18.06 das Zentrum der korsischen Berge

von Refuge Couttulu du i Mori über Castellu du Verghio nach Refuge de Manganu .

Mathias ist wie ein kleines Kind 👦, nicht aufstehen wollen, aber nuckeln 👍

Wir kommen einfach nicht früher in die Puschen . 07:15 Uhr. Eigentlich ist es bei diesen Temperaturen viel zu spät den ersten Schritt auf den Trail zu setze. Die heutigen Etappen werden wieder unter der unverschämt einprasselnden Sonne, der wir nun mit Sicherheit unsere schnörkellosen Körper gnadenlos ausliefern müssen absolvieren☀️.Sicher , oder besser Wunsch ist, dass das heutige Profil keine Extreme bereit hält💪.💭 Nach dem spartanischen Frühstück ging es endlich los 💪, natürlich in die falsche Richtung ☹️. Da sind wir schon drei halbstarke Wanderer und trotzdem passiert sowas. Einmal mit Profis wandern, dass wäre mein innerer Wunsch, aber ich konnte es mir nicht so richtig aussuchen. Auf alle Fälle habe ich bis dato mit den zwei jungen Hüpfern richtig viel Spaß. Ihr würdet sicherlich mal Mäuschen spielen wie wir uns hier so verhalten-wie kleine Jungs 🏋️‍♀️. Aber was erwartet man von einem Rechtsanwalt, Versicherungsmakler und einem VW Mitarbeiter, wenn man sie bei trocken Brot und Wasser in der Wildnis aussetzt. Das artet dann im puren Überlebenskampf aus 🐻.

dahinten die zwei kleinen Zwerge, könnten Bert und Mathias sein 😊

Der Weg schlängelte sich nun über einen ausgetretenen kargen Bergrücken nochmals leicht in die Höhe um von da oben einen wunderschönen Blick zum Meer freizugeben. Da es nun nach der Bocca Lonca( 1890 m) nur noch bergab, ins Golo Tal führte konnte ich die Zwei alleine lassen und meinen forschen Schritt aufnehmen. Dabei ließ ich mich von verschiedensten Eindrücken, welche mir die Natur unentgeltlich darbot intensiv begeistern. Links und rechts die aufsteigenden Felsformation, dazwischen suchte sich ein kleiner Bergbach seinen Weg ins Tal und huschte ab und zu über die selbst, durch seine ständige Bewegung glattgeschliffene Felsen um sich in einer der vielen Gumpen zu ergießen. Diese wiederum luden uns vogelfreie Vagabunden zu einem kühlen Bad ein. Schnell waren die wohlriechenden Klamotten ( Duftnote ,Puma,) abgestreift und unverzüglich drangsalierten uns kräftige Berggeister, welche sich in den Gumpen versteckten um uns mit neuer magischer Energie zu versorgen. Diese Energie hielt uns dann wirklich ca. 30 min. auf einem hohen Niveau.

die Berggeister nehmen Besitz von mir 🐻
nach dem Erfrischungsbad, er strotzt nun vor purer Kraft 💪

Gemeinsam liefen wir durch ein kleines mit alten Kiefern kühlendes Tal, bis uns eine Brücke über den Golo führte. Zeit für ein Fotoshooting.

Schattenspender alte Kiefer

fotogen sieht anders aus

Weiter durch das immer enger werdende Tal schlängelten wir uns der Bergerie de Rundule hinab. Total beeindruckend und entspannend kamen wir bereits 50 min. später fröhlich zum zweiten Frühstück an. Die Sonne ☀️ zeigte uns ihre hitzigen Strahlen, welche uns wie übermächtige Tentakel zu greifen versuchten. Schnell drängten wir uns unter die Sonnensegel, welche großzügig an verschiedenen Stützen verknotet waren. Omelett, Cola und Kaffee waren angesagt. Ein junger Hiker schlief, mit dem Kopf auf dem Tisch sichtbar einen märchenhaften Traum, bis der Rettungshubschrauber unter orkanartigen Getöse und sandsturmähnlichen Wirbel direkt neben uns zur Landung ansetzte. Der Hiker erwachte schreckhaft und wurde langsam zum Hubschrauber gebracht ☹️. Jetzt verstanden wir, so ein Trail kann auch mal ganz schnell zu Ende sein. Diese Situation erinnerte mich sofort an die Serie‘ Die Bergretter‘, aber nicht so kitschig aber realistischer. Gute Besserung für den Mann. Zum Abschluss stopften wir die süßen Melonenteile 🍉 in unseren ausgetrockneten Schnäbel, schlängelten uns an einem Pferdetrack welcher die Hütte mit frischem Proviant versorgte vorbei und freuten uns wieder auf dem Trail zu sein.

sehen wir uns ähnlich ?
wir hoffen, den brauchen wir nie 👍

Der jetzige Weg bis Castellu di Verghio( 1404 m) war echt keine Herausforderung. Bis zum Hotel/ Restaurant zeigte das Profil eher kaum merklich einen Höhenunterschied von 4 Meter an. Also beste Gelegenheit mal die Äuglein 👀 vom Boden unbekümmert in die Natur schweifen zu lassen.

