09.03 die Zeit nach dem Abenteuer

Vom Zeitpunkt an, wo ich den TA laufen mochte, bis zum Start zog es sich über die dreifache Zeit hin und nun ist er nach acht Wochen schon zu Ende. Wie viele Hiker, sehnte ich in der letzten Woche auch das Ende des Trails herbei. Nach so einer langen Reise möchte man einfach fertig werden und freut sich schon auf das Erreichen des angestrebten Ziels. Auch meine Befürchtung, dass ich mich mit der Zeit verkalkuliert hatte traf deshalb nicht ein, weil ich einige Straßenabschnitte gehitscht war und so zwölf Tage früher in Bluff ankam. Die Frage für mich war, buche ich den Flug um, oder mache ich jetzt zwölf Tage Urlaub und schaue mir die neuseeländische Landschaft ganz in Ruhe an, ohne vom Ehrgeiz gepackt zu sein. Um möglichst viele Aktivitäten zu erleben, entschied ich mich lieber das Vulkangebiet, rund um Taupo und Rotorua zu erkunden. Schnell buchte ich einen Flug von Invercargill nach Auckland, um dann mit dem Bus in den National Park Tongariro, auf der Nordinsel zurückzukehren. Dort hatte ich ein Hostel und den Alpine Crossing ( Vulkanüberquerung, welche eigentlich Teil des TA‘s ist, den ich aber vor fünf Wochen wetterbedingt ausgelassen hatte) gebucht. Mit einer Wandergruppe spazierte ich sehr gemütlich den Vulkan hinauf, trug aber meinen Rucksack trotzdem halbleere mit. Der heftige Wind und Nebel ließen an dem heutigen Tag erst in letzter Minute eine Überquerung zu. Die letzte Eruption war im Jahr 2012. Überall dampfte es noch aus einer Anzahl von Öffnungen und verbreitete einen intensiven schwefligen Gestank. Da die Truppe mehr als langsam war, nahm ich mein eigenes Tempo auf und stürzte, so wie ich es gewohnt war, den Parkplatz entgegen. Unser Guide, Chris war davon überhaupt nicht begeistert und zählte mich entsprechend an ☹️. Jedenfalls war es eine lockere aber sehr interessante Wanderung.

für den Vulkan gerüstet
steht eine Explosion bevor?

Zum Abendessen traf ich mich noch mit Anja, sie machte einen Rundreise und wir vereinbarten, dass sie mich morgen früh nach Taupo, mein nächster Aufenthaltsort mitnehmen könnte. So war die Frage, wie ich dort hinkomme auch gelöst. Wir verabschiedeten uns bereits am Mittag des folgenden Tages bei einem Kaffee und ich schaute mir unverzüglich die Vorbereitungen für den Ironman World Championship, welcher am Samstag hier stattfinden sollte an. Mein Triathlonherz schlug freudig auf und niedrer. Das war eine riesige Überraschung für mich, einen Ironman Wettkampf mal live zu erleben 😊💪. Meine hier geplante Aktivitäten verschob ich sodann einen Tag nach hinten. Der Startschuss fiel für die Profis 07:50 Uhr und ich befand mich bereits unter den vielen Zuschauern und hatte das Gefühl, unmittelbar an diesem Ereignis teilzunehmen 😊☀️. Wie elektrisiert rannte ich von einer zur anderen Ecke, um ja nichts zu verpassen.

mit der grünen Kappe bin ich 😊👍
die Siegerin C. Sodaro 8:40:07 h USA

Welche Zeit hätten ich denn erreicht? Der Sieger in meiner Altersklasse, 65-69 Kaiht Paker NZ benötige 12:23:42 h, vom Gefühl wäre das mein Bereich 😊. Aber vom Sprinttriathlon, was mein momentanes Betätigungsfeld ist, zum IRONMAN trennen mich Welten. Mit jeder fortgeschrittenen Stunde des IRONMAN stieg die Stimmung an der Strecke. Nach über 4:00 h trafen die ersten Athleten über den halben IRONMAN unter dem Jubel der Zuschauer ein. Noch vier weitere Stunden mussten wir warten, bevor der erste Profi über die Ziellinie lief ☹️. Da konnte ich erstmal getrost Kaffee trinken und Mittag essen. Gegen 16:00 Uhr stieg die Spannung unter den zahlreichen Zuschauern auf ein Höchstmaß, was sich in einer tollen Atmosphäre und Stimmung zeigte.

supi Stimmung
Maoris beim Startschuss

Als Besitzer eines nun aktuellen IRONMAN Shirt, hüpfte ich, noch emotional erfasst, gegen Mitternacht in mein Bett und in mir arbeitete theoretisch schon die eigene Vorbereitung auf solch ein Event😊. Für morgen hatte ich ein harmloses Event gebucht. Beginnend mit einer Segeltörn zu einem in Stein gehauenes Bild der Maoris, verbunden mit einer Schwimmeinlage im klaren Lake Taupo. Das Wasser ist hier so klar und sauber, das man es einfach trinken kann. Am Nachmittag schlich ich einige Stunden durch die hiesigen Outdoor Geschäfte 😊💪, um mich mit diversen Dingen erfolgreich einzudecken.

Maori Steinbild
endlich mal wieder schwimmen

Montag, der 04.03. Die letzte Station meines Urlaubs ( der Trail war für mich Arbeit😊) stand nun an und begrüßte mich mit einem Dauerregen. Da der Bus nach Rotorua erst nachmittags für, hatte ich noch genügend Zeit ausgiebig Kaffee zu trinken und geschützt vor dem Regen unter einem Baum zu schlafen😊.

