16.06. Zunehmende Herausforderungen

die Nacht war auch ohne Zelt sehr mild und veranlasste uns 05:00 Uhr aufzustehen. Die ersten Hiker verliessen das Gelände bereits 04:00 Uhr. Das hatte ich schon 2019 festgestellt, dass im Gegensatz zu anderen Trail‘s sich viele sehr früh auf den Weg machten. Ich denke, es hängt mit den vielen Höhenmetern zusammen, welche täglich zu bewältigen sind. Nach dem Frühstück suchte ich nochmals das Gebiet ab, aber es änderte nichts daran, das Zelt ⛺️ war verschwunden. Dieser Verlust nagte nicht so sehr im Gehirn, wie der gestrige Taxi-Preis☹️. Der Vorteil lag nämlich auf der Hand, mein Rucksack war nun 2 kg leichter 😊.

ein Zelt für Drei💪
hier stand unser 2-Zelt ☹️

07:15 Uhr setzten Mathias und Bert ( ich trampelte bereits 45 min auf der Stelle☹️) endlich ihre Beinchen auf den Trail. Heute wollten( mussten) wir mindestens 2 Etappen bewältigen, wenn wir den vorgeschlagenen Zeitplan einhalten wollten. Bis zur Refuge de Carrozzu waren es nur 7,3 km, die dafür notwendig Zeit sollte 7,30 h betragen. Dieses Verhältnis deutete darauf hin, dass es ein sehr schweres Stück Arbeit werden würde. Weniger der Aufstieg war das Problem, sondern der langsam steile Abstieg.

Haut-Asco Ski-Gebiet das heutige Ziel
unser Guide Udo 🐻

Bis zur Bergerie La Mandriaccia( 1460 m) schlenderten wir wie normale Touristen, locker, fröhlich, ungezwungen und bewundernden die ursprüngliche, bereits sonnendurchflutete Bergatmosphäre. Spätestens jetzt schienen wir Drei auf dem traumhaften GR 20 angekommen zu sein. Wir rochen förmlich die bevorstehenden Herausforderungen im Körper und Geist und unser Respekt gegenüber dieser riesigen Steinmassen hüpfte nochmals auf ein höheres Level 😊. Der Weg wurde nun nicht nur steiler, sondern auch wesentlicher steiniger. Um die fantastische Naturpracht zu genießen und im Bild festzuhalten, war es besser ein paar Sekunden stehen zu bleiben, da die Gefahr umzuknicken, oder zu stürzen zu groß wäre. Bis zum Bocca di Piscisghia(1950 m) stampfen und kletterten wir durch ein eindrucksvolles Hochgebirge, immer etwas bergauf und ab, teilweise durch Ketten gesichert und überwanden einen kleinen Kamin bis hin zum Bocca di I‘Innominata( 1912 m). Dieser Abschnitt ist zwar sehr abenteuerlich, aber nicht ungefährlich.

sieht nicht steil aus, es war steil
so schwierig sieht es doch nicht aus 😊

Vom COL d‘ Avartoli (1898 m) hatten wir auf Grund des tollen Wetters nochmals einen herrlichen Rundblick.

noch zeigen sie ein ahnungsloses Lächeln 😀

Ab nun ging es bis zur Refuge de Carrozzu ziemlich steil ab und unsere Knie wurden erstmals auf Herz und Nieren geprüft. 11:30 Uhr trudelte ich in der Refuge ein und wartete auf meine jungen Mitstreiter, die sich erstaunlich noch in einer guten Verfassung präsentierten. Obwohl es nur einen Weg zur Refuge gab, verlief sich unser Neuling „ Mathias „ gleich mal und trottete als Letzter zum Mittagessen ein. Um den nun anstehenden strengen Aufstieg, 800 Höhenmeter auf 2,5 km zu überstehen verschlangen wir jeder ein Omelett und einige Energieriegel 💪. 15 min später, beim überqueren eines Baches kam es uns doch in den Sinn, nochmals eine Badepause einzulegen und somit unsere heißen Körper herab zu kühlen. Es war grandios.

wie kleine Kinder

Die Überquerung des Baches erfolgte über eine berühmte Hängebrücke (war jetzt nicht so besonders) und der Weg verlief talaufwärts über schräg liegende Felsplatten. Gut, das es trocken war, bei Regen verwandelt sich dieser Untergrund sicher in eine schmierigen Angelegenheit. Das heutige Ziel, Haut- Asco war nur noch 4,5 km entfernt, aber dieses hatte es in sich ☹️. Bis zum Lac de la Muvrella(1840 m) , in den man leider nicht baden darf war der Aufstieg noch ertragbar. Aber das letzte Stück, bis zum Bocca di a Muvrella(2025 m) war die heutige große Herausforderung. Wie immer wirst du für die Schinderei mit fürstlichen Ausblicken auf die korsischen Berge belohnt, wie zB. den höchsten Berg Korsikas, den Monte Cinto ( 2706 m).

Ich durfte mich auf den Gipfeln immer über eine längere Pause erfreuen, da meine beiden Mitstreiter in der Regel 1/2 h später eintrafen😊. Der Abstieg war in der Folge überhaupt kein Genus und sorgte nicht für Erholung. Das Gefühl in den Oberschenkelmuskeln entsprach eher einer Tortur, wenn einer mit Nadeln hineinstechen würde, ganz zu schweigen von den Kniegelenken. Aber warum sollten wir jammern, wir haben doch gewusst, was auf uns zukommt ( zumindest mir war das klar). Als ich ca 17:00 eintraf, flossen gleich zwei Coca Cola den ausgetrockneten Schlund hinab, baute auf einen der Zeltplätze das 1 Zelt auf mietete ein 2 Zelt, welche bereits aufgebaut waren und für Heiker, die kein Zelt mitschleppen wollten bereit standen. Nach und nach fanden sich Bert und Mathias mit einem Lächeln über alle vier Backen,trotz der Strapazen, auf dem Zeltplatz ein. Ich erklärte Beiden, wenn wir hier zelten, müssten wir auch in dem Restaurant zu Abend und Frühstück essen, da dieser dem Restaurant gehörte. Also zogen wir wie Vagabunden ins Restaurant, bekamen für 49,-€ pro Person ein tolles Abendmahl und ein vielseitiges Frühstück und waren uns sehr einig, dass es ein perfekter, spannender und spektakulärer Wandertag war. Nach 16,3 km, 7:30 min, Aufstieg 1750 m, Abstieg 1880 m und 6330 kcal ging der Tag zur Neige. Gute Nacht 🐻

Skigebiet Haut-Asco und Zeltplatz
die haben‘s nicht eilig ☀️

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