Der gestrige doch sehr ruhige Tagesablauf verhalf unserer Körper in einem gewissen stabilen Zustand hinein zu manövrieren. Die Nacht war angenehm, nur das ich in den Morgenstunden die Zelttür aufschlug um nicht in dem vermieften Zelt zu ersticken. Der Tag kündigte sich sehr mürrisch an und verweigerte uns so einen großartigen Sonnenaufgang zu erleben. Es sollte heute die schönste Etappe auf dem GR 20 sein, vor allem geprägt durch den prachtvollen Höhenwanderweg zwischen der Breche de Capitello und dem COL de Rinoso. Damit die Hiker das nicht so märchenhaft romantisch gestalten, hatten die Götter, vorher einen gewaltigen Steinhaufen vor unzähligen von Jahrtausenden hier aufgeschüttet und so für komplizierte steile Hänge, scharfkantiges Gestein, tosende Winde und einen mit viel Mut zu überwindenden Kamin gesorgt 💪. Schon bei meiner ersten Begehung 2019 zog ich meinen Hut vor dem Ehrgeiz, Entschlossenheit und Kämpferherz der Frauen die sich hier durchquälten ( ich meine die Frauen über 40)😊. Mathias blieb bis auf die letzte Sekunde im Zelt um ja nicht vorher unnötig Energie zu verschwenden. Morgentoilette, Frühstück 🥣 und Klamotten gerichtet und pünktlich 06:00 Uhr standen wir vor der nächsten Herausforderung und die hatte es bekanntlich in sich 💪. Sofort ging es richtig steil , 820 Höhenmeter über loses Geröll mit wenig Standfestigkeit auf die Breche de Capitello (2220 m).

Hier war es für uns unausweichlich, das jeder sein eigenes Tempo finden musste. Ich werde dann oben auf die Zwei warten. Unsere Blicke rotierten zwischen Untergrund und den Breche( Pass) um einer Verletzung zu entgehen. Natürlich war der Blick nach oben etwas zermürbend, da sich jeder Schritt gefühlt in Zeitlupe ereignete. Die meisten Hiker mussten des öfteren eine Verschnaufpause einlegen und so war der Weg frei für uns ( hört sich überheblich an,war es auch 😊).Einige Pausen schoben wir schon wegen der hier dünnen Luft ein. Nur in diesem Moment konnte man ruhig die zwei Linsen im Kopf über das ansprechende Gelände schweifen lassen 👀. Leider schaffte es die Sonne nicht so richtig den Durchbruch, um ein Bilderbuchwetter zu zaubern. Nicht nur wir schafften es unter diesen porösen Bedingungen bis zum heutigen höchsten Punkt, auch einige zarte Pflänzchen versuchten ihr Köpfchen gen Sonne ☀️ zu strecken um ihr Dasein zu dokumentieren🪻.

Bereits nach 90 Minuten stand ich oben am Pass und wartete auf meine Mäuschen B+M.

Laut Wegweiser benötigt man dafür 2,5 Stunden. Mach ich irgendwie was falsch? Bei kräftigen Sonnenschein hätte ich geniale Eindrücke von den Bergen und den tiefer gelegenen Bergseen in meinem Kopf ab speichern können. So musste ich mich sicherheitshalber vor dem kalten Wind hinter einigen große Felsen verstecken um nicht auszukühlen. Als wir da so oben standen, fühlten wir uns wie Eindringlinge in eine malerische Welt, die eigentlich gar nicht gestört werden wollte.

Schnell noch ein Schluck Wasser und einen Fruchtriegel um über das kleine Schneefeld zu springen. Auf dem Weg nach unten stießen wir auf den zweizügigen Kamin ( schräge Schlucht worüber ein Felsen 🪨 lag) durch den wir uns mit dem Rucksack zwängten. Wenn du natürlich noch dazu einen dicken PO hast, wird es sehr schwierig und brauchst Hilfe 😊



Es war ein „beklemmender“ Abstieg 😊 mit genügenden blöden Kommentaren. Bert sollte sich ein Beispiel am Weihnachtsmann nehmen, der muss das mit seinem wesentlich größeren „ Sack“ unzählige Male mehr bewältigen. So richtig akrobatisch sah es schließlich bei keinem von uns aus. Bis zur Bocca Muzzella (2052 m) stolperten wir des Öfteren über grob, sehr wackeligen Untergrund und bestaunten die teils künstlerische Darbietung der verschieden geformten Felsfiguren. Jeder konnte darin eine andere Erscheinung, ob Tier oder Fabelwesen hineininterpretieren.