Regen in Hülle und Fülle ☹️

Ein Frau trat an mich heran und fragte, ob alles okay wäre und ob sie mich mitnehmen könnte👍. 16:00 Uhr traf ich in Rotorua ein und suchte sofort mein Hostel auf. Alles hatte so geklappt, wie ich es erwartet hatte. In den kommenden drei Tagen wollte ich noch so viele Dinge wie möglich erleben. Eine Vielzahl von Events wurden angeboten. Ich buchte Zwei pro Tag und war sehr gespannt, was mich so erwarten würde. Den Stadtrundgang absolviere ich auf eigene Faust und freute mich auf den abendlichen Besuch eines Maori Dorfs. Hier wurde ich mit den Sitten und Bräuchen vertraut gemacht, durfte bei deren Tänzen zuschauen und bei dem abschließenden speziellen maorischen Abendessen teilnehmen. War wirklich köstlich und vielfältig.

Maori
sehr reichhaltig und köstlich

Für den nächsten Tag hatte ich ein slithering – Abenteuer und für den Abend eine Kajak Tour durch die Glühwürmchen Höhlen gebucht. Slithering bedeutet, du legst dich auf ein Bord, an den Füßen Schwimmflossen und dann rauschst du einfach einen wilden Canyon mit Stromschnellen und Wasserfällen hinunter. Leider wurde diese Aktion kurzfristig abgesagt☹️. Zufälliger Weise wartete ein Auto vor dem Hostel, um einige Touris zum Vulkan auf dem Mt Tarawera zu fahren. Wir sprachen kurz und schon war ich ein Teilnehmer dieser Expedition. Im Jahr 1886 explodierte dieser Berg und teilte ihn in zwei Hälften. Die Caldera durchwanderten wir, wobei der sehr steile Abstieg durch lockeres Asche/ Steingemisch nicht ganz einfach war.

Caldera
hinab ins Tal

Für die am Abend anvisierte Kajak Tour stellten in sich optimale äußere Bedingungen ein. Sternenhimmel, Windstille und in den Höhlen viele kleine leuchtende Würmchen, in welche wir teilweise hineinfahren konnten.

die größte und hellste Höhle

Gegen Mitternacht ging ein hochinteressanter Tag zu Ende. Der Donnerstag stand ganz im Zeichen eines Wildwasser Raftings💪. Zu Sechst bildeten wir eine Crow und bekamen einen sehr erfahrenen Guide, Hudson als Kapitän, der uns sicher durch das aufgepeitschte Wasser und die Stromschnellen manövrieren sollte. Immerhin stürzten sich die Wassermassen tosend den Fluss hinab und überwanden insgesamt 14 Stromschnellen und drei Wasserfälle. Wir meisterten den Tutea Wasserfall, den weltweit höchsten befahrbaren Wasserfall mit 7 Metern Höhe. Das Schlauchboot wurde dabei samt Besatzung komplett unter Wasser gedrückt und mit dem Atmen, bzw. mit der Orientierung war es für einige Sekunden vorbei 😊. Ein Gaudi der Extraklasse.( Bilder werden nachgereicht). Nach 2,5 Stunden war das Spektakel vorbei. Manche Boote verloren in den Fluten kurzzeitig ihrer Besatzungen, welche aber alle diese ungewöhnliche Situationen lächelnd überstanden. Danach hatte ich mir ein deftiges Mittagessen verdient und auch gegönnt 👍. Den Nachmittag nutzte ich zum schlafen und um den nächsten und letzten aktiven Tag auf Neuseeland zu planen.

zweiter von rechts 🐻
harmlos 😊

Meine Wahl fiel auf das Waimangu Vulcanic Valley. Das Tal liegt vor dem Berg Tarawera, ein schlafender Vulkan ( war ich ja vor zwei Tagen), welcher am 10.06.1886 ausbrach und und alles zerstörte. In den Jahren 1900-1904 war hier der größte Geysir der Welt aktiv, wobei vier Touristen getötet wurden und 1917 brach der Bratpfannensee aus und zerstörte ein Wohnhaus. Dieses Tal ist deshalb so interessant, weil man hier die Entstehung der Erde hautnah erleben und beobachten kann. Überall steigen aus den Kraterseen heiße dampfende Wolken auf und heißes sprudelndes Wasser wird unter blubbernden Geräuschen aus kleinen Schlünden in die Höhe katapultiert. Der Bratpfannensee😊 zb. fliest mit einer Temperatur von 50 Grad und 110 Liter pro Sekunde ab. Aber der Inferno Krater See, wenn er in bestimmten Zyklen gefüllt ist, erhitzt sich sogar auf 80 Grad. Im ersten Moment wirkte auf mich alles so unrealistisch und künstlich geformt, wie die Kulisse zum Film „ Herr der Ringe „. Nein, es war Realität, was hier die Natur über tausende von Jahren erschaffen hatte. Ich konnte nur noch über diese Naturwunder staunen und war happy, dass ich mir zum Abschluss so ein überwältigendes Erlebnis ausgewählt hatte.

sah es im Jahr 1917 so aus?
Südliche Krater
Smaragd Krater
Schlund

Gegen Nachmittag traf ich wieder im Hostel ein und war mit dem Packen beschäftigt. Am 09.03 , 07:30 Uhr setze ich mich in den Bus nach Auckland Flughafen, um nach 10 intensiven Wochen wieder in Richtung Heimat zu fliegen. Wohlbehalten landete ich am 11.03 12:00 Uhr in Leipzig☹️. Um die Frage vorweg zu beantworten, im Juni werde ich nochmals den GR 20, auf Korsika, den schönsten und schwierigsten Trail Europas laufen , aber nur 179 km 🐻💪. Bis dahin bleibt alle gesund und wer Lust hat mit auf den GR 20 zu kommen, meldet euch bitte bei mir.

Hinterlasse einen Kommentar