
rechtzeitig fanden wir uns zu dem tollen Frühstück ein und genossen dies in vollen Zügen. Die heutigen zwei Abschnitte führten uns mit jedem Schritt an die Grenzen der Belastbarkeit, nicht nur weil wir heute den höchsten Punkt des Trail‘s , den Pointe des Eboulis ( 2607 m) überschritten, sondern auch die Streckenführung nebst Profil trugen dazu bei. Meine Befürchtung, dass Mathias mit größeren physischen Schwierigkeiten zu kämpfen hätte, bewahrheitete sich glücklicherweise nicht. Meine Einschätzung basierte auf dem gestrigen Tag, da wir sahen, dass Mathias am ganzen Körper zitterte und sich nur langsam beruhigen konnte, obwohl es sehr warm war☀️.

07:00 Uhr stiefelten wir gut gelaunt in Richtung Refuge Tighiettu los. Es galt mal eben so mit vollem Magen 1280 Höhenmeter aufzusteigen und nach einer kleinen Erholungsphase 1020 m wieder abzusteigen. Dazwischen waren einige Kletterstellen, Restschnee und loses Geröll zu überwinden👍. Diese Unwegsamkeiten und bizarre Natur bildeten die Merkmale und den Rahmen der einzigartigen Landschaft.

Je höher wir kamen, wurde die Luft dünner, das Trinkwasser weniger, die Pausen länger, das Atmen kürzer,dafür schneller und der unbeugsame Wille zu kämpfen größer. Die grandiosen Bilder und Momente waren jedoch der verdiente Lohn für diese Strapazen. Das letzte Stück bis hoch zum Pointe des Eboulis hatte zu meiner Freude ☹️noch einig Schneefelder zu bieten, welche ich sicher und problemlos überquerte. 10.05 Uhr konnte ich bereits meinen Rucksack 🎒 auf dem höchsten Punkt fallen lassen und die wundervolle Bergluft in Ruhe einatmen. Überrascht war ich allerdings, dass der Gipfel um diese Zeit bereits mit unzähligen Wanderern übersät war. Nur meine zwei Junghiker fehlten noch ☹️. Die warmen Sonnenstrahlen, welche ungehindert auf meinen nun gestählten Körper trafen verursachten ein angenehmes Kribbeln in der Muskulatur und trugen zur schnellen Entspannung bei. Wie so oft, musste ich etwas länger auf meine Nachhut warten (40 min),


Ehrlich gesagt, ich war innerlich mit meinen Mitstreitern sehr zufrieden, was das Durchhaltevermögen, die Schnelligkeit und die Einstellung zu diesen Herausforderungen anbelangten👍.
Natürlich verweilten wir noch einige Zeit hier oben auf dem Gipfel und genossen inbrünstig die zauberhafte Inselwelt. Die Gipfelbesteigung auf den höchsten Berg, den Monte Cinto, lehnten wir jedoch ab und konzentrierten uns lieber auf den nun beginnenden Abstieg über die Bocca Crucetta( 2482 m) hinab zur der Refuge Tighiettu( 1683 m).

Das Stückchen bis Bocca Crucetta vereinte so einiges was man sich auf einer Bergtour wünscht. Von imposanten Aussichten, anspruchsvolle Pfade, die wir nur im Schritttempo bewältigen und körperlich Unversehrtheit😊. Der folgende Weg zeigte nun nur noch bergab und war im lockeren Tempo zu bewältigen, dachten wir. Einzig, was uns beunruhigte, war der Rettungshubschrauber, welcher über unseren Köpfen nach einem akzeptablen Landeplatz suchte. Gut das wir uns nicht direkt angesprochen fühlten, aber es mahnte uns weiterhin ständig unsere volle Aufmerksamkeit auf den Weg zu richten. Oben auf dem Weg zur Bocca Crucetta gab es schon die eine oder andere Möglichkeit sich außer Gefecht zu setzen. Wenig Trittfläche, scharfkantig gefalteter Felsen und die intensive Sonne ☀️ erwies sich heute nicht als Freund der mutigen Hiker. 14:00 erreichten wir die Refuge Tighiettu und unsere Sinne waren ab jetzt nur noch auf drei Dinge gerichtet: 1. Trinken, trinken und trinken 😊. 2. Essen, angebracht war ein Omelett. 3. ein ausgiebiges Bad in der mit kühlenden Wasser gefüllten Gumpe. Nun fühlten wir uns wieder stark genug, um das heutige Ziel, die Refuge Ciuttulu di Mori auf 1991 m anzugehen.



