment angenehm war. Mit der ersten Minute versuchte mich wieder der Schnee in seinen Würgegriff einzufangen. Meine Aufmerksamkeit und Konzentration lag heute vollkommen, zu 110 % auf der Bewältigung der teilweise schon gefährlichen Situationen. Hellwach und die Augen ständig auf den unidentifizierbaren Untergrund gerichtet, schwelgten mein Gedanken nicht im Universum herum. Das hätte mit Sicherheit fatal Auswirkungen für mich gehabt. Die Frage stellt sich nun nicht mehr, warum bin ich gestern, als noch die Möglichkeit bestand umgekehrt, obwohl ich da schon ahnte das ich in mein Verderben laufen könnte. So lange ich die Spuren von den beiden Hikern im Schnee sah, fühlte ich, das ich auf dem richtigen Weg war. Jedoch kam es öfters vor, dass die Spuren verschwanden und ich diese erst später wieder entdeckte. Entweder ging es über schneefreie Zonen, Flussüberquerung, oder die Hiker sind zeitig am Morgen, als der Schnee scheinbar noch gefroren war darüber gegangen und haben somit keine Spuren hinterlassen. Dann irrte ich Minuten lang in der Gegend herum, um wieder per App auf den richtigen Weg zu finden. Nicht nur das war sehr mühsam, sondern auch das ständige Einsacken bis zur Hüfte in den tiefen Schnee kostete für die Befreiung viel Kraft.
Gefährlich wurde es dann, wenn ich die Steilhänge queren musste. Hier konnte jeder unkontrolliert Schritt in der Tiefe landen und wenn dann noch durch den Wind aufgetürmter Schneeüberhänge überwunden werden sollte, war mein alter Köper voller Adrenalin gepumpt. Manchmal war der vermutete Weg so gefährlich, dass ich einfach nicht ums Absteigen bzw. eine Po- Rutschpartie ins Tal herum kam.
Lustig war das schon, aber ich musste sehr vorsichtig sein, da die kleinen Eiskristalle sich messerscharf in meine Haut einritzen konnten☹️. Und doch passierte es.

Die Haut brennt eben dann. Aber was sollte ich bei so einer rasanten Abfahrt auch erwarten.
Es ging nun ständig hoch und runter. Oben angekommen, lief ich über fast schneearme Hochplateaus, was aber nicht zur Entspannung beitrug.

Gen Nachmittag wurde durch die intensiv Sonne der Schnee sehr matschig und das Vorwärtskommen war mit ständigen im Schnee Einsacken verbunden.

Mental und körperlich balancierte ich auf einem sehr schmalen Grat herum und sehnte mich schon nach meiner Villa ( Zelt)mit reich gedecktem Tisch ( Nudelsuppe mit Thunfisch). So oder so ähnlich muss es sein, wenn ich kurz vor dem Wahnsinn stehe. Dem letzten Anstieg für heute schien ich nicht mehr gewachsen zu sein und beendet lieber den heutigen Tag nach nur 24 km in 10 Stunden. Ich krackselte 1219 Meter hoch und investierte dabei 4440 kcal. Mein Magen spielte die ganze Zeit eine tolle Rolle mit.
Gute Nacht ihr Lieben
Für euch ein hart kämpfender Udo Bär am Mountain Pass.

oder wie hieß es damals ?
Ihr könnt ruhig uneingeschränkt stolz auf mich sein, obwohl ihr mich nicht dazu gezwungen habt. Naja, ein bisschen verrückt musst du bei der Sache sein, sonst wirst du es bestimmt danach 🐻💫.
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