09.01 ein intensiver Abend

Die Nacht war vor allem für meine riesigen Blasen, die sich unter den Füßen freudig gebildet hatten, sehr angenehm. Noch besser wäre es, wenn mich der heutige Weg nicht durch nasses Gras oder Matsch führen lässt, denn das lange Verbleiben( ca10 h) in den nassen Socken und Schuhen verursachen dieses weichgespülte Phänomen der Füße. 08:30 Uhr legte ich zuversichtlich los und wurde prompt am matschigen Flussufer vorbei geleitet☹️, mit dem Resultat das ich gleich mehrmals bis zur Wade in die Pampe rutschte und so einen fürchterlichen Gestank verbreitete. Aber Kopf hoch und weiter. Nach 10 km glitschigem Geländes erreichte ich wieder ff-(freies und feuchtes) Weideland und konnte etwas entspannt den noch bedeckten Himmel genießen. Die Ereignisse zu Hause fesselten meine Gedanken so sehr, dass ich mich nicht so intensiv vom Trail gepackt fühlte. Die Landschaft projizierte in meinen Augen mehr eine Eintönigkeit und Monotonie und weniger Emotionen vor. Mehrmalig verfehlte ich den Weg, freute mich, dass es bergab ging, um dann doch festzustellen, ich muss den Berg hochlaufen. Unnötige Zeit, kräftezehrend und demotivierend. Dazu kam noch, das ich bemerkte, mein T Shirt verloren zu haben. Bereits vor zwei Tagen büßte ich irgendwo im Gestrüpp eins ein. Notgedrungen legte ich den Rucksack ab und lief den einen km zurück ☹️. Was würde mir heute noch alles passieren? Auf Grund der Schotterpiste kam ich nun etwas schneller vorankommen, aber die agressive Sonne verwandelte diese gefühlte Lockerheit in eine wahre Strapaze. Unter diesen Bedingungen würde ich heute nicht die Berghütte erreichen aber sicherlich den Campingplatz am Fuße des ersten 1000 m hohen Bergs. Bis dahin waren es noch 12 km. Ich trat aus dem schattigen Wald heraus und erblickte freudig eine kleine Quelle, welche sich dem Hang, mitten durch eine Schafherde hinab schlängelte. Die Einladung, erstmals in einem warmen und sauberen Bächlein baden zu können nahm ich herzlichst an. Die Schafe schauten mir ungläubig beim Ausziehen und Baden zu. Hatten sie noch keinen alten schlaffen Mann gesehen, oder waren sie so von meinem Antlitz verzaubert? Diese Erfrischung ( 30 Grad Wassertemperatur) hielt nur 13,5 min an. Und der Durst war riesig, aber wegen der vielen Schafe zwang ich mich lieber nichts von diesem Lebenselxier zu trinken. Hoffnung stellte sich dann 7 km weiter ein. Ein größere Fluss schlängelt sich ins Tal hinab und lud viele badelustige Kiwis zum toben ein. Toben wollte ich zwar nicht, aber meine Körpertemperatur mal so richtig herunter kühlen und dazu noch ein kleines Nickerchen waren angesagt. Endlich führte der Weg wieder unter schattenspendene Bäumen und am Fluss entlang. Vier indisch aussehende Kerle kamen mir entgegen und wollten wissen, ob ich auf meinem Weg hin Polizei gesehen hätte. Mein Eindruck, es müssten Migranten sein. Kurz vor dem schönen, am Fluss gelegenen Zeltplatz kam ich an einer Art Unterstand vorbei, welche eine Familie auf ihrem Weideland gebaut hatten und mit ihren Freunden einem Barbecue begannen. Ich fragte natürlich, ob dies für mich wäre😊. Sie gaben mir sogleich ein Bier und luden mich zum Essen ( eigentlich habe ich mich aufgedrängelt😊) ein. Schnellen Schrittes landete ich auf dem angenehmen Campground, stellte das Zelt in den Wind, machte ein kleines Nickerchen, zog meine „Ausgehsachen“ an und fand mich mit großem Hunger bei der Familie ein. Wir (sie Lehrerin, er Ingenieur und drei Kinder) kamen ins Gespräch, was auch für mich bei den Getränken nicht so schwierig war. Am Ende tauschten wir die Adressen für ein eventuelles Wiedersehen👍( in Leipzig) aus. Bevor wir den unerwartet schönen Abend beendeten, durfte ich noch den Schmutz auf meiner zarten Haut in einer warmen Outdoordusche abspülen. Mein Tagesziel habe ich nicht erreicht. Am Ende des Tages fühlte ich in mir mehr eine innere Befriedigung und Ruhe und das ließ die körperlichen Schmerzen in den Hintergrund rücken. Gute Nacht 🐻

ein bisschen Abkühlung
meine Gastgeber Susan
perfekte Dusche
es gibt auch Rehe

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