Die nun folgenden 6,6 km werden als besonders schöne Etappe beschrieben. Die Wanderung führt um die Königin der korsischen Bergwelt, die Paglia Orba, das Matterhorn Korsikas herum. Bei den vorherrschenden Temperaturen zogen wir bereits nach 30 min es vor, an der Bergerie de Ballone( 1440 m) nochmals in eine kühle Gumpe zu springen. Sollten wir lieber hier, an so einem herrlichen Ort unser einziges Zelt aufstellen, oder uns doch zum Bocca di Foggiale ( 1962 m) hochquälen? Lieber noch etwas quälen als erholen meinten meine jungen Mitschüler 😊. Und so hüpften wir wieder in unsere schweißdurchtränkten und wohlriechenden Klamotten. Die Bergerie ließen wir unbehelligt rechts liegen und genossen lieber den abwechslungsreichen Weg durch einen lichten Kiefernwald und den atemberaubenden Blick auf das Matterhorn Korsikas. Langsam bewegten wir uns in die Höhe. Nicht das es nun sehr anstrengend wurde ( für mich jedenfalls nicht), aber irgendwie mussten wir doch sehr aufpassen, damit wir nicht durch die vielen kleinen Steinchen ins Rutschen gerieten.

Wenn man das Bild so betrachtet, könnte der Eindruck entstehen, dass ich ja klar schneller sein musste als Bert und Mathias, da ich scheinbar ohne Rucksack wandere😊💪. Diesen Eindruck stelle ich nun mal richtig! Da ich oft auf die jungen Kerle einige Zeit warten muss, lohnt es sich meistens den Rucksack abzunehmen ☀️👍. Manchmal hatten sie auch keine Lust mehr sich diesen Strapazen zu widmen. ( siehe nächstes Foto)

So schaffen wir den Trail nimmer 😊. 18:30 erreichten wir die Bocca die Foggiale ( 1962 m) und es eröffnete uns einen beruhigenden Blick über dieses Gebiet. Im Norden war der Paglia Orba(2525 m), in Nordwesten der Capu Tafunatu, im Osten schauten wir über das Niellu und im Süden sah man das obere Golo Tal.


19:30 Uhr, nach 18 km, 2078 Höhenmeter und 5986 kcal.erreichten wir die Refuge Ciuttulu. Wir organisierten einen Zeltplatz, mieteten ein Zweimannzelt und buchten noch zum Abendessen ein wohlschmeckendes Menü. Da wir spät dran waren, mussten wir noch einige Zeit auf unser Essen warten. Nach einer halben Stunde erlaubten wir uns nachzufragen, mit der Bestätigung, dass der knochige und knorrige Koch uns vergessen hatte. Kurze Zeit später stellte man uns Brot, Suppe und ein Schüssel Makkaroni auf den Tisch. Lecker 😋. Ich befand, dass wir zu wenig Makkaronis bekommen hatten und erklärte dem Nachbartisch, das sie eigentlich unser Menü bekommen hätten und deshalb einige Kellen abgeben sollten. 10 min später stellte es sich aber als fehlerhaft heraus. Habe ich wahrscheinlich das Französisch falsch interpretiert 😊.?? Wir waren jedenfalls mehr als gesättigt und schlichen uns, gefühlt wie der Wolf von den sieben Geißlein in unsere Zelte.


Ein toller und anstrengender Tag geht zu Ende . Gute Nacht 🐻