Die Bäumchen am Wegesrand spendeten zu unserem Wohlbefinden noch vereinzelt Schatten. 50 min später stampften wir ins Hotel, schleckerten in Verbindung mit Cola, Kaffee ein großes Eis. Zu Mathias Glück wurden einige Outdoor Sachen, wie Wanderschuhe zum Kauf dargeboten. Seine jetzigen hätten die nächsten 10 km nicht überstanden. Eilfertig wechselt er die Treter und versuchte nun unser Trio anzuführen. Nach kurzer Zeit wuchs bei ihm allerdings die Einsicht, dass dafür nicht nur neue Schuhe entscheidend und notwendig sind, so dass er sich reumütig wieder in unsere Formation einreihte 😊👍.

das ist ein Kälbchen und noch Mathias ☀️

Bitte alles nicht so ernst nehmen,was ich hier so schreibe. Wir sind wirklich eine verrückt tolle Seilschaft und haben riesig Spaß. , veräpplen uns gerne gegenseitig aber motivieren uns für die bevorstehenden Aktivitäten gemeinsam, nach dem Motto: Alle für Einen und Einer für alle 😊.

sieht nicht nach einem harten Trail aus 😊
wer nimmt auch solch ausgelatschte Botten auf dem härtesten Trail Europas mit ☹️

Von Castellu di Verghio bis zur Refuge de Manganu sollten wir nun noch ca. 16 km laufen, um dort unser Nachtlager aufschlagen zu können. Mit neuen Schuhen eine Kleinigkeit. Bewundernswert war der Teil des Trails allemal, nicht nur weil viele Bäume 🌲 durch den ständigen Wind eigensinnig geformt wurden, sondern die Landschaft für die vielen Hiker gute Bedingungen anbot. Keine überstürzenden Kletterpassagen, zerklüftete Untergründe oder das Gefühl zu haben, deine Oberschenkelmuskelatur wäre durch Pudding ersetzt worden 😊. Bevor wir von Bocca San Petru 400 Höhenmeter auf den Bocca a Reta ( 1883 m)stiegen, ging es 40 min einen gediegenen Waldweg hinab. Bei einem kurzer Halt an der kleinen Kappele, San Petro hatten wir das Gefühl von einem spirituellen Duft eingehüllt zu werden. Sie forderte die hier ankommenden Pilger regelrecht auf, ihre Wünsche, Sehnsüchte oder auch Probleme an dieser Stelle abzuladen, mit der Hoffnung auf eine Antwort. Für uns lautete die Antwort: lauft um Gottes Willen in Frieden weiter ☀️.

Kappel San Petro

Je höher wir stiegen, umso schöner öffnete sich die Sichtweite in Richtung Paglia Orba und Monte Cinto. Auf dem heutigen höchsten Punkt, Bocca a Reta (1883 m) angekommen, vermisste ich meine jungen Mithiker👀. Wo sind sie denn geblieben? Spätestens unten am größten See, Lac Nino, würde ich auf sie warten. Hier konnte man endlich wieder aus einer Miniquelle frisches Wasser schöpfen. Der Boden unter den Füßen änderte sich auf Grund des Sees vom niveauloser Felslandschaft in einen grasbewachsenen morastigen sumpfigen Boden. Da überall Getier ( Rinder, Pferde) herumlungerten und wenn man sich auf den schwer erkennbaren Weg bewegte, war das Risiko in irgendeinem Loch zu versinken gleich 0👍. Was für ein abenteuerliches Wandergebiet. Der See strahlte so eine innere Ruhe und Stille, dass das Gefühl aufkam, wie ein Luftkissenboot über den feuchten Grasboden zu schweben. Mehrmals überfiel einen der Eindruck, man ist eher in schottischer Landschaft als in den korsischen Bergen.

Die Bergeries des Inzeccche war noch um diese Zeit geschlossen, aber kurz danach, konnte ich mich im kalten Wasser des Tavignano so richtig austoben um dem Körper und Geist einen Kälteschock zu verpassen. An der Bocca d. Acqua Ciarennte machte ich nochmals eine kleine Cola Pause und hoffte Bert und Mathias würden auflaufen.

die Beiden nehmen das nicht so ernst 😦
warum nicht mal ein kühlendes Bad

Ab nun war es bis zur Refuge de Manganu nur noch ein Kinderspiel. Noch einen kleinen Anstieg, eine langgezogene Kurve, der Wald lichtete sich und eine große mit Gras überzogene, durch menschliche Wesen, Kühe, Pferde, ein altes Steinhaus und viele kleine Zelte bestückte Fläche lag eingesäumt von kleineren Bergrücken vor uns. Meine Aufmerksamkeit und Gier nach zwei großen Biere 🍻 ergab sich aus meinem Überlebensinstinkt☀️. Natürlich übertreibe ich maßlos. Nicht die Strecke war anstrengend, sondern die Sonne ☀️versuchte die ganze Zeit die restliche Flüssigkeit aus unserem Körper heraus zu saugen. Etwas später turtelten die Zwei direkt an der Biertränke ein. Geschafft für heute. Zufrieden bestellen wir das korsische Abendmahl und richteten uns gesittet in den Mietzelten ein.

der heutige Tag

Nach 27 km, 4700 kcal und 7h 30 min. konnte nun getrost die Nacht einbrechen. Eure drei Muske(l)tiere. 🧑🏼‍🦽‍➡️🧑🏼‍🦯🏃🏽‍➡️

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