
die letzten 33 Kilometer wollte jeder für sich alleine in seiner eigenen Blase, welche sich über die Wochen gebildet hatte laufen. So startete ich bereits 07:00 Uhr, um die Gewissheit zu haben, mich nicht mit anderen Hikern messen zu müssen und rechtzeitig in Invercargill zurück zu sein. Fast die gesamte Strecke verlief an der Straße entlang, was mich heute keineswegs störte. In den paar Stunden zeigte sich das Wetter nochmals in all seinen Fassetten, von trüb, sonnig, windig, bis regnerisch, so zusagen im Zeitraffer der letzten 9 Wochen. Das für die emotionalste Phase, die letzte Etappe, nur die Straße und keine andere Alternative möglich gewesen war, bedauerte ich schon. Da läufst du 3000 km( ich nur 2400km) von Cap Reinga nach Bluff und wirst am Ende mit der langweiligsten Etappe belohnt ☹️. Natürlich habe ich über die 5 Stunden ein Smileygesicht ausgestrahlt und war auch happy den Trail heute beenden zu können, aber ein Gefühl der mittlerweile ‚Routine’ wollte nicht aus meinen Kopf. Auf dem Weg nach Bluff versuchte ich den gesamten Trail nochmals vor meinen Augen wie einen Film ablaufen zu lassen. Erst da wurde mir bewusst, dass ich wieder unwahrscheinlich viele besondere und unterschiedliche Erfahrungen gesammelt hatte, die ich überhaupt nicht mehr so richtig aufzuzählen vermochte. Zumal der TA gegenüber meiner bisherigen Trails andere Ansprüche in Richtung Organisation, Planung, Schwierigkeiten, Profil und Motivation stellte. Es ging mit der brutalen Sonne los, später öfters Regen, Organisation einer fünftägigen Kanutour, weil es kaum eine andere Möglichkeit gab, ständiges River Crossing durch tiefe Flüsse mit starker Strömung, durchlaufen von sumpfigen Grasland und die beschwerlich zu überwindenden matschigen Wege in den Regenwäldern.
Ich hatte mich anfangs mit dem TA sehr schwer getan und sogar ans Aufhören gedacht, aber ich habe den Trail meinen zwei Freunden, Roberto und und Uwe gewidmet und mir gesagt, dass ich deshalb nicht aufhören kann und bis zum Ende kämpfen werde und mein Abenteuer ging nun positiv für mich zu Ende. Die Zwei sind auch Kämpfertypen und ihr Abenteuer sollte hoffentlich auch so ausgehen wie meins. Obwohl ich alles selbst in der Hand hatte, versuchte ich einen Haufen Energie und Ausdauer für den ungleichen Kampf gegen den Krebs Beiden mit auf dem Weg zu geben. Ich drücke fester als fest die Daumen und das auch auf dessen langen Weg am Ende sie oben auf stehen und jubeln können. Plötzlich erschien vor mir, wie aus dem Nichts ein riesiger Regenbogen 🌈. Ich schaute mir unglaubwürdig den Himmel an, als ob er mich aufforderte durch dieses riesige bunte und vielversprechende Tor gehen zu müssen. Wenn ich das täte, würden meine Freunde wieder gesund und ich löste damit meine Versprechen ein. Der Regenbogen zeigte sich noch mehrmals und vermittele mir so einen väterlichen Eindruck, du schaffst das 💪. Die letzten 5 Kilometer führten doch noch über einen kleinen Hügel und dann weiter an der Küste entlang und der Trail war für mich Geschichte. Auf einem Felsvorsprung, mit herrlicher Sicht auf den Ozean packte ich meine Sektflasche aus und nahm einen kräftigen Schluck. Eine junge Trailrunnerin bat ich ein Erinnerungsfoto von mir zu machen. Es war verrückt☀️, Jenny aus dem Erzgebirge. Wir tranken gemeinsam ( ich 2/3)die Flasche Sekt aus und vereinbarten, dass sie mich anschließend mit ihrem Auto nach Invercargill mitnimmt😊. Sie war Leistungssportlerin im Skilaufen und studiert in Innsbruck Jura. Halb besoffen rannte ich dann zum Parkplatz und war bereits 14:00 Uhr wieder in Invercargill. So endete mein Abenteuer Te Araroa auf Neuseeland. 🇳🇿 Erst jetzt trat eine gewisse innere Genugtuung und Ruhe ein. 😊☀️👍🐻🐻🐻🐻🐻🐻🐻🐻🐻🐻🐻🐻🐻🐻🇳🇿
Nun galt es die nächsten 10 Tage, bis zum Rückflug zu planen. Im Raum stand der Rückflug nach Auckland und von dort aus eventuell weiter nach Cap Reinga( Beginn des Trails), oder nach Taupo in den Nationalpark. Mal schauen 👀 Gute Nacht 🐻