Nach diesem hübschen Kraftakt beruhigten sich die Anforderung. Ein Gruppe vor mir blockierten ständig meinen Bemühungen sie zu überholen. Es war auch nicht so einfach, denn es mussten nun große Felsplatten und hohe Absätze überwunden werden, bzw. war der Weg von mannshohen Büschen eingefasst um schließlich doch auf dem COL de Rinoso (2170 m) anzukommen.

Den höchsten Punkt erreichten wir ein paar Minuten später, Bocca Muzzella (2206 m), um nun einen brutalen Abstieg hinab zur Refuge de Petra Piana (1842 m) zu meistern.

11:30 turtelte ich hier in die typisch korsische Hütte ein. Gleichzeitig kroch ein verführerischer Duft aus der Küche in meine Nase. Ja, nach dem Energieverlust musste etwas anders her als Powerriegel. Omelett mit viel Schinken hieß das Zauberwort.

Nach der willkommenen Pause mussten wir uns entscheiden, ob wir den alpinen Weg oder doch hinab durch das Maganello Tal zur Refuge de I‘Onda (1431 m) schlendern wollten. Obwohl der Weg durch das Tal mehr Höhenmeter abverlangte, lag der einstimmige Tenor auf dieser Route. Zumal erwarteten uns hier herrliche Gumpen zur Entspannung und Abkühlung.

Das momentane Wetter war für beide Strecken nicht ideal. Sogleich ging es wieder über Stock und Stein hinab auf 1250 m, wo der Weg neben sehr großen glatt geschliffenen Felsplatten über die das Wasser spielerisch fröhlich hüpfte verlief. Selbst einen kalten idyllischen Wasserfall ließen wir links liegen.


Wir legten uns auf die Platten und träumten vor uns hin, und beobachtende 👀 heimlich die Tierwelt.

Einer der schönsten Bergeries befand ich, war die „de Tolla“, welche mich bereits 2019 in ihrem Bann gezogen hatte und auf die wir in Kürze stoßen sollten. Überschwänglich erzählte ich B&M davon, um sie unbedingt zu einer Einkehr zu bewegen.

Den hier selbst gemachte Proviant, wie Schinken, Käse und Brot stopften wir in Windeseile in uns hinein und passten auf, dass der Andere sich ja nicht ein größeres Stück abschnitt 😊. Obwohl, auch hier geltet das Gesetz des Stärkeren 💪. Wir blieben aber friedlich, hatten wir doch noch einen gemeinsamen Anstieg bis zur Refuge de I‘Onda zu bewältigen.

Mit vollen Bäuchen betraten wir den Trail um uns zuversichtlich 700 Meter weiter in eine geniale Gumpe plumpsen zu lassen. Das Ausziehen war niemals ein Problem, aber das Anziehen sah in der Regel sehr behindert aus. Die Klamotten waren steif vor Dreck und rutschten nur zögerlich auf der Haut an die vorgesehenen Stellen.


Nach der Abkühlung bewegten wir uns im schmalen Grottaccia-Tal langweilend bergaufwärts. Das Waldgebiet hielt nun wahrlich nichts aufregendes für uns bereit. Mit stupiden Minen 🤨 sprangen wir über die beiden letzten Bäche und erreichten die Refuge nach 8 Stunden Laufzeit, 1558 Höhenmeter, 22 km und verloren dabei ca. 5000 kcal. Zwei große Biere verschwanden schnell in unseren Kehlen um kurz danach halb besoffen unsere Plätze auf dem eingezäunten Campingplatz einzunehmen. Auch heute beteiligten wir uns am köstlich korsischen Gemeinschaftsschmaus 🍿. Beim abendlichen Briefing machte sich eine bissige Ohnmacht bereit, dass wir wahrscheinlich den Trail nicht in der vorgesehenen Zeit schaffen würden ☹️. Bis dato hatten wir nicht mal die Hälfte des Trails geschafft und eigentlich nur noch 2 1/2 Tage Zeit. Obwohl die härtesten Teilstrecken nun hinter uns lagen, machte sich ein unterschwellige Resignation bemerkbar. Ich hatte schon 2019 das Erlebnis den GR 20 komplett zu wandern, aber mir würde es wehtun, wenn Mathias und Bert nicht das Abenteuer vollenden könnten.



Irgendwann verkrochen wir uns in die Zelte und träumten wild vor uns hin 👍. Gute Nacht
